Das Internet ist manchmal magisch

Das Internet ist nicht grundsätzlich ein böser Ort, auch wenn man das ab und zu glauben könnte. Manchmal ist das Internet magisch und es geschehen unverhoffte Wunder. Auf sehr verschlungenen Wegen, mit denen niemand rechnet.

Vor knapp zwei Wochen machte ich eine unbedacht heftige Bewegung am Schreibtisch und stieß mein Glas Colamix um. Alles ergoß sich in meinen Laptop. Festplattenschaden innerhalb von Sekunden, alles gnadenlos verkleistert. Während 20 Jahren PC-Arbeit ist mir sowas noch nie passiert, ich bin aber nach anderen, weniger dramatischen Zwischenfällen, immerhin so schlau, mein Zeug abzusichern. Der Datenverlust war also nicht allzu katastrophal und ich verfiel nicht in totale Panik, aber es ist trotzdem blöde, zumal es Dinge gibt, die ohne einen funktionierenden Computer mit Internetzugang ziemlich kompliziert oder gleich völlig unmöglich werden.

Ganz aus der Welt war ich zwar nicht, Dank Ipad, aber damit geht auch nicht alles und schreiben ohne vernünftige Tastatur wird irgendwann schmerzhaft. Also bot mir der Beste Freund von Allen einen Uralt-Laptop von 2002 an, für den Übergang. In meinem Fall würde das ein langer Übergang werden, denn ich gehöre nicht zu den Leuten, denen am Freitag was kaputtgeht und die sich am Samstag gleich was neues kaufen können, selbst wenn sie es noch so dringend benötigen. Dieser Gedanke läßt mich jetzt mal kurz abschweifen. Vor einiger Zeit stolperte ich bei Twitter über einen „Betteltweet“: „Wer finanziert mir denn meinen Traumurlaub nach Japan?“ (So ähnlich jedenfalls), gleich mit einem Link, wohin man sein Geld „spenden“ konnte. Ich dachte bloß „WTF?!?!“ Ich meine, nicht nur, daß es mein Lebenstraum ist, nach Japan zu reisen und das immer ein Traum bleiben wird, aber wie dreist abgebrüht muß man denn sein, wildfremde Menschen um einen solchen Luxus anzubetteln? Was denken sich solche Leute? Es geht hier ja nicht um jemanden, dem das Dach über dem Kopf eingestürzt ist, oder einen alleinerziehenden Elternteil, mit zwei Jobs, der trotzdem nicht klarkommt. Und solche Menschen betteln nicht, Hilfsaufrufe kommen meist von Nachbarn oder Freunden. Mir würde im Traum nicht einfallen, über Twitter oder sonst eine Plattform für einen neuen Rechner zu betteln – und wenn ich ihn noch so dringend bräuchte. Was diese Exkursion jetzt hier zu suchen hat? Das klärt sich gleich.

Ich bin ja Bewohnerin von virtuellen Welten wie Second Life und Dorenas Welt. In letzterer habe ich ein Fleckchen Land und ein Haus, also mußte ich Bescheid sagen, daß ich mein Notebook geschrottet hatte und vorläufig nicht so schnell wiederkäme. Schließlich könnte es ja sein, daß jemand anderes das Land mieten möchte. So weit, so gut. In Dorenas Welt findet jeden Freitag von 20.00 – 24.00 Uhr Gridparty statt, die auch über das hauseigene Webradio http://www.radio-rote-dora.org/ übertragen wird, hört da gerne mal rein 🙂 An just diesem Freitag war Gridgeburtstag und somit „Wunschkonzert“. Ich saß mit Kopfhörern da, weil ich via Messenger mit dem Besten Freund von Allen diskutierte, wie man den Uralt-Laptop internetfähig bekäme und bekam die Sendung so über Kopfhörer mit, weil er sie an seinem PC laufen ließ. Weil ich nichts Besseres zu tun hatte, wünschte ich mir spontan einen Song und bat den Besten Freund, ein paar Grüße von mir in den Chat zu tippen, was er auch machte. Kaum ein paar Minuten später ertönte die Stimme des DJ´s mit meinen Grüßen und der Geschichte, wie ich durch eigene Blödheit meinen Laptop gekillt hatte und das der Grund sei, warum ich nicht in Persona virtuell auf der Party sein konnte. Nun ja… öhm… Wer den Schaden hat, spottet ja angeblich jeder Beschreibung, nicht wahr? 🙂 Aber nein, das genau war der Moment für die Internetmagie! Jemand, den ich gar nicht kenne, bzw. mit dessen Avatar ich mal geplaudert hatte, hörte die Geschichte und schrieb dem Besten Freund, er hätte einen kompletten PC mit Monitor und allem Pipapo rumstehen, eingerichtet auf Windoof 10 und den würde er mir schicken, einfach mal so, weil er mir gern helfen möchte.

Seit gut einer Woche arbeite ich nun an einem PC mit einer großartigen Grafik und einer Arbeitsgeschwindigkeit, die ich so überhaupt nicht gewohnt bin. Das macht sich besonders in virtuellen Welten bemerkbar, die Arbeits- und Grafikleistung wirklich „fressen“. Ich empfinde eine große Dankbarkeit, denn ein gutes Gerät erleichtert vieles. Und das nur, weil ich mir spontan einen Song wünschte und der DJ gleich die komplette Story über den Äther jagte. Die Wege, wie einen manche Dinge erreichen, sind manchmal wahrlich verschlungen wunderbar!

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Meine virtuelle Parzelle
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Gute Vorsätze und Muskelkater

Seit letztem Jahr schlich ich gedanklich um meine überquellenden Bücherregale herum. Ich möchte meine Wohnung ein bisschen umstylen und auch etwas mehr Platz haben, aber Bücher rauszuwerfen empfand ich immer als Sakrileg. Da sind Bücher dabei, die ich seit meiner Schul- und Ausbildungszeit mitschleppe, immerhin durch dreizehn Umzüge. Und die ich ungefähr genau so lange nicht mehr angesehen habe. Es sieht natürlich sehr intellektuell aus, wenn in jedem Zimmer ein fast deckenhohes Regal steht, vollgestopft mit Literatur, und jeder Besucher erstmal staunt: „Und die hast du alle gelesen?!“ In Wahrheit habe ich noch wesentlich mehr Bücher gelesen, als ich besitze. Aber nun war es beschlossen: im neuen Jahr miste ich meine Bücher aus, rigoros.

Ich schätzte mal grob, daß es ca. 500 – 600 Bücher erwischen würde. Das Dumme war, ich entschied mich, das Regal im Schlafzimmer abzuschaffen und genau dort stehen alle meine Lieblingsbücher. Das hieß, zuerst das Regal im Wohnzimmer leerräumen und dann alle Bücher, die ich behalten wollte, vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer zu wuchten. Innerhalb nur eines Tages konnte ich mich nur noch über Trampelpfade durch die Wohnung bewegen. Was ich nicht tat: Ich sah mir die Bücher nicht an, blätterte sie nicht durch und las nicht darin, sondern schmiß sie gleich im Dutzend auf den Kommt-weg-Haufen. Sehr herzlos, ich weiß… Aber anders hätte ich das nicht geschafft. Ich kenne meine Bücher sehr genau, weiß, welche signiert sind vom Autor und welche eine Widmung enthalten, weil sie mir von lieben Menschen geschenkt wurden. Diese Bücher sind noch da und bleiben es auch, ebenso natürlich die Lieblingsbücher. Genau so weiß ich aber auch, welche Bücher ich nie mehr lesen werde, entweder, weil sich das Interesse verlagert hat oder weil einmal eben reicht.

Insgesamt habe ich vier Tage gebraucht, alles umzuräumen und neu einzusortieren. Letztendlich habe ich mich gewaltig verschätzt, es waren über 800 Bücher, die mein heimisches Regal verlassen mussten. Und ihr könnt mir glauben, kein Neues-Jahr-gute-Vorsätze-Training kann einen solchen Muskelkater verursachen, wie Berge von Papier wegzuschaffen!

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Ein neues Haus zu Weihnachten

Weihnachten ist für mich traditionell der Startschuß für die „Einigel- und Kuschelsaison“. Wenn ich mich auch nicht zu den Super-Hausfrauen zähle(n will), zum Jahresende ist die Bude aufgeräumt und blitzt, weil ich dann einfach die Füße hochlegen will und weder staubsaugen noch Wäsche waschen. Weihnachtslieder rauf und runter, Punsch, gutes Essen, Zeit zum Lesen. Ich erinnere mich, einmal beschwerte sich Oma furchtbar: „Kind, du hast gar kein Weihnachtslied gespielt!“ Ähm… jein. Ich spielte keine deutschen Weihnachtslieder, diese düsterschweren, besinnlichkeitsgeschwängerten Lieder wie „Stille Nacht“ und die entsprungene Ros` machen mich depressiv. Jedenfalls auf Dauer. Ich steh einfach auf amerikanisch verkitschte oder britische Weihnachten ¯\_(ツ)_/¯. Oder wenn schon deutsch, dann bitte das Weihnachtsoratorium von Bach, Hallelujaaaa^^ Aber das hört man ja nicht so nebenbei.
Die letzten beiden Weihnachten waren schwierig für mich. Der Tod meines Partners hinterließ einen Bombenkrater in mir. Im ersten Jahr „flüchtete“ ich zum Besten Freund von Allen, weil ich dort auch verheult rumsitzen darf und nicht auf Knopfdruck besinnlich sein muß und niemand „Kommst du jetzt mal? Wir wollen singen!“ aus dem Wohnzimmer ruft. Im letzten Jahr habe ich mich mit so viel Arbeit zugeschüttet (ihr erinnert euch sicher an die Theaterpremiere im Dezember), hatte an zwei Tagen Besuch und Berge von Abwasch, daß ich zum Jahresende nur noch schlafen wollte. Dieses Jahr wollte ich mal wieder Zeit für mich alleine, auch Erinnerungen zulassen, die mir sonst viel zu weh taten. Da das Tochterkind samt Freund auch einiges um die Ohren hatten, waren die auch froh, mal einen Tag für sich zu haben. Heiligabend gibt es traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat, Bescherung, wir trinken Tee und quatschen. Dieses Jahr kamen beide mit dem Auto und ich sah schon vom Küchenfenster, daß sie etwas riesiges und leidlich schweres da rauswuchteten. Was ist das, ein Schrank??? Ein Bücherregal? Ein – MEERSCHWEINGEHEGE!!! Ich meine, die Flauschbälle bekommen immer was zu Weihnachten, ein neues Häuschen oder besondere Leckerlies, aber…!
Das Gehege was sie hatten, ist schon fast 10 Jahre alt und sehr schwierig zu putzen. Jedenfalls für mich. Außerdem war die Plastikwanne gerissen, weil sich da mal jemand aufgestützt hatte und der Riß halt immer größer wurde. Alles halt nicht mehr so schön. Und jetzt? Seht selbst. Ich hab wirklich geheult von Freude, ich hatte überhaupt keine Ahnung! Und jetzt weiß ich auch, warum das Tochterkind an ihrem freien Tag nie Zeit für den Weihnachtsmarkt hatte 😉

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Ca. 2,5 qm insgesamt für zwei Schweinchen
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Die beiden Schnuffis sind ins Glas graviert, damit kann ich den Eingang vergrößern oder kleiner machen

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Watson spielt Brückentroll. Die Heubrücke von (c) Resch ist wirklich schön!
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Alles wird genau angeguckt 🙂
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Oh, Essen!!!

Genau, Essen! Ein wichtiges Thema an Weihnachten! Und danach mit dem Buch vom Besten Freund von Allen auf´s Sofa kuscheln.

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Wonach der November riecht

Bei der Frage, wie oder wonach etwas riecht, kann die Antwort ja, wie bei den meisten Dingen, in zwei Richtungen gehen. Beim Thema riechen in Duft und Gestank.

Ich erinnere mich gut, daß der November meiner Kindheit extrem nach Abgasen stank. Der November war nicht nur grau von Nebel und Regen sondern auch von Smog. Es stank nach Dieselmotoren und wir husteten. Es war das Berlin der 70er und da gab es noch keine Feinstaubfilter.

Heute riecht mein November nach den letzten Laubfeuern, nach feuchten Blättern auf dem Bügersteig und nach Regen, manchmal auch nach nassem Pferd. Es riecht nach Kerzen und nach den ersten Plätzchen…. Nein, danach duftet es!

Der November riecht nach Sehnsucht, wenn ich an meinem Küchenfenster stehe und durch die Winterbäume die Autos auf der Straße nach Norden sehe, der Straße, auf der Du kämst, wenn Du noch könntest. Und schnell wende ich den Blick vom Fenster nach Norden, den Hauch des Sehnsuchtduftes in der Nase.

Der November riecht nach Weihnachtsmärkten, Bratäpfeln und Zimtmandeln, nach Bratwürstchen und nach Schnee. Und es mischt sich ein Gestank darunter. Ein anderer als in meiner Kindheit, es ist der Geruch nach Mißtrauen, Neid und Angst. Und dieser Geruch macht mich wütend. Es macht mich wütend, daß ich mich durch Absperrungen auf den Weihnachtsmarkt schlängeln muß, an schwerbewaffneten Polizisten vorbei, deren Maschinengewehre nach Waffenöl stinken. Es macht mich wütend, wenn ich Leute reden höre, daß das alles „wegen dieser Flüchtlinge“ nötig wäre und früher war das… Ich möchte denen ins Gesicht schreien, daß das eben nicht an den Flüchtlingen liegt sondern an einer giftigen, überängstlichen Minderheit, die es geschafft hat, einen ganzen Staatsapparat mit ihrer Hysterie anzustecken. Diese waffenstarrende Präsenz macht nicht, daß ich mich „sicherer“ fühle sondern nur sehr, sehr unwohl. Und vielleicht suche ich mir nur noch die winzigkleinen Märkte mit den handgestrickten Strümpfen und den selbstgekochten Marmeladen, die versteckt in den Kirchhöfen der Dörfer liegen und wo es nicht so durchdringend nach Angst mieft…

Der November duftet nach Kakao mit Baileys und nach den ersten Spekulatius, nach Acrylfarben und Pattex, nach Weihnachtstee und Orangen. Und dieses Jahr duftet er auch nach dem frisch bedruckten Papier vom Bärlender und das ist ganz wunderbar!  Das glättet die Wogen dann wieder.

Ein Brief an Deutschland – Wir müssen reden!

Ich lebe schon seit über fünfzig Jahren hier und bisher fühlte ich mich wohl in dir, Deutschland. Ich wurde hier geboren, von deutschen Eltern, bin also sowas wie eine „Biodeutsche“. Aber was heißt das, Deutschland? Ist das ein Gütesiegel wie auf „Bio-Eier“ vom Bauernhof? Seit einiger Zeit bist Du jedenfalls nicht mehr meine Komfortzone, nicht mehr der Ort, in dem ich mich uneingeschränkt wohlfühle. Was ist mit dir passiert, Deutschland?

Du hast eine Vergangenheit. Eine unrühmliche, sehr nachhaltige Vergangenheit, auf die du sicher nicht stolz sein darfst. Es gibt dann Dinge, auf die du stolz sein kannst, zum Beispiel, diese Vergangenheit abgeschüttelt zu haben und eine Demokratie geworden zu sein. Du kannst stolz auf deine Bildung sein und darauf, daß deine Bürger ihre Meinung sagen dürfen und auch öffentlich protestieren, ohne im Gefängnis zu landen. Stolz kannst du sein, daß in deinen Zeitungen die Wahrheit gesagt wird, auch über Politiker, selbst wenn denen das nicht passt. Ja… oder, Moment… irgendwas stimmt mit dir doch nicht mehr, Deutschland. Hast du Gedächtnisprobleme? So lange ist deine unrühmliche Vergangenheit ja noch nicht her. Wie kann es dann sein, daß in deinen Grenzen die Dummheit immer mehr Oberwasser bekommt? Eine Dummheit, die weit über schlechte Schulzeugnisse hinausgeht, die so tief verwurzelt zu sein scheint, daß man deinen Menschen tatsächlich erzählen kann, sie sollen „umgevolkt“ werden (was immer dieses komische Wort bedeuten soll) und unsere Regierung hat den Plan, die „weiße (Herren-)Rasse“ durch Messeremigranten auszurotten. Das eindeutig belegbare, beweisbare Fakten ins Gegenteil verdreht werden von Leuten, denen man irrationale Angst vorm „schwarzen Mann“ (Moslem, Afrikaner, allem Fremden per se) eintrichtern konnte, das kennst du doch noch, Deutschland? Diese emotionale Dummheit und Empathielosigkeit sorgt für Unruhe auf deinem Rücken, es sorgt dafür, daß deine Menschen gegeneinander stehen und nicht füreinander. Es sorgt dafür, daß diejenigen, die gegen die Dummheit angehen, beschimpft und bedroht werden. Und gleichzeitig darf man über nichts und niemanden mehr etwas sagen, weil sich einzelne dann „betroffen“ fühlen und „beleidigt“. Dann sage mir mal, Deutschland, wie soll es weitergehen mit dir? Was möchtest du in Zukunft sein? Eine Heimat, in der sich alle Menschen wohl fühlen und frei, so zu leben, wie sie es gerne möchten, lieben, wen sie wollen, den Gott anbeten, den sie möchten – oder auch nicht – , die ihre Gedanken frei äußern dürfen, mündlich wie schriftlich. Oder ein dunkler Ort, in dem Angst und Unterdrückung herrscht, wo alle geduckt und ängstlich herumschleichen, keiner seine Meinung laut sagt und viele deiner Menschen einfach mal so verschwinden.

Im Augenblick sieht es so aus, als wäre deine Richtung düster wie das Mittelalter. Die Zeit, in der die ungebildeten Leute an Hexen und Zauberei glaubten und verbrannten, was sie nicht verstanden. Willst du diese Zeit zurück, Deutschland? Wirklich? Das glaube ich nicht. Ich glaube, die Mehrheit deiner Menschen will in einer freiheitlichen, offenen Demokratie leben. Also entscheide dich, wohin du gehen willst. Dann kann ich entscheiden, ob ich mitkomme oder mich dagegen wehre. Und entscheide dich schnell, Deutschland! Die emotionale Dummheit breitet sich schnell aus und das ist nicht gut für dich.

Eine Bewohnerin

Was machen Sie denn so den lieben langen Tag?

Auf dem Blog Read on my dear erzählt Mlle Readon an jedem 5. eines Monats, was sie den ganzen Tag so macht. Das ist so eine ähnliche Sache wie das monatliche „12 von 12“, was ich mit schöner Regelmäßigkeit verpenne. Nachdem ich dann auf Twitter laut darüber nachdachte, ich könnte das ja vielleicht auch mal aufschreiben, kam ein begeistertes „Oh ja, bitte!“ zurück. Nun denn!

Die Sonne weckt mich und inzwischen bin ich nicht mehr freudig begeistert darüber sondern einfach nur noch erschlagen. Ich sehne mich wie jeder Grashalm und jedes Blatt nach einer lang anhaltenden Dusche von Oben. Eigentlich würde ich gerne weiterschlafen, weil ich seit Wochen kaum schlafe wegen der Hitze und ständig müde bin. Aber ich werde schon erwartet wie jeden Morgen. Wenn ich durch meinen Noren (jap. Trennvorhang) ins Wohnzimmer komme, sitzen Sherlock und Watson im Gehege, den Blick gebannt in meine Richtung und warten darauf, daß sie Frühstück bekommen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern pfeifen und quieken sie nicht, sobald sie merken, daß ich mich rege, aber sie starren mich sozusagen telepathisch aus dem Schlafzimmer.

„Guten Morgen, Jungs!“ flöte ich.

Ich sammle die Futterreste ein, nehme den leeren Napf mit und wenn ich nach dem kurzen Abstecher ins Bad zurückkomme, bringe ich einen mit Gurke, Tomate, Fenchel, Salat oder Möhre gefüllten Napf mit zurück und löse hopsende Begeisterung aus. Das ist jeden Morgen so. Sogar bevor ich den Wasserkocher für Tee oder Kaffee anschalte, zuerst sind die Schweinchen dran und dann ich.

Weil Sonntag ist, koche ich mir ein Ei und Tee, es gibt selbstgemachtes Lemon Curd und Harry Potter. Ich lese beim Essen und lasse mir Zeit. Weil nämlich Sonntag ist, habe ich nachher noch genug zu tun, aber gemächlich. Hinter mir höre ich Freßgeräusche und Futterstreit um das eine Salatblatt, an dem beide Schweinchen zerren, geflissentlich ignorierend, daß direkt neben ihnen noch ein Haufen anderer Salatblätter liegt. Danach ruhen sie vollgefressen und ich lasse sie, denn später muß ich das Gehege putzen und das gibt jedesmal Action, die sie nicht wirklich mögen. Obwohl sie sich natürlich freuen, wenn alles wieder sauber ist. Manchmal denke ich, das muß für sie so sein, wie für uns, wenn wir in frisch bezogene, duftende Betten fallen. Meine Tiere sind nicht handzahm und sie kommen nicht, wenn man sie ruft. Es sind ja auch Meerschweinchen und keine Hunde. Damit es keine hektische Jagd wird, habe ich mir Tricks einfallen lassen, um sie freiwillig rauszulocken und das klappt sehr gut und stressfrei. Dann kann ich sie hochnehmen und ein bisschen knuddeln, aber hauptsächlich werden sie untersucht: sind die Zähne ok, die Krallen nicht zu lang? Haben sie etwa Schädlinge (Milben, Haarlinge) oder kleine Wunden von einer Rauferei? Sherlock hatte letztens einen kleinen Pilzbefall auf der Nase und bekam Salbe drauf, nun ist alles wieder gut. Das Gehege ist zwei Quadratmeter groß und es dauert gut eine Stunde, bis alles sauber ist, und ich kann mir noch solche Mühe geben, danach ist dann das Wohnzimmer dran gründlich gesaugt zu werden. (Nein, das stört hier tatsächlich niemanden^^)

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Danach ist wieder Lesezeit und ich hänge ein bisschen bei Youtube rum, auf den Kanälen von Ryoya Takashima. Einer davon heißt Peaceful Cuisine, dort gibt es vegane Rezepte. Ich mutiere sicherlich nicht zum Vollveganer, aber das ein oder andere Rezept ist durchaus interessant. Ich höre ihn gern reden und langsam verstehe ich Alltagsjapanisch recht gut und erkenne die Syntax. Keine Bange, fast alles hat englische Untertitel 😉 Ich betreibe gerade bingewatching, jaja, aber mein Hirn ist auf Grund der Hitze einfach nicht wirklich arbeitsfähig – und Takashima-san ist ungeheuer fokussiert bei allem, was er tut. Ich hoffe, das färbt ein wenig ab. Und jetzt werde ich noch ein wenig Musik machen und mich an meinem wunderbaren Geburtstagsgeschenk erfreuen. Für diese Handpan haben Tochterkind und Freunde zusammengelegt und sie kam den weiten Weg aus Krasnojarsk – und zwar unerwartet schnell, ich habe erst in drei Wochen Geburtstag 🙂

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – #KunstGeschichtealsBrotbelag

Ihr kennt das sicher: man macht den Rechner an, guckt ins SocialMedia und ist eigentlich gleich wieder bedient. Katastrophen, Wut, Hass, Schwachsinn – danke, Wiedersehen! Und dann taucht da dieser eine Tweet auf, dieser eine Hashtag, der auf einmal die Sonne aufgehen lässt und du weißt wieder, warum du dabei  bist und warum es mal so großen Spaß machte. Die wunderbare @MlleReadOn, deren Blog Read on my Dear ich sehr mag, wollte wohl einfach nur ein schönes Foto mit einem lustigen Hashtag posten, es war kein Aufruf, keine Aktion, gar nichts. Nur toll! Bitte: #KunstGeschichtealsBrotbelag sollte schon als eigenständiges Wortkunstwerk gelten! Und wie eine Lawine tauchten von überall her die phantastischsten, lustigsten, kreativsten Brotkunstwerke auf. Für einen wunderbaren Tag hatten wir Spaß und Freude (ich hoffe ja, auch noch länger!), die Brotkünstler beim Brotbasteln und wir anderen beim durchscrollen! Ooohh und Aaahhh, guck maaaal, ein ums andere Mal, wunderbar 🙂

Natürlich dauerte es nicht lange, bis die obligatorischen Miesmacher auftauchten. „Mit Essen spielt man nicht, woanders verhungern die Leute!“ Ja, stimmt. Aber wisst ihr was? Das tun sie (leider!) auch, wenn diese paar Brote nicht „verkünstelt“ worden wären. Im Grunde ist euch das auch klar, das Problem „Lebensmittelverschwendung“ ist ein ganz anderes als ein paar bunte Brote, also geht woanders hin mit eurem Moralin, ja? Danke. Der Mensch lebt nämlich nicht nur vom Brot allein sondern auch von der Freude am Schaffen, am Spielen… und #KunstGeschichtealsBrotbelag ist ein ganz wunderbares Spiel!

Ich hab euch hier meine zehn Lieblingsbrote rausgesucht, aber alle sind toll! Geht sie euch auf Twitter alle ansehen, ja? ^^