Oktoberfest von Christoph Scholder

Dieser Artikel (http://www.abendzeitung.de/muenchen/oktoberfest/205985) im Münchner Abendblatt war Anlass für den Droemer-Knaur-Verlag, 10 Exemplare des genannten Buches zu verlosen. Ich war eine der glücklichen Gewinner/innen 🙂

via Amazon

Für mich war das gleich ein doppeltes Experiment. Erstens mag ich zwar Thriller, aber nicht unbedingt solche mit politischem oder militärischem Hintergrund, bei denen man mit technischem Fachjargon zu Tode gelangweilt wird.
Zweitens mag ich München sehr gern, nicht aber das Oktoberfest. Für mich ist das ein unglaublich lautes, global verbrüderndes Massenbesäufnis. (Hab ich das jetzt wirklich gesagt??? Oh mein Gott, ich darf jetzt niiiieee mehr nach Bayern einreisen…. mea culpa!) Aber nun: zum Buch!

„Das Gas wirkte in Sekunden. Plötzlich war es in dem riesigen Bierzelt still. Totenstill.
Der zweite Wiesn-Sonntag. Weiß-blau erstreckt sich der Himmel über München, Tausende strömen auf das größte Volksfest der Welt. Partystimmung, so weit das Auge reicht, ausgelassen tanzen die Leute in den riesigen Zelten. Niemand ahnt, dass dieser Nachmittag um exakt vier Minuten vor sechs in einem Höllenszenario enden wird. Denn genau zu diesem Zeitpunkt gibt Oleg Blochin, der skrupellose Kommandeur einer russischen Elite-Soldateska, seinen Männern den Befehl, das Betäubungsgas im ersten Bierzelt freizusetzen. Und das ist erst der Anfang: Schlag auf Schlag geht es weiter, 70 000 Menschen werden zu Geiseln in einem hochriskanten Spiel auf Leben und Tod …“

Das Buch ist UNGLAUBLICH spannend! Natürlich ist es nicht sehr schön, wenn beschrieben wird, wie 2000 Menschen an Giftgas sterben, aber der Autor „suhlt“ sich wirklich nicht in einer bluttriefenden Schlachtplatte. Er trifft genau den Ton zwischen nüchterner Beschreibung und Mitgefühl mit den Opfern. Auch ohne übertrieben ausgewalzte Brutalität läuft es einem eiskalt den Rücken runter beim Lesen. Wahrscheinlich gerade wegen der Beiläufigkeit, mit der die handelnden Personen menschliche Hindernisse „aus dem Weg“ räumen“.
Der größte Kritikpunkt der „Abendzeitung“ war unter anderem das Erscheinungsdatum, kurz vorm Wies´n-Anstich. Von Panikmache war da die Rede. Das sehe ich nicht so, denn das Szenario lässt sich ohne Weiteres über jedes Volksfest, jedes Disneyland dieser Welt stülpen. Und die technischen Details sind zwar ausgefeilt, aber nicht so, daß sie eine „Gebrauchsanweisung“ ergäben. Dazu gehört wohl doch etwas mehr.

Die Handlung zieht sich über einen weiten Zeitrahmen und fast über die ganze Welt, aber als Leser kommt man gut mit. Man weiß immer, wo man sich befindet und wer da gerade agiert. Das ist sehr gut aufgebaut.
Da ich wirklich so begeistert von dem Buch bin, würde ich am liebsten noch viel mehr erzählen, aber ich will ja auch nichts verraten 🙂 Nur eines noch: in der Kritik ging ebenfalls die feine Ironie des Autors unter, die immer wieder durchscheint und mich trotz des ernsten Themas zum Lächeln brachte. Da gibt es eine konspirative Wohnung in München, die einem unlängst verstorbenen Ehepaar gehörte namens Oskar und Maria Graf. Die Ironie dabei ist, Oskar Maria Graf war ein Münchner Literat und ein totalitärer Pazifist!
Was mir den Autor ebenfalls sympathisch macht, er ist ein Trekkie! Aber den Kommandanten des amerikanischen Flugzeuträgers „Enterprise“ James Tiberius zu nennen, war vielleicht ein klitzekleines bisschen übertrieben 😉

Meinen herzlichen Dank an Droemer-Knaur!

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#Sarrazin

Zuerst etwas in eigener Sache: Dies ist kein politisches Blog! Da gibt es erfahrenere und sicher bessere. Ich bin zwar kein völlig unpolitischer Mensch, gebe aber durchaus zu, auch von der allgemeinen Politikverdrossenheit, von der immer alle reden, infiziert zu sein. Aber ich bin aktive Twitterin und da bekommt man vieles mit, aus den verschiedensten Bereichen, zu dem ich dann doch mal meine Meinung sagen möchte. Die habe ich nämlich: eine Meinung! Und die betrifft heute eines der Twitter-Top-Themen: #Sarrazin.

Thilo Sarrazin provoziert gerne. Das kann er gut und er macht es ausgiebig. Das wissen wir. Und wirtschaftstaktisch ist der Shitstorm, der gerade auf Twitter stattfindet, das Beste, was ihm passieren konnte. Sein umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ erscheint just am 30.08.10 und dürfte eine riesige, kostenlose Werbewelle erfahren.

Auf das Buch selbst will ich hier nur am Rande eingehen, denn mehr, als vorab erschienene Textauszüge (z.B. hier:http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/books/PDF/leseproben/9783421044303._V184985439_.pdf) habe auch ich nicht gelesen. Und das reicht mir, ehrlich gesagt, auch. Nur zu einer seiner aufgestellten Thesen halte ich nicht meine Klappe, nämlich, ob der Kinderreichtum muslimischer Familien nicht daher rühre, daß die muslimischen Frauen nicht emanzipiert genug seien. Das ist nicht mal mehr „hummeldumm“, das ist, mit Verlaub gesagt, brunzdämlich!

Viel mehr beschäftigt mich die Frage, wer auf die Idee kam, einen Mann mit bekannt rassistischen Ansichten überhaupt zum Literaturfest im Haus der Kulturen der Welt einzuladen?! Das ist doch ein Widerspruch in sich, und zwar in mehrfacher Hinsicht.
Erstens ist ein Buch nicht notgedrungen Literatur, nur weil es ein Buch ist. Ein Mathebuch ist auch ein BUCH.

Zweitens impliziert der Name des Veranstaltungsortes „Weltkultur“, also ist zu erwarten, daß es nicht um deutsche Kultur allein geht sondern um japanische, iranische, türkische, schwedische usw.

Drittens wäre da noch der Begriff „Kultur“. Über den kann man sich aber so sehr streiten, das würde den Umfang dieses Blogs sprengen… Nur eines sei angemerkt: Kultur und Bildung gab es in den orientalischen Reichen bereits, als die Germanen noch mit der Keule durch den Wald rannten!

Auf einer anderen Plattform (auf welcher genau, kann ich allerdings nicht sagen), wäre ein Auftritt wesentlich geschickter gewesen, als ausgerechnet auf dieser. Das MUSSTE doch schiefgehen. Inzwischen werden ja Rufe laut, Thilo Sarrazin öffentliches Redeverbot zu verpassen. Das widerspricht aber dem Grundsatz der freien Meinungsäußerung. Nur, besteht da nicht ein feiner Unterschied, wer wann was sagen kann? Sarrazin verbreitet Stammtischpolemik. Es ist genau das, was man in den Eckkneipen hört, wenn der Alkoholpegel deutlich gestiegen ist. „Die Scheißausländer nehmen uns die Arbeit weg!“ „Die brauchen nicht arbeiten, die leben doch vom Kindergeld!“ usw. usw. Genau das SAGT „der kleine Mann in der Kneipe“ – aber da gehören solche Äußerungen auch hin! In die Kneipe.

Und zum Schluß gebe ich noch zu bedenken, daß der Mann mit Nachnamen Sarrazin offensichtlich keinen Schimmer hat, woher sein Nachname stammt: http://de.wikipedia.org/wiki/Sarazenen Lest da mal nach! Im Grunde wettert der Mann gegen seine (sehr, sehr entfernten!) Vorfahren, denn der Name ist ihm ja nicht vom Himmel gefallen!

Mordskind von Susanne Mischke

„Der fünfjährige Max ist ein wahrer Satansbraten, destruktiv und böse. Als Max plötzlich spurlos verschwindet, gerät die spießige Kleinstadt in Aufruhr, weil dies der zweite Fall in kurzer Zeit ist. Allerdings trauert niemand um ihn, nicht einmal seine Mustermutter Doris. Die sucht sich das Prachtkind Simon als Ersatz. Und ihre Freundin Paula, Redakteurin nd beruflich ständig im Stress, bemerkt viel zu spät das teuflische Intrigenspiel um sich und ihren Sohn Simon.“

Doris und Paula sind zwei sehr unterschiedliche Freundinnen. Die eine lebt ein Leben wie aus einer Seite des IKEA-Katalogs, immer dezent, immer adrett, ein Vorzeigehäuschen, Vorzeigegarten, anerkannte Kinderbuchautorin.
Die andere passt weder zu Doris noch ins südbaierische, katholische Kleinstadt-Spießertum. Paula bringt ihren Sohn in Lederkluft auf einer Kawasaki in den Kindergarten, lebt auf einem „Anwesen“ (Villa trifft es nicht mehr ganz), das ihrer reichen Tante, der Schauspielerin Lilli, gehört. Der Garten ist verwildert und der Gehsteig nicht gefegt.
So unterschiedlich die Mütter sind, so sind es auch ihre Kinder. Die Bezeichnung „Satansbraten“ trifft es nicht. Ein Satansbraten ist für mich ein zwar freches Kind, aber eines, das man dennoch liebenswert findet. Michel aus Lönneberga zum Beispiel. Max ist für mich ein widerliches Drecksgör, bereits seine erste Tat im Buch brachte mich dazu, ihn wirklich zu hassen.
Simon hingegen ist ein Sonnenschein. Klug, aufgeweckt, liebenswert, dabei hat er durchaus seinen eigenen Kopf und streitet mit seiner Mutter Paula herum, wie alle Kinder das tun.
Nachdem Max verschwunden ist, dem keiner eine Träne nachweint, ist Doris der Ansicht, Simon, das Sonnenscheinkind, passe sowieso viel besser zu ihr als zu seiner unangepassten Mutter. Also beginnt sie ein perfides Intrigenspiel gegen Paula, die ihr unbeabsichtigt in die Hände spielt, als sie den russischen Eigenbrötler Kolja als Gärtner einstellt. Den halten die bigotten, fremdenfeindlichen Mitbürger nämlich für das „Monster“, das ihre Kinder entführt. Nur der Kommissar Jäckle und Paulas kluge Tante Lilli haben ganz andere Verdächtige…

Ein wirklich spannender Kriminalroman, der kein heißes Eisen auslässt: schwierige Kindheiten, Fremdenhaß, Wahnsinn, alles da! Und so aufregend geschrieben, daß man unbedingt weiterlesen muß, bis man ENDLICH weiß, wer was getan hat – und warum. Empfehlenswert! Von dieser Autorin werde ich mehr lesen 🙂

Das Buch ohne Staben von Anonymus

Vorgestern bekam ich Post vom Bastei-Lübbe-Verlag und freute mich! Heute bin ich auf der Flucht….

Dem Buch beigelegt war ein Warnschreiben, das Buch bloß nicht zu lesen, es auf keinen Fall zu empfehlen und NIEMALS irgendwo positiv zu erwähnen, denn die Leser fielen tot um wie die Fliegen! Naja, klar, Werbung eben, dachte ich. Hätte ich bloß darauf gehört! Aber ich war ja neugierig und schlug das Buch auf. Und dann?

DAS GRAUEN! AAAAAHHHHH!!!!!! (knister, quietsch, raschel, kraaaaatzzzz…..) WAS IST DAS?! NEIN, LASS MICH!! GEH WEEEEG……! KREIIIIIIIISCH!!!!!

Das war das Letzte, was ich von der Mobiltelefonübertragung hörte, die mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss…. Tja, Leute, manche Warnungen sollte man eben ernst nehmen, nicht?!
Diese „Rezi“ natürlich nicht 🙂 ! Herzlichen Dank an Bastei_Lübbe für diesen gelungenen Gag!

Ausgetanzt von Anni Bürkl

Inhalt:
Berenike Roithers neuer Teesalon im beschaulichen Kurort Altaussee im Salzkammergut verlangt ihre volle Aufmerksamkeit. Doch bald wird sie aus der gewohnten Arbeit herausgerissen: Ihre Tanzlehrerin Caro, die am mystischen Hallstätter Gräberfeld ein keltisches Tanzritual abhalten wollte, wird tot aufgefunden – in der Mitte entzwei gesägt und in einem Friseursalon zur Schau gestellt. Auch Berenike fragt sich, wer so viel Hass gegen die engagierte Frauenhausmitarbeiterin hegte. Und plötzlich steckt sie selbst mitten in den Ermittlungen …

Den zweiten Berenike-Krimi habe ich mit Genuß verschlungen. Denn Berenike ist sozusagen „den Kinderschuhen entwachsen“, sie hört zu, wenn man mit ihr redet, sie ist organisierter und wesentlich zielgerichteter geworden. Als sehr angenehm habe ich empfunden, daß ihre esoterische Ader nicht mehr so nervend im Vordergrund steht.
Anni Bürkl hat eine Heldin mit Kanten geschaffen. Demzufolge ist ihre Sprache auch nicht glatt sondern stellenweise recht kantig, manchmal eckt man an. Auch daran, daß Berenike in recht unpassenden Momenten von amourösen Emotionen „überfraut“ wird ( DAS musste jetzt sein! 🙂 ). Aber sie ist kein Profi, sie ist kein weiblicher Matula, sie darf das!

Das Thema, Gewalt gegen Frauen, ist gut umgesetzt, auch wenn man stellenweise auf vermeintliche Klischees trifft. Die Frauenhaus-Lesbe kommt ebenso vor wie der islamische Ehegatte. Aber mal ehrlich, sind es wirklich nur Stereotypen? Die Realität sieht, leider, anders aus. (Dieses „leider“ bezieht sich auf das Klischee im Allgemeinen, NICHT auf lesbische Frauen!)

Zum Schluß noch ein Wort zum Buch selbst: Das Cover ist (wieder!) ausgesprochen schön! Ebenso freue ich mich über das angehängte Teebrevier und bin wirklich neugierig auf diesen kanadischen Maple-Tea. Ich werde versuchen, den irgendwo zu bekommen, Tipps nehme ich gerne entgegen!

SIE hat nicht ausgetanzt:

Ich glaub, mein Hamster bohnert….äh…pfeift!

Arthur, mein Notfall-Robo, hat sich inzwischen bestens eingelebt. Er liebt Salat und Gurke, er pflügt sein Terrarium um, er spurtet nachts kilometerweit in seinem Laufrad (ich überlege ernsthaft, so einen kleinen Dynamo anzubringen, vielleicht lädt er nachts mein Mobiltele wieder auf?! 🙂 ) und er kommt auf die Hand! Zwar muß ich dann einen alten Reithandschuh anziehen, weil Klein-Arthur durchaus die Hand beißt, die ihn füttert, aber dann lässt er sich häuslich nieder und putzt sich…
Und Arthur ist neugierig! Er steigt so ziemlich in alles rein, was er erwischt: Küchenrollen, kleine Schachteln und Näpfe, alles wird erkundet. Letzte Woche hatte ich so eine Plastik-Einteilung aus einer Keksschachtel und dachte, das gäbe eine prima Hamsterleiter ab. Natürlich nicht dauerhaft, Plastik hat bei Nagern nichts zu suchen. Aber so für den Moment, unter Aufsicht. Leider hatte ich die mikroskopisch kleinen Schokospuren in den Rillen übersehen, auf die Arthur sich stürzte wie ein Geier! Bevor jetzt hier ein Aufschrei durch die Menge geht: ich WEISS, daß alle Zwerghamsterarten zu Diabetes neigen, ergo alles Süße schlecht für sie ist! Ich wußte aber nicht, daß er sich wie ein Mini-Berserker darauf stürzen würde…
Jedenfalls nahm ich ihm das Ding wieder weg, keine Schokolade für Arthur! Und was macht der Winzling? Stellt sich auf die Hinterbeine (volle 7 Zentimeter, jawohl!) und PFEIFT MICH AN! Richtig laut und richtig wütend: „Gib das wieder her! SOFORT!!!“

ich sagte ja, er steigt überall rein!

Ich fass es nicht, Zwergenaufstand im Wasserglas, also, Terrarium! 🙂 Aber ist ja auch gemein, sowas: erst bekommt man dieses leckere Zeug vor die Nase gehalten und dann, schwupps, ist es wieder weg! Das Leben ist eben kein Ponyhof, auch nicht für Zwerghamstis…
GENAU SO! 🙂

DAS passt ja wohl! 🙂