Liberté, Egalité – Fuckafdé!

Seit Tagen fühle ich mich, als hätte man mir auf den Kopf geschlagen. Genauer, seit die geleakten Textauszüge einer AfD-Whatsappgruppe offen im Netz stehen. Mein gesamtes bisheriges Leben habe ich immer gesagt, daß man Nazis bekämpfen muß und ich das natürlich auch tun würde. Mit welchen Mitteln, darüber habe ich damals als Teenager nicht nachgedacht, aber irgendwie auf jeden Fall. Und das nicht nur, weil man als Teenager ja grundsätzlich immer „dagegen“ ist, sondern aus tiefster Überzeugung. Später, als ich ein kleines Kind hatte, relativierte ich das ein wenig. Ich wäre immer noch dagegen gewesen, aber vermutlich nicht ganz so laut oder so offen, weil es ja nicht mehr nur um mich ging. Feige? Vielleicht. Aber was kann mein Kind für meine Überzeugungen? Und jetzt? Jetzt muß ich erneut umdenken.

Eine Frage habe ich mir immer und immer wieder gestellt: Warum haben sich all die jüdischen Menschen so widerstandslos abführen lassen? Es gab auch dort Widerstand, ja, aber hätte er nicht größer sein müssen? Ich kam zu dem Schluß, daß die Menschen es einfach nicht geglaubt haben, nicht glauben konnten. Und als sie es begriffen, war es viel zu spät.

Und heute? Heute schreibt irgend so ein AfD-Arschloch völlig selbstverständlich diesen Satz: „ Wenn wir an die Macht kommen, müssen alle wieder ins Gas, die nicht unserer Meinung sind.“
Ganz lapidar.

Dieser eine Satz demaskiert einfach alles. Er demaskiert die komplette „Flüchtlingsdiskussion“ als lächerlichen Vorwand. Er demaskiert die angebliche Sorge um das Volk, als das sie sich so gerne sehen. Er demaskiert jedes angebliche Ziel dieser „Partei“. Es geht nicht um „Die (Flüchtlinge) gegen uns (Deutsche)“, es geht längst um „Wir (Nazis) gegen alle anderen“. Zugegeben, das klingt jetzt ein bisschen nach einem größenwahnsinnigen Weltherrschafts-Verschwörungs-Aluhut, aber wenn man sich diesen Satz so anguckt, dann eben doch nur noch ein bisschen. Im Klartext sieht es doch so aus: Eine Minderheit behauptet, „das Volk“ zu sein und will jeden töten, der das in Abrede stellt. Eine unerwünschte Minderheit will die Mehrheit des Volkes vergasen, dessen Wohl ihnen ja so am Herzen liegt. Spätestens jetzt sollte auch dem allerletzten Zweifler klar sein, daß denen das Wohl irgendeines Volkes total am Arsch vorbeigeht!

Es mag gut sein, daß die Menschen früher nicht glauben konnten, daß andere Menschen so abgrundtief böse sein können. Den Luxus dieses Unglaubens haben wir heute nicht mehr. Wir wissen genau, sie können es und sie werden es tun, wenn sie die Gelegenheit dazu haben! In vielen Diskussionen fällt der Satz „Eine Demokratie muß auch sowas aushalten können.“ Inzwischen frage ich mich aber, wie weit eine solch demokratische Toleranz gehen kann, wenn sie sich dadurch selbst aushöhlt. Die Aussage, alle Gegner ins Gas zu schicken, klingt für mich nach geplantem Massenmord und wenn eine Demokratie dabei zusieht, was ist sie dann? Immer und immer wieder habe ich gelesen, diskutiert mit den Leuten von der AfD, grenzt sie nicht aus, überzeugt sie vom richtigen (nicht rechten!) Weg. Nach diesem Satz werde ich darüber sehr ausgiebig nachdenken. In meinem ganzen Leben habe ich noch niemals einen Gegenstand erhoben, kein Stöckchen, keinen Stein, keine Torte, um ihn nach irgendwem zu werfen. Ich hoffe, daß ich das auch weiterhin nicht tun muß.

Erster Besuch einer re:publica, ein kritischer Blick

Das war sie also nun, meine erste republica, Europas größte Medienkonferenz. Und ich muß sagen, ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Ich hätte ganz entschieden ein wenig mehr Renitenz erwartet, ein wenig mehr Aktivismus, ein wenig mehr Widerstand. Vielleicht war ich als Newbie ja grundsätzlich auf den falschen Sessions, aber gerade bei den Themen Hatespeech und Trolling, die doch immer wichtiger werden, war ich geradezu fassungslos über die Naivität, mit der darüber gesprochen wurde. Immerhin habe ich gelernt, daß Twittertrolle anders sind als Facebooktrolle. Den Begriff „Sifftwitter“ habe ich vorher noch nie gehört, wie der überwiegende Teil der Zuhörer auch nicht, konnte also mit den Mechanismen nicht viel anfangen. Allerdings auch nicht mit dem abschliessenden Rat: Trolle nicht blocken (das bestätigt die nur und sie machen ne Jubelparty, so ungefähr) sondern ignorieren. Ich benutze Twitter seit zehn Jahren, zum Blödsinn machen, manchmal zum lästern oder auch für Kunst, beteilige mich an Projekten wie der #Twitterolympiade, aber durchaus auch beruflich. Wenn mich da jemand trollt, wird er blockiert und es ist mir herzlich egal, ob dieser Spasstroll dann seine Genugtuung hat, mich „geärgert“ zu haben. Hat er vermutlich nicht mal, weil ich ihn innerhalb von 30 Sekunden vergesse.
Anders sieht es für mich da schon bei den Facebooktrollen aus, die durchaus sehr politisch motiviert sind und deren Hatespeech vom „right wing“ ja gerne mal in sehr konkreten Androhungen physischer Gewalt bis hin zu Morddrohungen gipfelt. Auch die sollen auf keinen Fall ausgegrenzt oder ignoriert werden, wir müssen uns denen Face to Face stellen und mit ihnen diskutieren. Tatsächlich? Schon mal versucht, mit jemandem zu diskutieren, der nur auswendig gelernte Phrasen runterleiert und wenn ihm keine weiteren Argumente (fremde oder eigene) mehr einfallen, mit Vergewaltigung droht? Alternative Fakten, Lügenpresse, Beschimpfungen und Drohungen – und die einzige Reaktion soll sein: diskutiert mit denen! Kann man machen, bringt aber nicht wirklich was. Und für die High Society der Netzaktivisten ist mir das alles zu weichgespült und zu angepasst. Natürlich kann die Lösung nicht sein, zurückzudrohen. Dann hätten wir bald einen Krieg im Netz, der stellenweise ja sogar schon da ist. Ein wenig mehr Gegenwehr hätte ich aber doch erwartet.
Allerdings hörte ich vereinzelt von Leuten, die regälmässig auf dieser Veranstaltung sind, daß ihnen genau das auch auffiele und die Stimmung gänzlich anders wäre als sonst. Und wenn man all die tollen Plakate gesehen hat, die von den Plakatmalern fabriziert wurden, dann GAB es diese kritischen Stimmen ja. Warum waren die auf keiner Stage?! Thomas de Maizière erzählt allen Ernstes , er sähe keinen Grund für digitale Grundrechte, die wären ja im Grundgesetz schon da – und niemand meckert? Also doch, ja, es gibt jetzt diesen niedlichen Hashtag #thomasdämlichsehr, aber ich meine sowas wie Tumult im Zuhörerraum. Nicht mal ein ganz kleiner?!
Vielleicht geht es uns allen zu gut? Ich bekam am ersten Tag noch die letzten Keywords der Begrüßung mit, in denen es darum ging, denen eine Stimme zu geben, denen man sie wegnehmen will, also Menschen, die in einer Diktatur leben, für die Pressefreiheit ein schönes Märchen ist, die verfolgt und eingesperrt werden, wenn sie systemkritisch schreiben. Oder einfach nur die Wahrheit. Das sind richtige Probleme. Auch das neue Datensicherheitsgesetz ist wichtig, schliesslich erlaubt es, Nutzerdaten ausführlicher zu überwachen als ohnehin schon. Also, ich finde, es gibt und gäbe wirklich genug Gründe, etwas mehr Aktionismus zu zeigen.
Und zu guter Letzt: Wo bitte war die Kultur? Die hat nicht nur Wibke Ladwig gefehlt, sondern auch mir.
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Trotzdem war es aber auch schön und interessant. Ich traf nach langer Zeit Wibke wieder, leider viiiiel zu kurz, Frauke Watson, die ich völlig überrumpelte mit einem Fotoshooting unter den Mottobuchstaben, begegnete Raul Krauthausen, dessen Arbeit und Engagement für Menschen mit Behinderung ich sehr schätze, machte mit Doro Martin ein Interview für ihre Storytelling-App oolipo.de – und brachte einen Androiden durcheinander (das hat spass gemacht 😉 ).
Wenn das Projekt „Kulturflauschattacke“ von Wibke Form annimmt, wäre ich gerne dabei, dann komme ich auch gerne nochmal wieder – zur re:publica 18

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Unter meiner Haut

Heute hättest du Geburtstag.
Wenn du nicht gegangen wärst,
vor einem Jahr.
Ein ganzes Jahr schon
ohne dich
und ich vermisse dich,
jeden einzelnen Tag.

Dir wäre er egal gewesen,
dieser Tag,
einer, wie jeder andere.
Mir war er das nie,
ich nannte dich dann immer
meinen zärtlichen Hexer,
an Beltane geboren.

Du hast dann gelächelt,
amüsiert.
Oh wie ich es vermisse,
dieses Lächeln, das nie
unterhalb deiner Augen endete,
diesen Sternen
von Aquamarin –
und meinem Bild darin.

Ich trage dich in der Seele
und auf dem Arm,
eingraviert für immer,
unter der Haut.
Du gingst mir als einziger
unter die Haut.
Dort wirst du immer lächeln.

Nicht noch einmal

Wir sahen sie.
Damals.
In Büchern und Filmen.
Nicht Märchen und Hollywood, nein,
in Geschichtsbüchern und Dokumentationen.
Wir sahen sie.
Ausgehungert bis zum Skelett,
Augen riesig, voller Schmerz,
Angst und Leere,
Knochenhaufen, Leichenberge.
Rosa Dreiecke. Gelbe Sterne.
Und wir weinten.

Wir sahen ihn.
Den SS-Mann,
der abends nach Hause kam
aus dem KZ
und seine Kinder umarmte
und ihnen eine Geschichte vorlas.
Im Schein einer Lampe
mit gelblichem Schirm.
Wir sahen sie.
Die Nummer.
Am unteren Rand der Lampe,
blaß, grünlich, unscharf.
Und wir weinten.

Wir sehen sie.
Bösartige, giftige Trolle,
auferstandene Spukgestalten.
Die nie mehr sagen können:
„Wir haben es nicht gewußt!“
Doch. Sie wissen genau, was sie tun,
wenn sie Menschen bedrohen,
ihnen den Tod wünschen,
die Menschenverachtung vor sich hertragen
und sich selbst Mensch nennen.
Wir sehen sie.
Die „Wir sind ja keine Nazis, aber…“-Sager,
die bürgerlich-mittigen Brandstifter,
denen man vor allem Angst machen kann.
Und wir weinen nicht.
Nicht noch einmal!

(c) Regina Neumann

Für einen Tag Hamburg

Man bescheinigte mir schon des öfteren eine gewisse Verrücktheit und Vorgestern war es mal wieder soweit: Ich fuhr für einen Tag nach Hamburg, einfach so. Naja, nicht GANZ einfach so. Es war eine Belohnung. In den Wochen davor habe ich ein wahres Mammutprojekt gestemmt, Nächte durchgearbeitet, aus Verzweiflung prokrastiniert in Form von nächtlicher Putzwut, Blut und Wasser geschwitzt und mehr als einmal derbe Flüche ausgestoßen. (Worum es dabei geht, erzähle ich, wenn es spruchreif wird) Jedenfalls gab es eine Deadline, die ich unbedingt einhalten mußte und das habe ich auch geschafft. Allerdings war mein Kopf danach vollkommen leer und ich ziemlich geschafft, so daß ich dachte, ich lass mir den Kopf mal durchpusten, setze mich an die Landungsbrücken und zähle Möwen. Mehr nicht.

Dank des Schicksals, oder meiner fantastischen Ungeschicklichkeit, musste ich aber noch eine Woche warten. Bei der Zubereitung des Meerschwein-Frühstücks fiel mir das Küchenmesser runter. Meine Messer sind wirklich scharf und es fiel, Spitze zuerst, Schneide nach unten, direkt auf meinen Fuß. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr so ein Fuß bluten kann! Mein Küchenboden sah 1A aus wie aus einem amerikanischen Mafiafilm, es fehlten bloß noch die Absperrbänder „Crime Scene! Do not cross!“ Das brauchte dann eine Woche, um zu heilen, na schön.

Es ist ja schon ein bisschen bekloppt, ein paar Stunden mit dem Zug durch die Gegend zu juckeln für ca. 6 Stunden Hamburg und dann wieder ein paar Stunden zurück, aber manchmal darf man auch bekloppt sein. Warum? Na weil ich es kann! Ausserdem fahre ich gerne Zug. Ich mag es, die vorbeiziehende Landschaft zu beobachten, zu sehen, wie sie sich verändert und dabei meine Gedanken fließen zu lassen. Oder auch einfach mal wegzudösen, dabei Musik auf den Ohren. Wusstet ihr, daß der Bahnhof in Uelzen ein echtes Kunstwerk ist? Ja, Uelzen! Das ist der Ort, an dem man eine Hungerattacke auf geröstete Erdnüsse bekommt, wenn der Wind richtig steht, genau. Aber zurück zum Bahnhof. Das kleine Ding mit seinen sechs Gleisen wurde nämlich von keinem Geringeren als Friedensreich Hundertwasser entworfen.

Hundertwasser-Bahnhof Uelzen




Als der Zug in Hamburg einfuhr, verabschiedete sich der Zugführer nicht mit den Worten „Senk ju for träwwelink wiß Deutsche Bahn“ sondern er sagte:“Willkommen in der schönsten Stadt der Welt!“ DAS ist doch mal ne Ansage. Für mich persönlich liefern sich ja Hamburg und London ein Kopf an Kopf – Rennen, aber man kann das schon so stehen lassen. Das Hamburger Wetter begrüßte mich mit einem vorgezogenen April: strahlender Sonnenschein und es regnete – gleichzeitig. Ich hatte wohlweislich meinen alten, wattierten Hoodie an. Das Ding ist ungelogen 25 Jahre alt aber noch tipptopp, das praktischste Kleidungsstück für Unterwegs und absolut winddicht. Das sollte sich auch als absolut notwendig erweisen, auf der Fähre war es so windig, daß es mir fast die Kamera aus der Hand geweht hätte. Ich machte die „kleinste Kreuzfahrt der Welt“ lt. Ankerherz-Verlag, mit der Fähre 62. Weil die nämlich am Museumshafen Övelgönne vorbeifährt und genau da habe ich mal als Gast in einer der Villen gewohnt. Bei einer sehr resoluten Kapitänswitwe. Das ist gut 30 Jahre her und ich wollte sehen, ob ich das Haus wiederfinden würde. Ich hab es tatsächlich gesehen, es hat nämlich einen wunderbaren Erker und in diesem Erkerfenster habe ich damals gesessen und stundenlang die Schiffe auf der Elbe beobachtet. Nicht ahnend, daß ich heute selbst mal auf einem dieser Schiffe an der Villa vorbeifahren würde.
Gerade als ich an den Landungsbrücken wieder ausgestiegen bin, hörte ich ziemlich lautes quietschen und johlen vom Wasser her. Ich drehte mich um und sah eine andere Fähre, auf Deck eine Schulklasse. Der Kapitän wurde nicht etwa langsamer sondern gab richtig Gas und legte eine scharfe Drehung hin! Ich grinste, wie alle Leute, die es mitbekamen. Wäre das ein Auto gewesen, hätten die Reifen gequietscht, garantiert!

Museumsschiff – Ich mag diese alten Segelschiffe!



Langsam machte sich Hunger breit und das hieß: Fischbrötchen! Klar, was sonst? Ich blieb noch an den Landungsbrücken, Schiffe gucken und – Möwen zählen! Ein Exemplar war ja besonders anhänglich und überhaupt nicht scheu, ich hätte nie gedacht, daß ich so nah an sie rankäme. Und nein, das lag nicht am Fischbrötchen, das war längst weg ^^ .

Über all dem thront ja nun die Elbphilharmonie, Elphi, und ich überlegte kurz, ob ich da noch hin sollte, denn angucken würde ich sie mir ja schon gerne. Aber dann dachte ich, ich brauche ja einen Grund, um wieder zu kommen. Obwohl, brauche ich einen Grund? Eigentlich nicht. Trotzdem werde ich Elphi das nächste Mal besuchen.

Ich fuhr zurück zum Bahnhof und kaufte mir eine Tüte Franzbrötchen. Das muß so, die bei uns sind einfach nicht gut, sorry Göttingen. Draussen stieß ich dann auf den Hamburger Gabenzaun für Obdachlose. Eine geniale Idee, einen Sperrzaun, der Menschen am sitzen hindern soll, einfach mal zu einem Gegenstand der Menschlichkeit zu machen! Zu meiner Verwunderung stand ein „Gabenwächter“ daneben, der aufpasste, daß wirklich nur Obdachlose die Tüten abpflücken. Ich unterhielt mich einen Moment mit ihm, weil mir das nicht so recht in den Kopf wollte, daß Leute, die es nicht nötig haben, da was wegnehmen. Wenn ich das nächste Mal komme, bringe ich auch was mit für den Zaun, das ist versprochen!

Umbau zur Humanität – der Hamburger Gabenzaun


Auf der Heimfahrt wurde ich mit einem geradezu fantastischen Sonnenuntergang über Hamburg belohnt. Dunkelrot stand sie über der Elbe, Elphi blitzte immer wieder kurz zwischen Bäumen und Häusern durch und ich juckelte gemütlich wieder nach Hause. Schön war´s.

Wenn du nicht weißt, was es wird, nenne es Essay. Oder einfach Fingerübung.

Freundschaft muß man sich verdienen. So heißt es zumindest. Oder Freundschaft muß wachsen, über Jahre. Das mag stimmen, oft ist das sicherlich auch so. Aber manchmal wird sie einem auch einfach zuteil, wie ein unerwartetes Geschenk, wie etwas, womit man nicht rechnet. Ein Mensch, der dir im entscheidenden Augenblick die Hand reicht und den du danach niemals mehr wiedersiehst, dessen Namen du vielleicht nicht einmal kennst und nie erfahren hast, kann dir mehr zu einem Freund werden als jemand, den du dein ganzes Leben lang gekannt hast.

Wenn Zeit bei der Entwicklung einer Freundschaft eine Rolle spielt, kann ich nur sagen, Zeit hat ja nicht nur eine meßbare Länge, also Sekunden, Minuten, Tage, sie hat auch eine, nicht meßbare, Tiefe. Manchmal genügt ein einziger Augenblick, um einen wahren Freund zu erkennen. Dieser Augenblick war dann nachhaltiger und tiefer als es zehn Jahre sein können. Und unvergesslicher.

„Freundschaft bedeutete, sich geehrt zu fühlen, dass man einen anderen in seiner größten Verzweiflung auffangen dürfte…“ ( Hanya Yanagihara, Ein wenig Leben) Wie lange dauert es, in seine tiefste Verzeiflung zu stürzen? Und wie lange, die Hand auszustrecken um den anderen festzuhalten? In diesem Moment sind sich zwei Menschen sehr nah, in einer Sekunde noch Fremde, in der nächsten durch tiefe Sympathie verbunden, der eine stark, der andere schwach. Es gibt keine stärkere Bindung, als sich im Augenblick der Schwäche an einen anderen zu halten, der Wärme und Kraft, Verständnis und Empathie ausstrahlt. Ebenso wenig wie umgekehrt. Es macht einen starken Menschen nur noch stärker, wenn er einen schwächeren auffängt und stützt. Ist das schon Freundschaft? Oder der Beginn einer solchen?

Wann auch immer sie beginnen, sicher ist, es gibt Freundschaften, die, obwohl während eines Wimpernschlages entstanden, unverbrüchlich sind. Sie sind unser wertvollster Besitz.

Foto: Pinterest

Foto: Pinterest

Monatsrückblick Januar

Gelesen:
Die Bibliothek der besonderen Kinder

Gehört:
Spotify – da gibt es echt soooooo viel zu entdecken

Gesehen:
SHERLOCK Staffel 4 (OMGOMGOMG!), Passengers

Gedacht:
Leute, wer mich als „asoziales, hetzendes Gutmenschenpack“ bezeichnet und mit „dem Tag der Abrechnung“ droht, IST rechts und kommt für mich aus der Nazi-Ecke. Also lasst euer Nazikeulen-Mimimi einfach stecken und gut ist.

Gesagt:
Boah, mein Rücken bringt mich um! Ich brauche dringend ne Massage….

Gefreut:
Über eine Menge Unterstützung! Und über einen wunderbaren Brief eines wunderbaren Menschen. UND über noch einen sehr unerwarteten Brief mit Sherlock-Buttons 🙂

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Geärgert:
Allerdings. Aber nur kurz. Ich bekam tatsächlich einen anonymen Nazi-Wisch.

Gelacht:
Ja, natürlich ^^

Geweint:

Getrunken:
Tee. Man sollte eindeutig mehr Tee trinken 🙂

Gegessen:
Nix Besonderes, war immer noch voll von Weihnachen 😉

Gekauft:
Auch nix Spezielles…

Gefunden:
Einen Shop, um den ich die nächste Zeit einen WEITEN Bogen machen sollte, oh ja!

Gemacht:
Sehr viel nachgedacht und auch eine Menge geschrieben.

Eigentlich…. Einige Gedanken über das Zeitgeschehen

Eigentlich will ich das jetzt gar nicht schreiben. Eigentlich will ich gerade ganz was anderes machen und habe eigentlich auch was anderes zu tun. Und eigentlich will ich diesem ganzen rechten Hass-Hetz- und Beschimpfungswahnsinn gar keine Plattform bieten. Aber…. Ja natürlich gibt es ein Aber. Ich werde hier jetzt mit Sicherheit keine Lösungen präsentieren, ich schreibe einfach auf, was mir seit einiger Zeit durch den Kopf geht. Und das nicht erst, seit ich diesen anonymen Wisch bekommen habe.

Das ist schon der erste Punkt, den ich nicht verstehe: Diese „Besorgtbürger“ glauben sich im Recht. Mit dem, was sie sagen, tun und auch schreiben. Warum tun sie das dann anonym zum Teufel?! Da muß doch noch so ein kleines Rädchen Gewissen ticken, das flüstert: „Ey, du weißt, daß das eigentlich falsch ist, was du da gerade machst, oder?“ Denn Angst davor, bedroht und angegriffen zu werden, müssen sie ja nicht haben, wir „Gutmenschen“ werfen doch höchstens mit Teddybären.

Zweiter Punkt: Diese umgedrehten, sinnverzerrenden Bezeichnungen. Die natürlich absolut bewußt kalkuliert erschaffen und eingesetzt werden. Man bedient sich der Sprache, um ein nicht existentes Feindbild aufzubauen. Warum merken das so wenige??? Ein besorgter Bürger war früher jemand, der beim Gemeindeamt anrief um zu melden, daß irgendwo ein tollwütiger Hund frei rumläuft. Schlimmstenfalls ein Nörgler, der jeden Falschparker meldete. Nervig aber harmlos. Heute ist es eine Bezeichnung für eine Gruppe von Leuten, die fremdenfeindliche Ansichten vertreten und sich permanent als Opfer fühlen, obwohl sie noch nie ein Opfer von irgendwas waren. Schon gar nicht von Verfolgung oder gar Krieg.
Ich bin nach der NS-Zeit geboren und aufgewachsen, wurde aber in der Schule jahrelang mit dem Thema überschüttet (wenn man in Berlin zur Schule ging, gab es im Geschichtsunterricht fast kein anderes Thema). Natürlich stellte ich die üblichen Fragen: Wie konnte so etwas passieren? Wie war das möglich? Waren die Menschen damals dumm? Nun, JETZT sehe ich, wie so etwas möglich sein konnte. Es geschieht gerade wieder und ich verstehe es nicht. Ich verstehe zur Zeit sehr vieles nicht mehr. Zum Beispiel verstehe ich Politiker nicht, die sagen: „Wir müssen die Sorgen der Bürger ernst nehmen.“ – und damit diese Besorgtbürger meinen! Nicht etwa Leute wie mich, die sich Sorgen darüber machen, in eine Diktatur zu schlittern.

Nächstes Thema: Meinung! Die arme Meinungsfreiheit wird in diesen Tagen ja so oft bemüht, daß sie mir fast leid tut. Vor allem wird sie mißbraucht, mit Füßen getreten und in den Dreck geschubst.
Da wird gedroht, beschimpft, gepöbelt auf übelste Weise, es wird zu Gewalt aufgerufen – und alles im Namen der Meinungsfreiheit. Gerade die Rechten befleissigen sich ja gerne darin, das Grundgesetz zu zitieren, wenn sie rumpöbeln: „Ich bin der Meinung, du bist ein Arschloch. Und ich darf das sagen, weil es Meinungsfreiheit gibt, so!“ Natürlich überlesen sie regelmässig den nächsten Artikel, in dem klar drinsteht: deine Freiheit hört da auf, wo die eines anderen anfängt.

Ich werde ja nun so bei „linksgrünversifft“ einsortiert, womit ich nichts anfangen kann. Ich wollte mich politisch nie irgendwo verorten lassen (ausser Rechts, da war ich nie!) und werde nun zwangsläufig in die linke Ecke gestellt, nur, weil ich gegen Rechts bin. Ein Terrorist ist für mich jemand, der Bomben bastelt und Menschen umbringt, für irgendeine bekloppte politische Gesinnung egal welcher Färbung. Ich bin in RAF-Zeiten groß geworden. Die haben Politiker entführt und ermordet und waren Links. Jetzt bekomme ich einen anonymen Wisch, in dem von „linkem Gutmenschen-Terror“ geschwafelt wird! Ach ja, asozial auch noch. Was denn nun? Entweder asozial oder Gutmensch, beides zusammen geht nicht. Es ist einfach lächerlich!

Vor einigen Wochen las ich einen Artikel von einer Autorenkollegin. Sie schrieb, sie hätte keine Lust mehr zu schreiben, sie wüßte nicht, für wen. Die Gesellschaft würde sich auf eine Weise verändern, die nur noch häßlich wäre und sie wolle nicht, daß solch häßliche Menschen ihre Geschichten läsen, für eine solche Gesellschaft wolle sie nicht schreiben. Das hat mich tief betroffen gemacht und geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Einerseits macht mich eine solche Aussage traurig, ein wenig kann ich sie sogar verstehen. Schliesslich ist jeder künstlerische Prozeß mit Herzblut verbunden – und wer kippt sein Herzblut schon freiwillig in einen Schweinetrog? Andererseits, nicht alles ist häßlich. Es gibt trotzdem so viel Gutes und Schönes. Menschen, die helfen, Menschen, die aufstehen und dagegenhalten. Und die müssen irgendwo ihre Kraft herbekommen. Aus einem schönen Song, einem Bild, einer schönen Geschichte. In dem Augenblick, wenn ich ein fertiges Buch in die Welt hinauslasse, habe ich keine Macht mehr darüber. Ich kann ja auch nicht verhindern, wenn ein Leser mein Buch nach der Halbzeit in die Mülltonne schmeisst, weil er es blöd findet. Einem anderen verändert es vielleicht sein Leben. Das weiß ich alles nicht. Eines weiß ich aber:

Aufgeben ist niemals eine Option!

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Fanpost – der etwas anderen Art

Schlagwörter

Am Sonntag Abend kontaktierte mich meine Verlegerin, sie hätte einen Brief für mich und ob sie mir den weiterleiten solle. Ein Brief? Für mich? An den Verlag? Sie schickte ein Foto des Umschlags, unbekannte Handschrift.
„Tickt er?“ „Neeee!“ „Na dann schick mal…“

Ich verbrachte einen Tag mit Grübeln, wer mir über meinen Verlag schreiben würde. Ein anderer Verlag? Unwahrscheinlich. Ein anonymer Lyrikliebhaber, der mein Mäzen werden wollte? Kaum. Vielleicht hat mir ein unbekannter Onkel des Cousins des Neffen meiner Großtante… ach lassen wir das! Lange Rede, kurzer Sinn: es war ein Drohbrief von Rechts. Anonym natürlich und dermassen hingeschmiert, daß ich den Inhalt eher erraten als lesen konnte. Vermutlich hat es sich der Verfasser vorher mit einer Dose Lack bequem gemacht, bevor er loslegte über den „Gutmenschen-Terror“, für den der „Tag der Abrechnung“ bald käme und wir „asozialen Dreckshetzer“… Blablabla… „Schwandt an die Wand“… usw. Ach, aus der Ecke kommt das? Es ging wohl um einen kleinen Artikel in der noch kleineren „Nordsee-Zeitung“, den ich mit einem Satz positiv kommentiert hatte. Man versucht jetzt wohl, mich darüber aufzuklären, was für ein „hetzerisches Dreckspack“ dieser Verlag wäre – ob der Zeitungsverlag oder Ankerherz gemeint war, ist nicht ersichtlich – und belegte das mit Kopien einiger reißerischer Artikel aus z. B. dem Blatt mit den vier großen Buchstaben als Titel. Der Name Schwandt tauchte auch immer wieder auf, wie gesagt, ich kann eigentlich nur raten, was da steht, zu unleserlich. Und will ich das so genau wissen? Nein.

Um diesen Artikel geht es. Foto (c) Ankerherz-Verlag

Um diesen Artikel geht es. Foto (c) Ankerherz-Verlag


Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich Kapitän Schwandt verehre. Für seinen Mut, seine Menschlichkeit, seine „Klare Kante“, das wird auch ein solcher Wisch nicht ändern! Es ist eigentlich nur erstaunlich, was für ein unüberwindlich großes Feindbild der Mann darstellt. Er ist vor Monaten aus der Öffentlichkeit zurückgetreten, aus gesundheitlichen Gründen, und immer noch ist er die Nemesis schlechthin für diese Aufrechtdeutschen, die nicht mal den Mumm haben, einen Absender auf einen Briefumschlag zu schreiben!
Verlage, Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler, Schauspieler, die gegen diktatorische Strömungen angingen, sind schon früher bedroht und verfolgt worden, ich befinde mich durchaus in guter Gesellschaft. Trotzdem stimmt es mich sehr nachdenklich. In was für Zeiten lebe ich, wie verändert sich die Gesellschaft um mich herum und was kann ich tun? Ich kann dagegen anschreiben. Ich kann mich nicht einschüchtern lassen. Und vielleicht werde ich mir doch dieses T-Shirt drucken lassen – JETZT ERST RECHT!
schwandtianer

Monatsrückblick Dezember – jaja, spät kommt er, doch er kommt!

Gelesen:
Die Glückszettel aus dem Bonbonglas vom gesamten Jahr. Die mir teilweise tatsächlich ein erneutes Lächeln schenkten – und ein sehr lautes Lachen 🙂

Gehört:
Weihnachtsmusik allüberall….

Gesehen:
Star Trek DS9

Gedacht:
Vorsatz für das Neue Jahr: Egal, von welcher Katastrophe ich in den Social Media lese, Bomben, Lastwagen, Amokläufer – ich werde das NICHT MEHR kommentieren! Ich drehe Spekulation und Hetze den Rücken zu, werde zwei Tage abwarten und dann die TATSACHEN zur Kenntnis nehmen, so es welche gibt. Fertig. Ich habe es nämlich absolut satt, mich über saudämliche, substanzlose Hetzkommentare aufzuregen, von denen alles mehr überschwemmt wird als es um die eigentliche Katastrophe geht. Gilt übrigens auch für maßlos übertriebene Solidartätsbekundungen. Um wen ich mir Sorgen mache ist MEINE Sache.

Gesagt:
Wahrscheinlich eine ganze Menge, grinz.

Gefreut: Über den Weihnachtsbrief eines besonderen Menschen! Darüber, das erste Mal bei FB was gewonnen zu haben 🙂 (Japanische Kochbücher!)

Geärgert:
Leider ja. Über eine dermassen hohle, dumme, empathielose Bemerkung, daß ich noch immer fassungslos bin. Aber auch das gehört zu meinen Vorsätzen: Menschen, die mich (extrem) nerven, fliegen aus meinem Leben raus. Ich bin inzwischen zu alt, mich mit überflüssigem zu belasten.

Gelacht:
Ja, natürlich ^^

Geweint:
Doch, auch…

Getrunken:
Selbstgemachten Punsch – der Beste!^^

Gegessen:
Weniger Lebkuchenkram, dafür viel anderes leckeres Zeugs

Gekauft:
Weihnachtsgeschenke, was sonst?!

Gefunden:
Leider nicht das Rezept für die Gänsekeulen mit der Pflaumen-Johannisbeersauce. Wo hab ich das bloß hin?

Gemacht:
Gekocht wie ein Weltmeister, Spiele gespielt, viel Besuch gehabt, Spaß gehabt…. Weihnachtsmarkt mit dem Tochterkind!

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