Fanpost – der etwas anderen Art

Am Sonntag Abend kontaktierte mich meine Verlegerin, sie hätte einen Brief für mich und ob sie mir den weiterleiten solle. Ein Brief? Für mich? An den Verlag? Sie schickte ein Foto des Umschlags, unbekannte Handschrift.
„Tickt er?“ „Neeee!“ „Na dann schick mal…“

Ich verbrachte einen Tag mit Grübeln, wer mir über meinen Verlag schreiben würde. Ein anderer Verlag? Unwahrscheinlich. Ein anonymer Lyrikliebhaber, der mein Mäzen werden wollte? Kaum. Vielleicht hat mir ein unbekannter Onkel des Cousins des Neffen meiner Großtante… ach lassen wir das! Lange Rede, kurzer Sinn: es war ein Drohbrief von Rechts. Anonym natürlich und dermassen hingeschmiert, daß ich den Inhalt eher erraten als lesen konnte. Vermutlich hat es sich der Verfasser vorher mit einer Dose Lack bequem gemacht, bevor er loslegte über den „Gutmenschen-Terror“, für den der „Tag der Abrechnung“ bald käme und wir „asozialen Dreckshetzer“… Blablabla… „Schwandt an die Wand“… usw. Ach, aus der Ecke kommt das? Es ging wohl um einen kleinen Artikel in der noch kleineren „Nordsee-Zeitung“, den ich mit einem Satz positiv kommentiert hatte. Man versucht jetzt wohl, mich darüber aufzuklären, was für ein „hetzerisches Dreckspack“ dieser Verlag wäre – ob der Zeitungsverlag oder Ankerherz gemeint war, ist nicht ersichtlich – und belegte das mit Kopien einiger reißerischer Artikel aus z. B. dem Blatt mit den vier großen Buchstaben als Titel. Der Name Schwandt tauchte auch immer wieder auf, wie gesagt, ich kann eigentlich nur raten, was da steht, zu unleserlich. Und will ich das so genau wissen? Nein.

Um diesen Artikel geht es. Foto (c) Ankerherz-Verlag
Um diesen Artikel geht es. Foto (c) Ankerherz-Verlag

Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich Kapitän Schwandt verehre. Für seinen Mut, seine Menschlichkeit, seine „Klare Kante“, das wird auch ein solcher Wisch nicht ändern! Es ist eigentlich nur erstaunlich, was für ein unüberwindlich großes Feindbild der Mann darstellt. Er ist vor Monaten aus der Öffentlichkeit zurückgetreten, aus gesundheitlichen Gründen, und immer noch ist er die Nemesis schlechthin für diese Aufrechtdeutschen, die nicht mal den Mumm haben, einen Absender auf einen Briefumschlag zu schreiben!
Verlage, Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler, Schauspieler, die gegen diktatorische Strömungen angingen, sind schon früher bedroht und verfolgt worden, ich befinde mich durchaus in guter Gesellschaft. Trotzdem stimmt es mich sehr nachdenklich. In was für Zeiten lebe ich, wie verändert sich die Gesellschaft um mich herum und was kann ich tun? Ich kann dagegen anschreiben. Ich kann mich nicht einschüchtern lassen. Und vielleicht werde ich mir doch dieses T-Shirt drucken lassen – JETZT ERST RECHT!
schwandtianer

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Ein Wochenende in Hamburg – Lesung „Sturmwarnung“ auf der MS Stubnitz

Mein letzter Besuch in Hamburg ist wirklich schon fast dreißig Jahre her. Da ich zum Geburtstag eine Karte für das Harbour Front Literaturfestival geschenkt bekam, für die Lesung aus „Sturmwarnung“ von Kapitän Schwandt vom Ankerherzverlag, ging es gestern also gen Hamburg. Der Hauptbahnhof ist ein Bienenstock, riesig und voll. Aber trotzdem alles sehr übersichtlich, ich fand ohne Probleme zu meinem Hotel, zwischen St. Pauli und Schanzenviertel gelegen. Sachen verstaut, Beutel geschnappt und los! Da ich ja nicht arbeiten musste sondern ein reiner Tourist war, hab ich mich auch so benommen: Ab zu den Landungsbrücken! Leider zog es sich zu und wurde höllisch schwül. Ich dachte, das geht in Hamburg gar nicht, aber… falsch gedacht! Egal. Ich schlenderte da rum, besah mir die Menschen und Schiffe. Segelschiffe, Dampfer, Barkassen, Schnellboote und Tanker. Schon sehr beeindruckend. Langsam meldete sich Hunger und das hieß: Krabbenbrötchen! Wenn schon Tourist, dann aber richtig. Und während ich da saß und versuchte, mich nicht einzusauen, kamen zwei Riesencontainerfrachter die Elbe rauf. Das war sehr majestätisch. Der erste war größer als jedes Haus, das in unserem Dorf steht, allein die Brücke war breiter als unser komplettes Grundstück lang ist, Wahnsinn! Das Monster war von der „Grimaldi Line“ und zog langsam vorbei. Der zweite war kleiner, aber nicht wesentlich. Inzwischen stand der Imbißkellner neben mir und beobachtete wie ich das Einlaufen der Giganten.
„Wo kommen die her?“ fragte er.
„Ich weiß nicht. Auf dem einen stand was arabisches….“
„Ja! Ja! Arabisch!“ Er strahlte mich an.
„Ja, Bahran oder Barah…. ich weiß nicht genau…“
Der Kellner machte große Augen und sprudelte auf arabisch los. Ich bremste ihn aber und sagte, daß ich das nicht verstehe. Ich habe nur mal ein wenig aufgeschnappt, könnte ein paar Zeichen entziffern, verstehe aber nicht, was es bedeutet. Aber das ich die Schrift sehr schön finde und auch die Sprache der arabischen Gedichte. Er strahlte noch mehr. Wir unterhielten uns noch einen Moment, dann musste er weiterarbeiten. Ich aß mein Brötchen auf und dachte: Es könnte so einfach sein. Ein paar freundliche Worte, mehr braucht es doch gar nicht…

LandungsBrücken:

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Die "Cap San Diego" - da wird "Schwandt in Sicht" gedreht
Die „Cap San Diego“ – da wird „Schwandt in Sicht“ gedreht

Ja, ich bin ein Touri^^
Ja, ich bin ein Touri^^

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Die Lesung sollte am Abend auf der MS Stubnitz stattfinden. Ich hatte mir einen Wegeplan ausgedruckt und auch, welche Verkehrsmittel ich brauchte. Das war alles recht einfach. Allerdings sah es auf dem Plan so aus, als läge die Stubnitz irgendwie kilometerweit im Nirgendwo und man müsste ziemlich weit laufen. Da ich noch reichlich Zeit hatte, suchte ich mir einen Bäcker, denn man kann nicht in Hamburg sein, ohne ein Franzbrötchen zu essen. Vor allem nicht, wenn einem ein gewisser Verlag immer die Zähne mit Fotos von den Dingern langmacht, ne? Wir haben in Göttingen einen Bäcker, der sie auch hat, aber jetzt, wo ich vergleichen kann: an die Hamburger kommen unsere hier nicht ran, keine Chance!

Das berühmte Hamburger Franzbrötchen!
Das berühmte Hamburger Franzbrötchen!

So langsam wollte ich dann aber los. Ich drückte dem Busfahrer den Plan in die Hand und der erklärte mir, wo es langging. An der Endhaltestelle, die tatsächlich „in der Prärie“ lag, war nur ein Schiff zu sehen – die Stubnitz.

MS Stubnitz
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Taue, so dick wie mein Unterarm
Taue, so dick wie mein Unterarm

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Keine 100 Meter weit zu gehen. Na klasse, dachte ich, ich bin viel zu früh da. Zu allem Überfluß fing es an zu regnen und weit und breit weder was zum Unterstellen oder Sitzen. Naja, was heißt Regen? Die Hamburger würden vermutlich „feuchte Luft“ sagen, aber es war ungemütlich. Zum Glück turnte da gerade eine junge Frau an Deck rum. Ich rief nach oben, ob ich mich unten auf die Gangway setzen durfte, weil ich nicht über eine Stunde stehen könnte. Ich durfte sogar schon an Board kommen. Das war dann das erste Abenteuer: Diese Gangway fühlte sich eher an wie eine verdammte Hängebrücke! Ich hab zwar keine Höhenangst aber das Ding war verdammt wacklig, also schön langsam einen Fuß vor den anderen setzen. Um auf das Vordeck zu kommen dann noch eine steile Treppe rauf und auf der anderen Seite wieder runter. Zum Glück waren die Geländer stabil aber ganz ehrlich, ich hatte reichlich die Flatter, da rumzuturnen!
Nach einer Weile trudelten mehr Leute ein, die aber unten blieben. Offiziell war ja noch kein Einlass. Und dann sah ich Kapitän Schwandt. Er wurde augenblicklich von den Menschen umringt, schüttelte Hände, sagte einige Worte – und kam die Hängebrücke hoch. Ich stand ganz allein auf dem Vordeck und kam mir wie eine Idiotin vor. Dann wieselte dieser 80jährige Mann sehr behände die steile Treppe runter und ich fühlte mich wie eine 95jährige Idiotin…
„Moin! Du musst die Regine sein…?!“
„Ja, bin ich…. Moin.“
Es war eine herzliche Begrüßung, wir kennen uns schon eine Weile über Facebook.
„Ich hab gewußt, daß du heute hier sein würdest, ich hab deine Nachricht gelesen.“
Das hatte ich gehofft. Inzwischen kamen die anderen auch auf´s Schiff. Ich sagte gerade zum Kapitän, daß er diese Höllenstufen schneller schaffen würde als ich, weil das mit dem Festhalten nicht so hinhaut bei mir (was mir einen sehr wachen, scharfen Blick von ihm einbrachte), als die Veranstalterin dazu kam und meinte, die Treppen im Schiff nach unten wären noch steiler.
„Ach du Sch…. na super. Wenn es einen Schlag tut, bin ich angekommen!“ Ich grinse. Aber: Kapitän-Schwandt-Fans sind sehr nette Menschen! Mir wurde beim Abstieg geholfen, es wurde aufgepasst, daß ich nicht stolperte, es wurden Hände gereicht, alles ging gut. Beim Aufstieg das Gleiche. Einfach tolle Menschen! Wer dabei war und das hier liest: Dankeschön.
Glücklich unten - erst mal eine schmöken :)
Glücklich unten – erst mal eine schmöken 🙂

Es ging weit nach unten in den Schiffsrumpf, Laderaum vermute ich mal. Der Kapitän saß ganz ruhig im Gewusel um ihn herum, rauchte, trank Kaffee und justierte seine Hörgeräte. Niemand rauchte sonst, vermutlich war es gar nicht erlaubt. In diesem Moment erinnerte er mich einfach nur an Helmut Schmidt, der sogar bei einem Interview im Fernsehen seelenruhig eine rauchte und am nächsten Tag im Internet heftig über ihn gemeckert wurde. Das sich absolut NIEMAND beschwerte, zeigt nur, wie groß der Respekt ist, den dieser Mann geniesst. Leute kamen zu ihm und ließen sich ihre Bücher signieren. Ich ging auch hin, allerdings mit den „Robben Islands“, ich warte noch auf das Hörbuch zu „Sturmwarnung“
„Du mußt lauter sprechen, min Deern, ich hab die Dinger in den Ohren…!“
Ich fand, ich war schon recht laut….
„Lauter bitte!“
„Ich kann dich doch nicht anschreien, Käpt´n!“

Fans jeden Alters wollen ein Autogramm und bekommen es mit freundlichen Worten
Fans jeden Alters wollen ein Autogramm und bekommen es mit freundlichen Worten

Vermutlich ist es schwierig, wenn ein permanentes Hintergrundgesumme herrscht und noch dazu Musik dudelt, das rauszufiltern, was man wirklich hören will, aber wir haben es hinbekommen. Langsam ging es los. Es war eine moderierte Lesung. Stefan Krücken las die Passagen vor, Michel Abdollahi (vom NDR) stellte intelligente und witzige Fragen, Kapitän Schwandt beantwortete sie in seiner ruhigen, besonnenen Art. Ein besonderes Highlight war es, daß das Publikum fragen stellen durfte. Ich hatte eine, die mir schon ewig unter den Nägeln brannte. Eingedenk dessen, daß ich laut reden sollte, tat ich das, ich KANN laut (Entschuldigung an meinen Vordermann!):
„Hatten Sie je einen blinden Passagier an Bord und wenn ja, was macht man dann? Über Bord schubsen geht ja nicht…“ Bei diesen Worten huscht ein Lächeln über das Gesicht des Kapitäns. Er sagte aber, er hatte nie einen. Fand ich ein bisschen schade, es hätte mich schon interessiert, ob der dann die ganze Zeit hätte Kartoffeln schälen müssen. Eine Frage fand ich so bemerkenswert, daß ich diese hier auch erwähne:
„Wann haben Sie Glück empfunden auf See?“
Der Kapitän spricht über Glück
Der Kapitän spricht über Glück

Es war die ganze Zeit ruhig im Schiff. Jetzt wird es still. Absolut still. Der Kapitän antwortet nicht sofort, ich glaube, mit dieser Frage hat er nicht gerechnet. Als er spricht, klingt er verhalten und sehr nachdenklich:“Glück..ja, Glück… Ich habe mal gelesen, Glück ist die Abwesenheit von Unglück. Besser kann man das wohl nicht beschreiben.“
Es gab viele intensive Momente an diesem Abend. Dieser war definitiv der intensivste für mich. Was die Lesung angeht. Persönlich war es dieser hier:
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Und weil der Text jetzt ohnehin schon die Grenzen sprengt, lass ich nur noch Fotos sprechen. Hamburg war einfach ganz großartig!
Stefan Krücken und Kapitän Schwandt bei dr Arbeit
Stefan Krücken und Kapitän Schwandt bei dr Arbeit

Von der Stubnitz bei Nacht
Von der Stubnitz bei Nacht

Des Käpten´s zweites Wohnzimmer ;)
Des Käpten´s zweites Wohnzimmer 😉

Kann ich verstehen, der Ausblick ist fast meditativ
Kann ich verstehen, der Ausblick ist fast meditativ

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Meine Widmung in "Robben Islands"
Meine Widmung in „Robben Islands“

(Die Rechte an allen Fotos liegen bei (c)Regina Neumann Ausdrücklich nur freigegeben zur Verwendung für (c)Ankerherzverlag und Kapitän Schwandt)

Achtzig Jahre und überhaupt kein bisschen leise – Kapitän Schwandt

Quelle: Hamburger Morgenpost, bearbeitet
Quelle: Hamburger Morgenpost, bearbeitet
Wenn im Netz vom „Käpt´n“ gesprochen wird, speziell auf Facebook, wissen inzwischen vermutlich sehr viele Menschen, wer damit gemeint ist. Sicher aber die über 90.000 Menschen, die seinen Facebook-Account verfolgen. Kapitän Schwandt aus Hamburg. Manche nennen ihn ein Phänomen, besonders gut gefällt mir „Käpt´n klare Kante“. Er ist streitbar, manchmal provokant, bewahrt immer Haltung und zeigt eben diese klare Kante gegen Rechts. Immer. Unter allen Umständen.

Vor kurzem feierte der Kapitän seinen achtzigsten Geburtstag. Achtzig Jahre und kein bisschen leise. Für mich ein Grund, mich etwas näher mit dem „Phänomen Schwandt“ zu beschäftigen. Ein Umstand, über den er sich selbst am meisten zu wundern scheint. Es liegt nicht nur an seiner Kolumne in der Hamburger Morgenpost, die unter normalen Umständen kaum über Hamburg hinaus bemerkt worden wäre, auch nicht an seiner hochinteressanten Lebensgeschichte, die vor einigen Wochen erschienen ist. Es liegt an seiner Persönlichkeit. Daran, daß er sich nicht bequem im Sessel zurücklehnt und die Jungen mal machen lässt. Er ist noch immer neugierig, auf die Welt, auf die Menschen, er ist besorgt, was aus dieser Gesellschaft gerade zu werden scheint. Er wehrt sich dagegen, rüttelt die Menschen wach und hält nicht den Mund. Das tun viele andere auch nicht. Warum also wurde gerade er zu einer regelrechten Leitfigur gegen Fremdenhass, Rechtsradikalismus und Intoleranz?

Als die ersten rechten Gruppierungen und Parteien auftauchten, hat man die erstmal überhaupt nicht ernst genommen. Wir Deutschen mit unserer Vergangenheit, das kann sich unmöglich wiederholen, geht gar nicht, die verschwinden schon wieder, wenn man sie nur ausdauernd genug ignoriert. So dachten wir damals, ziemlich naiv. Inzwischen kann man diese Strömungen aber nicht mehr ignorieren, sie überziehen ganz Europa wie ein Spinnennetz. Und was macht unsere Politik? Nichts. Jedenfalls nichts wirklich wirkungsvolles. Da wird am Grünen Tisch diskutiert, wie viele ertrunkene Flüchtlinge denn vertretbar sind und wie man sich mit der Rechten Partei arrangieren könnte, müßte, nun, wo sie schon mal da ist. Flüchtlingshelfer, Menschen, die helfen möchten und das ehrenamtlich auch tun, werden durch Verordnungen und Richtlinien behindert und alleine gelassen. Es gibt sehr viele Einzelpersonen und verstreute kleine Gruppen, die durch die Bürokratie schwimmen und denen kaum einer zuhört. Die Stimmen, die sagen, wir wollen kein 2. Drittes Reich, wir wollen eine offene, humane Gesellschaft, verhallen fast ungehört. Weil die, die „Wir sind das Volk“ brüllen, so viel lauter sind. Und dann taucht ein alter Seemann auf, jemand, der sich traut, den Mund aufzumachen. Er hat eine Stimme und sie wird gehört. Täglich werden es mehr, die sie hören und auf einmal haben all die Menschen eine Stimme, die vorher niedergebrüllt wurden. Menschen, die vielleicht schon fast resigniert haben, schreiben Sätze wie:
Ich freue mich jeden Morgen auf Ihre Beiträge.
Sie geben mir täglich neue Hoffnung.
Ich bewundere Sie für Ihre Haltung, machen Sie weiter so.
Kapitän, wir brauchen Sie.

Dieses „wir brauchen Sie“ ist ein Kernsatz, der immer wieder in den Kommentaren auftaucht. Es stimmt. Wir brauchen eine Stimme, in die wir einstimmen können, damit man uns hört. Der Kapitän hat sicher nicht damit gerechnet, in seinem Alter noch einmal eine solche Position einzunehmen: Leitfigur für einen politischen Widerstand zu sein. Als unabhängige Privatperson kann er die Dinge beim Namen nennen, die sich kein Politiker laut auszusprechen traut, er kann sagen, was sehr viele Menschen in Deutschland denken und was eben das Gegenteil dessen ist, wonach es so offensichtlich aussieht. Wir brauchen einen Mahner der sagt: Passt auf, wohin ihr rennt! Nicht, weil wir, wie man uns so gerne vorhält, nur dumme Gutmenschen sind, sondern weil man eine Menge von 90.000 Menschen nicht mehr so einfach als „naive Störfaktoren“ auf dem Weg zur totalen Herrschaft abtun kann. Wir brauchen keinen „Messias“, dem in blindem Gehorsam hinterhergedackelt wird. Der Kapitän hat niemanden gerufen, er wurde gefunden. Die Verehrung, die er erfährt, beruht nicht auf reinem Groupietum sondern auf Respekt. Es ist keine Heldenverehrung sondern Achtung. Achtung vor Gradlinigkeit, Rückrat und Mut. Alles Eigenschaften, die ich bei unseren Politikern vermisse, und zwar bei allen, in jeder Partei.

Mut ist nochmal eine besondere Betrachtung wert. Ich glaube, der Charakterzug, der dem Kapitän am meisten zuwider ist, ist Feigheit. Natürlich wird auf seiner Seite heftig diskutiert. Nicht jeder ist immer mit allem so ganz einverstanden, was der Käpt´n so postet. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Wenn man das sachlich feststellt „nö, Käpt´n, seh ich anders“, ist alles prima. Solche Kommentare kommen grundsätzlich von Usern mit einem offenen Profil und werden zur Kenntnis genommen. Bestenfalls wird sachlich darüber diskutiert. Dann gibt es da noch die andere „Fraktion“, die beleidigt, ausfallend wird und rumpöbelt. Sogar mit denen wird erst noch diskutiert, es macht ja zugegeben auch ein bisschen Spass, weil sie auf jede noch so kleine Provokation anspringen wie auf Knopfdruck. Sowas kommt aber fast ausnahmslos von Fakeprofilen, hinter denen sich versteckt wird. Man erkennt sie sofort. Und auch das ist ein Grund für die Achtung, die dem Kapitän entgegengebracht wird: er zeigt nicht nur klare Kante sondern auch sein Gesicht. Er steht zu dem was er sagt. Wenn also die ach so aufrecht-deutsche Abteilung doch so überzeugt von dem ist, was sie von sich gibt, warum versteckt sie sich dann? Es kann ja nicht daran liegen, daß sie Angst davor hätten, gefunden zu werden, sie sagen doch nur ihre Meinung. Was sie ja dürfen, wir haben schliesslich Meinungsfreiheit. Ja, haben wir. Leider ist der Ton inzwischen sehr viel rauher auf der Seite geworden. Es gab offene Gewalt- und Morddrohungen, nicht nur gegen den Kapitän persönlich sondern auch gegen einzelne Nutzer der Seite. „Schwandtianer werden alle vom Volksgerichtshof abgeurteilt und erschossen“ war noch eine der netteren Versionen. Natürlich hat der Kapitän die Notbremse reingehauen und schmeißt solche Leute jetzt rigoros raus. Was diese jetzt hernehmen, um sich in ihre Lieblingsrolle zu begeben: das arme Opfer. Der Kapitän fordert Respekt aber respektiert uns nicht. Das man sich nicht alles bieten lassen muß, verstehen diese Menschen nicht.
Es erfordert Mut, sich offen gegen Gewalt zu stellen, auch gegenüber Drohungen nicht einzuknicken und jeden Tag einfach weiter zu machen und keine Angst zu zeigen. Manchmal frage ich mich, ob der Kapitän nicht doch manchmal Angst hat und sie nur runterschluckt, weil wieder jemand auf seine Seite geschrieben hat: Käpt´n, wir brauchen Sie.

Diese Haltung ist es, die Achtung und Respekt verdient.

Quelle: Facebookseite Kapitän Schwandt, bearbeitet
Quelle: Facebookseite Kapitän Schwandt, bearbeitet

Robben Islands – Eine bitterböse Fabel von Jürgen Schwandt

robbe „Die männliche Robbe Emanuel erlebt verschiedene Aspekte der Beziehung zwischen den Geschlechtern, die Auswüchse des Leistungssports anhand eines Wasserballspiels, den Umgang des Menschen mit der Natur und macht sich Gedanken über den Sinn von Religionen. Am Ende steht ein Krieg – Tier gegen Mensch. 
Die Fabel „Robben Islands“ überträgt Eigenheiten menschlichen Verhaltens auf eine Robbenkolonie. Teils humorvoll, teils bissig wird mit der mangelnden Einsicht des Menschen abgerechnet.“

Bei meiner letzten Online-Buchsuche stolperte ich über den Namen des Autors und sah nach, ob es sich dabei tatsächlich um Kapitän Schwandt ( https://www.ankerherz.de/produkt/buecher/sturmwarnung/ ) handelt. Das ist so und natürlich machte mich das neugierig, also bestellte ich das Buch antiquarisch.

Emanuel ist eine Robbe im besten Mannesalter sozusagen und möchte eine Familie gründen. Allerdings stürzt er sich nicht blindlings in dieses Unterfangen sondern denkt auf dem Weg zu seiner Kolonie über dieses und jenes nach. Wie findet man die beste Partnerin zum Beispiel. Oder wie schützt und ernährt man seine Familie, wenn dieses zweibeinige Raubtier namens Mensch sämtliche Meere leerfischt und ganze Robbenkolonien gnadenlos abschlachtet für Felle, Fleisch und Robbenfett? Emanuel begreift schnell, daß es nicht nur den Robben schlecht ergeht, sondern den Tieren aller Spezies überall auf der Welt, und er fasst einen Entschluß.

Dieses schmale Bändchen lässt einen mit einem Gefühl der Fassungslosigkeit zurück. Es gibt kein Happy End, keine Erlösung. Der Autor zeigt schonungslos auf, welche Untaten die Menschheit auf der Erde begeht, der einzigen, die wir haben, und alles im Namen des Profits. Er hält den Menschen den wenig schmeichelhaften Spiegel vor, in dem er den Tieren die menschlichsten Eigenschaften zuschreibt. Teilweise ist die Geschichte auch lustig, trotzdem bleibt dem Leser das Lachen oft im Hals stecken. Ich habe beim Lesen mancher Episode eher mit Tränen gekämpft.
Das Thema an sich ist nicht neu. Ich fand Anklänge an Orwell, Schätzing und auch Fitzek. Neu ist, daß hier jemand schreibt, der keine Fiktion verfasst sondern die Fakten tatsächlich kennt. So, wie sie inzwischen jeder kennen sollte. Es wundert mich sehr, daß dieses Buch nicht zur Pflichtlektüre für jeden Lobbyisten, jeden Politiker, für jeden, der diese Welt ausbeutet, bestimmt wird.

Bleibt zu hoffen, daß immer mehr Menschen aufwachen und diese Fabel den Weg in viele Köpfe findet.

Sturmwarnung – Das aufregende Leben von Kapitän Schwandt

Foto: Ankerherz Verlag
Foto: Ankerherz Verlag

Ein Leben wie ein ewiges Abenteuer: Orkane auf See, Stürme im Rotlicht der Häfen. Momente zwischen Leben und Tod. Kapitän Jürgen Schwandt, Jahrgang 1936, hat alles erlebt. Aufgewachsen in den Trümmern Hamburgs, ging er früh zur See – und tauchte ein in jene exotische Welt aus Fernweh und Sternenstaub, von der er immer geträumt hatte. Dabei lernte er auch früh die Schattenseiten der Seefahrt kennen: den unbarmherzigen Ozean und die harte Arbeit.

STURMWARNUNG ist eine liebevoll und mit Augenzwinkern erzählte Lebensgeschichte. Eine turbulente Biografie voller Weisheit, Toleranz und Zigaretten.

Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, arbeitete als Polizeireporter für die Chicago Tribune und berichtete als Reporter weltweit für Magazine wie max, stern oder GQ.

Lange habe ich mich nicht mehr so darauf gefreut, ein bestimmtes Buch zu lesen, wie auf dieses. So als Landratte hat man ja seine bestimmten (romantischen) Vorstellungen von der Seefahrt, inklusive sämtlicher Klischees von Gentleman-Piraten bis hin zu diesen Musical-Matrosen. Alles Quatsch natürlich und um so interessanter wird es dann, wenn man eine „echte“ Geschichte liest, keinen Roman sondern eine Lebensgeschichte, die noch dazu dermassen spannend erzählt wird, daß man das Buch nicht aus der Hand legt, bis man durch ist. Der einzig enttäuschende Moment ist der, wenn man begreift, daß man SCHON durch ist, am liebsten würde man noch stundenlang weiterlesen.

Über den Inhalt werde ich hier nicht viel sagen, den sollte wirklich jeder selbst lesen, nur soviel: es geht um Charakter und Haltung gegenüber jedem Menschen aus jedem Land dieser Welt, es geht um Mitgefühl und Menschlichkeit. Kapitän Schwandt schafft es mühelos, eine tiefe Lebensweisheit zu vermitteln – und das ohne den moralischen Zeigefinger sondern mit einem Zwinkern und durchaus einer Menge Spass. Ich habe stellenweise wirklich sehr gelacht. Ich habe gestaunt. Ich war entrüstet (lest mal das Thema „Verpflegung an Bord“). Und einmal war ich wirklich ergriffen. Dieser Moment ist nur ganz kurz, drei Zeilen Text, aber genau dort erhascht man einen sehr intimen Blick in die Seele eines großen Menschen.

Das Buch „Sturmwarnung“ ist ganz klar eine 100 %ige Leseempfehlung!

Ein Like für Kapitän Schwandt

So lange ich auf Facebook bin, habe ich noch niemals jemanden eingeladen, eine bestimmte Seite zu liken. Aus Prinzip nicht, weil ich die Bettelei um Likes nicht mag und der Meinung bin, jeder findet selbst das, was ihn interessiert. Bis heute.

Heute ist der Tag, der die Ausnahme von der Regel bildet und ich mache das aus voller Überzeugung (sonst ließe ich es nämlich sein): Wenn ihr auf Facebook seid, unterstützt den Kapitän in seinem Kampf gegen Rechts!

Ja, auf dieser Seite wird diskutiert und manchmal fliegen da auch die Fetzen, aber immer auf einem Niveau, mit dem man sehr gut klarkommt. Ja, manchmal wird dem Kapitän vorgeworfen, „zu“ links zu sein und sehr unreflektiert auf alles auszukeilen, was rechtslastig, besonders AfD-konform, ist. Na und, was ist daran bitte verkehrt? Es geht nicht darum, wer jetzt genau wo steht, es geht um Menschen und Menschlichkeit. Wer in der Lage ist, ein Geschichtsbuch zu lesen, wer in der Schule im Geschichtsunterricht nicht geschlafen hat, der weiß das auch. Es ist komplett egal, ob ein Sozialist neben einem Konservativen, ein Liberaler neben einem Moslem oder ein Lilagestreifter neben einem total Unpolitischen steht – so lange alle gemeinsam gegen Braun stehen! Wenn Höckes Traum von den 30 % im Bundestag nämlich wahr wird, haben wir alle verloren, so sieht es nämlich aus.

Es geht hier auch nicht um Werbung. Die braucht der Kapitän nicht. Er hat seine Kolumne in der Zeitung, seinen Verleger, seine Facebookseite. Ich bin nur der Ansicht, es ist wichtig, was der Mann zu sagen hat und es sollten noch sehr viel mehr Menschen das lesen und auch mitdiskutieren. Gefällt euch doch nicht? Ist ja auch kein Problem, man kann ja auch wieder gehen. Aber zuerst bitte mal reinlesen.

Leser, die schon seit Jahren meinem Blog folgen wissen, ich texte euch nie mit Werbung zu oder Dingen, die mir nicht wirklich wichtig sind. Darum erlaube ich mit das heute einfach mal.

Kapitän Schwandt