FLEDERMAUSLAND von Oliver Dierssen

Der Erstling von Oliver Dierssen soll auch das erste Buch in meinem Bücherregal hier sein. Ich habe die Online-Lesung auf http://www.lovelybooks.de gesehen und mich dort schon köstlich amüsiert. Dann bekam ich das Buch zwei Tage später geschenkt, und ihr könnt mir glauben, soviel Spass hatte ich selten, wenn ich krank im Bett lag!

Sebastian Schätz, Anfang zwanzig, panischer Fledermaus-Phobiker, wird nachts in seinem Schlafzimmer von eben einem solchen Tierchen attakiert, nackt, wohlgemerkt. Nach anfänglicher Flucht beschliesst Sebastian aber: „Dich mach ich platt!“ und nimmt den Kampf auf. Schnell nimmt der Fight ein unrühmliches Ende (für ihn!) und er muß den Notruf wählen…
Von da an ist nichts mehr, wie es war. In Sebastians Umfeld tauchen mehr und mehr seltsame Gestalten auf, seine Traumfrau und Fast-Freundin Kim benimmt sich merkwürdig, Sebastian fühlt sich mies und versteht die Welt nicht mehr. Was will der MAD von ihm und warum verfolgen ihn hinterhältige, bürokratische GEZ-Zwerge?
Nach 450 turbulenten Seiten ist klar: Hannover IST Fledermausland! Das Buch ist eine Mischung aus „Vollidiot“ und „Buffy“, sehr unterhaltsam, stellenweise brüllend komisch, ohne aber den mittlerweile nervtötenden Vampir-Hype mitzumachen. In der Buchhandlung irrlichtert es ein wenig zwischen Fantasy und Jugendbuch, ein wenig hat es von beidem. Auf jeden Fall ist es angenehme, sehr lustige Unterhaltung.

Wenn man nicht zu Hause arbeitet

Dieser Titel ist nicht ganz eindeutig, denn die meisten Menschen dieser Welt arbeiten natürlich nicht zu Hause sondern woanders. Das habe ich früher auch getan und mir gedacht, zu Hause arbeiten zu dürfen, ist Luxus. In gewisser Weise stimmt das auch: ich kann anfangen, wann ich will, Pause machen, so oft und so lange ich will, die Musikanlage so laut aufdrehen wie ich will, am Schreibtisch essen usw. Alles Dinge, die an einem „aushäusigen“ Arbeitsplatz nicht gerne gesehen sind.
Andererseits gehört zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden aber genau deswegen auch eine strenge Disziplin. Aus einer „Pause, so lange ich will“ kann nämlich ganz schnell ein vertrödelter Vormittag werden. Die Ablenkungen sind vielfältig und vor allen Dingen hartnäckig. In einem Büro interessieren mich schmutzige Fenster nur bedingt. Es sind nämlich nicht meine und ich bin auch nicht dafür zuständig, sie zu putzen. Zu Hause ist das was ganz anderes und da können mich solche Details ungeheuer stören. Da hilft dann nur eins: auswandern.

Ich bin mir sicher, ein großer Anteil an der literarischen Kaffeehauskultur liegt in der Flucht vor Haushaltsangelegenheiten. Nicht jeder hat schliesslich eine Katja (Mann) zu Hause, die ihren literarisch schwer arbeitenden Gatten vor all diesen permanenten Unwichtigkeiten abgeschirmt hat. Und es ist doch wirklich klasse: Ich sitze in einer angenehmen Umgebung, vollkommen ungestört, bekomme meinen Tee oder Milchkaffee gebracht, bin trotzdem nicht alleine, kann mir die Leute um mich herum betrachten ohne mich involviert zu fühlen. An manchen Tagen kann ich so einfach effektiver arbeiten, als zu Hause, wo der Abwasch hinter der Tür lauert und die Fenster mir im Chor mitteilen: „Putz uns endlich!“


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Digitale Welten, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr…

Vorgestern war ich in Göttingen unterwegs und habe einen Blick in die neu eröffnete Thalia-Buchhandlung geworfen – UND auf die dort ausgestellten E-Book-Reader. Einer war von Sony, der andere ein Kindle. Das war sozusagen mein realer Erstkontakt mit fremden Welten. Die Dinger standen nicht unter Glas, nur zum Anstaunen, nein, man konnte sie ausprobieren! Ich habe keine Berührungsängste bei neuen Technologien, also Stift geschnappt und losgetippt. Mal sehen, was das Ding jetzt so macht!

Zuerst mal war ich erstaunt, wie viele Bücher auf dem kleinen Teil Platz haben. Schrift vergrößern, Text markieren, scrollen, alles möglich. Aber ehrlich gesagt nervte mich das Ding nach fünf Minuten, es fehlt eindeutig das „Buchgefühl“, es ist irgendwie unpersönlich. Vielleicht wird es für meine Enkel einmal ganz normal sein, nur noch E-Books zu lesen. Praktisch ist es ja, wenn man bedenkt, daß Schultaschen heute noch gut 20 Kg wiegen oder daß ich zum Beispiel zehn 800-Seiten-Wälzer mit in den Urlaub nehmen könnte, ohne mir einen Bruch zu heben. Aber wie ist es z. B. draussen in der Sonne? Auf meinem Laptop kann ich draussen nur sehr eingeschränkt arbeiten (leider!!!), weil ich im Sonnenlicht auf dem Monitor nichts sehe. Wie ist das mit so einem Reader? Konnte ich natürlich nicht testen, denn hätte ich versucht, den Sony mit nach draussen zu nehmen, wären vermutlich kreisförmig um mich Laserkanonen aus dem Teppichboden emporgestiegen…

So ein bisschen was hat es durchaus von der guten, alten Enterprise. Ist euch mal aufgefallen, wenn Kirk von diesen hübschen Damen in den kurzen Röckchen was zum unterschreiben hingehalten wird, sieht das aus wie ein E-Book-Reader. Naja, so ähnlich…. Oder dieser futuristische Ohrhörer, den Uhura da benutzt. Sowas haben wir inzwischen längst: Bluetooth-Hörer fürs Handy. Irgendwem ist es vor einigen Jahren schon gelungen, ein Licht-Photon ungefähr 2 Meter weit zu „beamen“ und ich wette, irgendwo wird schon an einem Holodeck gebosselt. Roddenberry lag vielleicht gar nicht so verkehrt mit seiner Zeiteinschätzung:“Wir schreiben das Jahr 2200….“

Ich persönlich ziehe aber „echte“ Bücher aus Papier vor. Zum Zeitvertreib und auch zum Arbeiten. Am Besten kann ich mir nämlich Dinge merken, die ich aufschreibe, und zwar handschriftlich! Die Verknüpfung in meinem Hirn läuft nämlich so: Aufschreiben = merken. Da hilft mir dann ein E-Book wenig, wenn ich einen Notizblock daneben liegen habe, um mir Notizen zu machen. Klar, das kann so ein Reader auch, Textstellen markieren und als Notiz abspeichern, aber dann merkt sich das der Apparat, nicht mein Hirn. Aber vielleicht passt sich unser Denkapparat den Methoden an? Warten wir´s ab….

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