Das Internet ist manchmal magisch

Das Internet ist nicht grundsätzlich ein böser Ort, auch wenn man das ab und zu glauben könnte. Manchmal ist das Internet magisch und es geschehen unverhoffte Wunder. Auf sehr verschlungenen Wegen, mit denen niemand rechnet.

Vor knapp zwei Wochen machte ich eine unbedacht heftige Bewegung am Schreibtisch und stieß mein Glas Colamix um. Alles ergoß sich in meinen Laptop. Festplattenschaden innerhalb von Sekunden, alles gnadenlos verkleistert. Während 20 Jahren PC-Arbeit ist mir sowas noch nie passiert, ich bin aber nach anderen, weniger dramatischen Zwischenfällen, immerhin so schlau, mein Zeug abzusichern. Der Datenverlust war also nicht allzu katastrophal und ich verfiel nicht in totale Panik, aber es ist trotzdem blöde, zumal es Dinge gibt, die ohne einen funktionierenden Computer mit Internetzugang ziemlich kompliziert oder gleich völlig unmöglich werden.

Ganz aus der Welt war ich zwar nicht, Dank Ipad, aber damit geht auch nicht alles und schreiben ohne vernünftige Tastatur wird irgendwann schmerzhaft. Also bot mir der Beste Freund von Allen einen Uralt-Laptop von 2002 an, für den Übergang. In meinem Fall würde das ein langer Übergang werden, denn ich gehöre nicht zu den Leuten, denen am Freitag was kaputtgeht und die sich am Samstag gleich was neues kaufen können, selbst wenn sie es noch so dringend benötigen. Dieser Gedanke läßt mich jetzt mal kurz abschweifen. Vor einiger Zeit stolperte ich bei Twitter über einen „Betteltweet“: „Wer finanziert mir denn meinen Traumurlaub nach Japan?“ (So ähnlich jedenfalls), gleich mit einem Link, wohin man sein Geld „spenden“ konnte. Ich dachte bloß „WTF?!?!“ Ich meine, nicht nur, daß es mein Lebenstraum ist, nach Japan zu reisen und das immer ein Traum bleiben wird, aber wie dreist abgebrüht muß man denn sein, wildfremde Menschen um einen solchen Luxus anzubetteln? Was denken sich solche Leute? Es geht hier ja nicht um jemanden, dem das Dach über dem Kopf eingestürzt ist, oder einen alleinerziehenden Elternteil, mit zwei Jobs, der trotzdem nicht klarkommt. Und solche Menschen betteln nicht, Hilfsaufrufe kommen meist von Nachbarn oder Freunden. Mir würde im Traum nicht einfallen, über Twitter oder sonst eine Plattform für einen neuen Rechner zu betteln – und wenn ich ihn noch so dringend bräuchte. Was diese Exkursion jetzt hier zu suchen hat? Das klärt sich gleich.

Ich bin ja Bewohnerin von virtuellen Welten wie Second Life und Dorenas Welt. In letzterer habe ich ein Fleckchen Land und ein Haus, also mußte ich Bescheid sagen, daß ich mein Notebook geschrottet hatte und vorläufig nicht so schnell wiederkäme. Schließlich könnte es ja sein, daß jemand anderes das Land mieten möchte. So weit, so gut. In Dorenas Welt findet jeden Freitag von 20.00 – 24.00 Uhr Gridparty statt, die auch über das hauseigene Webradio http://www.radio-rote-dora.org/ übertragen wird, hört da gerne mal rein 🙂 An just diesem Freitag war Gridgeburtstag und somit „Wunschkonzert“. Ich saß mit Kopfhörern da, weil ich via Messenger mit dem Besten Freund von Allen diskutierte, wie man den Uralt-Laptop internetfähig bekäme und bekam die Sendung so über Kopfhörer mit, weil er sie an seinem PC laufen ließ. Weil ich nichts Besseres zu tun hatte, wünschte ich mir spontan einen Song und bat den Besten Freund, ein paar Grüße von mir in den Chat zu tippen, was er auch machte. Kaum ein paar Minuten später ertönte die Stimme des DJ´s mit meinen Grüßen und der Geschichte, wie ich durch eigene Blödheit meinen Laptop gekillt hatte und das der Grund sei, warum ich nicht in Persona virtuell auf der Party sein konnte. Nun ja… öhm… Wer den Schaden hat, spottet ja angeblich jeder Beschreibung, nicht wahr? 🙂 Aber nein, das genau war der Moment für die Internetmagie! Jemand, den ich gar nicht kenne, bzw. mit dessen Avatar ich mal geplaudert hatte, hörte die Geschichte und schrieb dem Besten Freund, er hätte einen kompletten PC mit Monitor und allem Pipapo rumstehen, eingerichtet auf Windoof 10 und den würde er mir schicken, einfach mal so, weil er mir gern helfen möchte.

Seit gut einer Woche arbeite ich nun an einem PC mit einer großartigen Grafik und einer Arbeitsgeschwindigkeit, die ich so überhaupt nicht gewohnt bin. Das macht sich besonders in virtuellen Welten bemerkbar, die Arbeits- und Grafikleistung wirklich „fressen“. Ich empfinde eine große Dankbarkeit, denn ein gutes Gerät erleichtert vieles. Und das nur, weil ich mir spontan einen Song wünschte und der DJ gleich die komplette Story über den Äther jagte. Die Wege, wie einen manche Dinge erreichen, sind manchmal wahrlich verschlungen wunderbar!

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Meine virtuelle Parzelle
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Ein neues Haus zu Weihnachten

Weihnachten ist für mich traditionell der Startschuß für die „Einigel- und Kuschelsaison“. Wenn ich mich auch nicht zu den Super-Hausfrauen zähle(n will), zum Jahresende ist die Bude aufgeräumt und blitzt, weil ich dann einfach die Füße hochlegen will und weder staubsaugen noch Wäsche waschen. Weihnachtslieder rauf und runter, Punsch, gutes Essen, Zeit zum Lesen. Ich erinnere mich, einmal beschwerte sich Oma furchtbar: „Kind, du hast gar kein Weihnachtslied gespielt!“ Ähm… jein. Ich spielte keine deutschen Weihnachtslieder, diese düsterschweren, besinnlichkeitsgeschwängerten Lieder wie „Stille Nacht“ und die entsprungene Ros` machen mich depressiv. Jedenfalls auf Dauer. Ich steh einfach auf amerikanisch verkitschte oder britische Weihnachten ¯\_(ツ)_/¯. Oder wenn schon deutsch, dann bitte das Weihnachtsoratorium von Bach, Hallelujaaaa^^ Aber das hört man ja nicht so nebenbei.
Die letzten beiden Weihnachten waren schwierig für mich. Der Tod meines Partners hinterließ einen Bombenkrater in mir. Im ersten Jahr „flüchtete“ ich zum Besten Freund von Allen, weil ich dort auch verheult rumsitzen darf und nicht auf Knopfdruck besinnlich sein muß und niemand „Kommst du jetzt mal? Wir wollen singen!“ aus dem Wohnzimmer ruft. Im letzten Jahr habe ich mich mit so viel Arbeit zugeschüttet (ihr erinnert euch sicher an die Theaterpremiere im Dezember), hatte an zwei Tagen Besuch und Berge von Abwasch, daß ich zum Jahresende nur noch schlafen wollte. Dieses Jahr wollte ich mal wieder Zeit für mich alleine, auch Erinnerungen zulassen, die mir sonst viel zu weh taten. Da das Tochterkind samt Freund auch einiges um die Ohren hatten, waren die auch froh, mal einen Tag für sich zu haben. Heiligabend gibt es traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat, Bescherung, wir trinken Tee und quatschen. Dieses Jahr kamen beide mit dem Auto und ich sah schon vom Küchenfenster, daß sie etwas riesiges und leidlich schweres da rauswuchteten. Was ist das, ein Schrank??? Ein Bücherregal? Ein – MEERSCHWEINGEHEGE!!! Ich meine, die Flauschbälle bekommen immer was zu Weihnachten, ein neues Häuschen oder besondere Leckerlies, aber…!
Das Gehege was sie hatten, ist schon fast 10 Jahre alt und sehr schwierig zu putzen. Jedenfalls für mich. Außerdem war die Plastikwanne gerissen, weil sich da mal jemand aufgestützt hatte und der Riß halt immer größer wurde. Alles halt nicht mehr so schön. Und jetzt? Seht selbst. Ich hab wirklich geheult von Freude, ich hatte überhaupt keine Ahnung! Und jetzt weiß ich auch, warum das Tochterkind an ihrem freien Tag nie Zeit für den Weihnachtsmarkt hatte 😉

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Ca. 2,5 qm insgesamt für zwei Schweinchen
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Die beiden Schnuffis sind ins Glas graviert, damit kann ich den Eingang vergrößern oder kleiner machen

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Watson spielt Brückentroll. Die Heubrücke von (c) Resch ist wirklich schön!
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Alles wird genau angeguckt 🙂
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Oh, Essen!!!

Genau, Essen! Ein wichtiges Thema an Weihnachten! Und danach mit dem Buch vom Besten Freund von Allen auf´s Sofa kuscheln.

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Hamburg und Kaffeetrinken mit Kiki & Bär

Gestern war es mal wieder soweit: die Sehnsucht nach Hamburg schlug zu. Und da ich ja letzten Monat so schön sparsam war und das Essen alles andere als aufregend, dachte ich, ich könnte ja mal in die „Bullerei“ gehen, das Restaurant, welches u. a. Tim Mälzer gehört. Das Wetter war ein Traum, sehr warm, strahlend blauer Himmel… Kaiserwetter in Hamburg!

Besonders gefreut hatte ich mich auf ein Treffen mit Kiki & Bär auf einen Kaffee. Verabredet waren wir in der Rindermarkthalle, von der ich noch genau wußte, wo die ist – aber dummer Weise von der Feldstrasse aus und nicht von der Sternschanze, wo die „Bullerei“ ist. Aber der Reihe nach!

Das Restaurant gefällt mir sehr gut, man kann draußen auf der Terrasse sitzen und auch drinnen ist es sehr gemütlich. Die Bedienung ist sehr nett und schnell. Bei der Hitze habe ich nur einen Salat gegessen („Bullenfutter“!) und der war wirklich sehr lecker. Besonders gefallen hat mir, daß zwischen den „normalen“ Zutaten, Tomaten, Ruccola, Möhren, kleine Stücke Wassermelone waren. Die Kombination probiere ich demnächst auch mal zu Hause ^^. Langsam sollte ich mich mal auf den Weg machen, wenn ich nicht zu spät kommen wollte. Ich HASSE zu spät kommen! Aber natürlich steckt der Teufel im Detail: Ich hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, wie lang die Schanzenstrasse ist. Ich wußte nur, an irgendeiner Ecke links abbiegen und dann sieht man den Bau schon. Jedesmal, wenn ich fragte hieß es, es ist nicht mehr weit, höchstens zehn Minuten. So ungefähr alle zehn Minuten! Leute, ich bin nicht Zatopek, ich gehe am Stock…. (Ja, ich hatte die Eitelkeit zu Hause gelassen!) Mit ungefähr zehn Minuten Verspätung bog ich bei der Markthalle ein und was jetzt kommt, könnte zumindest in Teilen Fiktion sein, ne? ^^

Ich sah Kiki schon von weitem und natürlich den Bären, der auf den Tatzenballen hin und her wippte. Kiki guckte immer wieder auf ihr Smartphone, aber wenn ich jetzt erst stehenbleibe, um meins aus dem Beutel zu kramen, würde es ja noch länger dauern. Vielleicht rufen? Aber wie ruft man jemanden, von dessen Nachnamen man keinen Plan hat, wie der korrekt ausgesprochen wird? Gibt ja nix peinlicheres, als wenn jemand deinen Namen falsch über einen Platz brüllt…. Ich versuchte es mit „Huhuuuu Kiki!“ Mist, hat sie nicht gehört. Ich holte schon tief Luft für ein „Hallllooooo Bär!“ aber mir fiel gerade noch ein, daß der ja für die überwiegende Mehrheit unsichtbar ist…. Zu guter Letzt haben wir uns ja doch noch gefunden und suchten uns einen Platz im Café. Dort packte ich die Tafel Vollmilchschoki für den Bären aus, Kingsize. Erstens sprechen wir hier über einen Bären von Format, zweitens wollte ich gern, daß Kiki mehr als 30 Gramm davon abbekommt. Der Bär freute sich offensichtlich sehr und bedankte sich artig als plötzlich…

Wow, Mamaaa, guck maaal, ein Bär! Mit Schokolade!“

Der Bär guckte auf den Knirps runter, hielt aber die Schoki sicherheitshalber ein Stückchen höher. Die Frau Mama drehte sich um:

Hier ist doch kein Bär! (Der fletschte gerade ein wenig die Zähne in ihre Richtung ^^) Was du dir immer ausdenkst…. komm jetzt!“

Aber Mama, ehrlich… da steht er doch!“

Kiki zuckte nur die Schultern ¯\_()_/¯ und ich rührte angelegentlich in meinem Cappucchino herum und ich schwöre es: der Bär löste sich langsam auf und verschwand. Kiki schnappte ihm gerade noch die Schokolade weg und verstaute sie in ihrem Rucksack.

Dieser Bär macht mich noch fertig! Er ist übrigens nicht so der Kaffeetrinker, sorry.“

Stehbrettpaddler?“ fragte ich.

Vermutlich….“

Wir plauderten dann noch sehr nett und ich habe mich wirklich sehr gefreut, die beiden getroffen zu haben 🙂

Später drehte ich dann noch eine Runde durch die Markthalle und entdeckte zwei interessante Dinge: einen kleinen Stand, an dem man sich seinen Becher Frozen Yoghurt selbst zapfen und dekorieren konnte (yummy!) und eine Säule, an der ringsum handgetöpferte Kacheln mit Rindviechern angebracht waren. Leider mußte ich mich dann auch schon wieder auf den Rückweg machen. Mit den obligatorischen Franzbrötchen im Gepäck ging es nach Hause. Das nächste Mal sollte ich wohl doch überlegen, mal etwas länger zu bleiben, es gibt einfach so viel zu sehen und zu erleben. Bis zum nächsten Mal, Hamburg!

Erdbeersonnentag

Die Sonne weckte mich gestern mitten im Gesicht und schon beim öffnen der Fenster war klar: DA isser endlich, der Frühling! Über Nacht war die Wiese unten voll mit Blümchen und ich schwöre, die waren vorgestern noch nicht da.

frühling

Weil ich ohnehin in die Stadt fahren muß, zum Handydealer, irgendeine App will einfach nicht so, wie ich will und blockiert das Gerät, freue ich mich über das Wetter. Um auf den Markt zu gehen ist es schon zu spät, aber vielleicht finde ich doch schon Spargel? Ich sah im Februar schon welchen, aber der kam bestimmt von so einem beheizten Feld, was ich völlig blödsinnig finde, den habe ich nicht gekauft, basta.

Die Innenstadt explodierte geradezu! Als wären überall so Konfettischachteln aufgeplatzt, ergossen sich von überall her lächelnde Menschen. Alte, junge, ganz junge in Kinderwägen, manche schon barfuß in Sandalen und kurzen Hosen, in dünnen Hemdchen, andere trauten dem Sonnenschein noch nicht recht und hatten Jacken und Schals dabei. Ich gehörte zur eher letzten Kategorie und meine Jacke war mir viel zu warm… Alle paar Meter schossen die Straßenmusiker wie Pilze durch den Asphalt, ein Junge mit Dreads krähte mit Inbrunst „Despacito“, gar nicht übel…

Ich tat etwas, was ich sonst eher selten mache: ich steuerte die nächste Eisdiele an, Joghurt, Erdbeer und Erdbeersauce bitte, und setzte mich auf eine Bank in die Sonne, Leute gucken. Und es ist jedesmal faszinierend: wenn nach ewig empfundener grauer Tristesse und Kälte endlich die Sonne kräftig strahlt, blühen die Menschen auf wie die Blumen. Sie wirken entspannter, weniger verbissen, keiner grummelt, die Innenstadt wirkt irgendwie wie ein einziges Straßenfest. Mister Despacito war weitergezogen, stattdessen wehte jetzt der Gesang eines blassen (naja, klar…. Tristesse, wir erinnern uns^^) Herren zu mir rüber, dessen Fähigkeiten sich wohl auf ganze vier Akkorde beschränken, aber egal, was soll´s? Ich genieße die Sonne im Gesicht, das Eis schmeckt lecker und um mich herum quirlen gutgelaunte Menschen.

Und plötzlich ist er da, dieser latent leise Schmerz, der immer da ist, weil Du nicht mehr da bist, nicht mehr an meiner Seite. Ich weiß, Du würdest die Sonne geniessen und bekämst in einer Woche mehr Farbe als ich im gesamten Sommer. Ich erinnere mich an den Duft Deiner Haut im Sommer, eine Mischung aus Niveacreme und frisch gemähtem Gras…. und obwohl es wehtut, freue ich mich über die Erinnerung, daß sie noch da ist.

Meine Suche nach Spargel wurde auch belohnt – Sonntagsessen. Mit einer selbstgemachten Hollandaise! Die Seele braucht viel mehr Sonnentage und Erdbeereis.

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In dieser kleinen Eisdiele gibt es ungelogen das beste Eis der Stadt – wie man unschwer schon draußen erkennen kann^^

Nachklapp zum #SepteMeer

Das #bingecreating-Projekt ist für dieses Jahr vorbei und ich habe fulminant abgelost – also böse geschwächelt auf gut neudeutsch. Dabei hatte ich mich riesig drauf gefreut, als Kiki das Motto rausgab: #SepteMeer! Einen Monat lang täglich etwas zum Thema Meer machen: Malen, schreiben, fotografieren, basteln… Für mich war klar, ich will malen! Fotos nur in Ausnahmefällen, also wenn ich das Vakuum im Hirn habe oder gar keine Zeit. Letzteres brach mir dann auch das Genick beim durchhalten….

Ich habe mich bewußt für „malen“ entschieden, obwohl ich ja immer noch glaube, das nicht wirklich zu können. Aber es macht Spaß und ich habe bereits im letzten Jahr festgestellt, besonders gut gefällt mir das auf dem IPäd mit der ProCreate-App. Für eine Hobbypinselschwingerin ist es eine gute Möglichkeit, ganz verschiedene Stile auszuprobieren, ohne ein Vermögen für Tusche, Ölfarben, Aquarellfarben, Stifte, Kreide, Pinsel und diverse Papiere auszugeben. Natürlich ist es ein gänzlich anderes Handgefühl, als tatsächlich auf Papier zu malen, aber was soll´s?
Ein anderes Problem ist es, ähnlich wie bei den Katzen im #Catember, jeden Tag ein Motiv zu finden. Nach dem 3. Leuchtturm hat man irgendwie ein schlechtes Gewissen. Und dann holte mich die Realität in massivem Zeitmangel ein. Leser meines Blogs haben es sicher mitbekommen, da steht ein ganz reales Theaterprojekt an und fordert sehr viel Aufmerksamkeit. Das war dann der Moment, mich zu entscheiden: entweder aussteigen oder jeden Tag einfach ein Foto posten und gut. Das wollte ich aber nicht, ich finde, es gab sowieso schon viel zu viele Fotos. Viele davon richtig toll, ohne Zweifel, aber ich glaube, so war das nicht gedacht. Es geht ja darum, jeden Tag etwas aktiv zu gestalten und nicht, nur Bilder vom 5 Jahre alten Sylturlaub reinzusetzen. Also hab ich mich schweren Herzens aus dem #SepteMeer verabschiedet. Meine Lieblingsbilder, von denen ich glaube, sie sind ganz gut gelungen, zeige ich euch aber trotzdem hier.

Blue Port

Kleines Boot am Meer
Findelkraken

Für einen Tag Hamburg

Man bescheinigte mir schon des öfteren eine gewisse Verrücktheit und Vorgestern war es mal wieder soweit: Ich fuhr für einen Tag nach Hamburg, einfach so. Naja, nicht GANZ einfach so. Es war eine Belohnung. In den Wochen davor habe ich ein wahres Mammutprojekt gestemmt, Nächte durchgearbeitet, aus Verzweiflung prokrastiniert in Form von nächtlicher Putzwut, Blut und Wasser geschwitzt und mehr als einmal derbe Flüche ausgestoßen. (Worum es dabei geht, erzähle ich, wenn es spruchreif wird) Jedenfalls gab es eine Deadline, die ich unbedingt einhalten mußte und das habe ich auch geschafft. Allerdings war mein Kopf danach vollkommen leer und ich ziemlich geschafft, so daß ich dachte, ich lass mir den Kopf mal durchpusten, setze mich an die Landungsbrücken und zähle Möwen. Mehr nicht.

Dank des Schicksals, oder meiner fantastischen Ungeschicklichkeit, musste ich aber noch eine Woche warten. Bei der Zubereitung des Meerschwein-Frühstücks fiel mir das Küchenmesser runter. Meine Messer sind wirklich scharf und es fiel, Spitze zuerst, Schneide nach unten, direkt auf meinen Fuß. Ich hatte keine Ahnung, wie sehr so ein Fuß bluten kann! Mein Küchenboden sah 1A aus wie aus einem amerikanischen Mafiafilm, es fehlten bloß noch die Absperrbänder „Crime Scene! Do not cross!“ Das brauchte dann eine Woche, um zu heilen, na schön.

Es ist ja schon ein bisschen bekloppt, ein paar Stunden mit dem Zug durch die Gegend zu juckeln für ca. 6 Stunden Hamburg und dann wieder ein paar Stunden zurück, aber manchmal darf man auch bekloppt sein. Warum? Na weil ich es kann! Ausserdem fahre ich gerne Zug. Ich mag es, die vorbeiziehende Landschaft zu beobachten, zu sehen, wie sie sich verändert und dabei meine Gedanken fließen zu lassen. Oder auch einfach mal wegzudösen, dabei Musik auf den Ohren. Wusstet ihr, daß der Bahnhof in Uelzen ein echtes Kunstwerk ist? Ja, Uelzen! Das ist der Ort, an dem man eine Hungerattacke auf geröstete Erdnüsse bekommt, wenn der Wind richtig steht, genau. Aber zurück zum Bahnhof. Das kleine Ding mit seinen sechs Gleisen wurde nämlich von keinem Geringeren als Friedensreich Hundertwasser entworfen.

Hundertwasser-Bahnhof Uelzen



Als der Zug in Hamburg einfuhr, verabschiedete sich der Zugführer nicht mit den Worten „Senk ju for träwwelink wiß Deutsche Bahn“ sondern er sagte:“Willkommen in der schönsten Stadt der Welt!“ DAS ist doch mal ne Ansage. Für mich persönlich liefern sich ja Hamburg und London ein Kopf an Kopf – Rennen, aber man kann das schon so stehen lassen. Das Hamburger Wetter begrüßte mich mit einem vorgezogenen April: strahlender Sonnenschein und es regnete – gleichzeitig. Ich hatte wohlweislich meinen alten, wattierten Hoodie an. Das Ding ist ungelogen 25 Jahre alt aber noch tipptopp, das praktischste Kleidungsstück für Unterwegs und absolut winddicht. Das sollte sich auch als absolut notwendig erweisen, auf der Fähre war es so windig, daß es mir fast die Kamera aus der Hand geweht hätte. Ich machte die „kleinste Kreuzfahrt der Welt“ lt. Ankerherz-Verlag, mit der Fähre 62. Weil die nämlich am Museumshafen Övelgönne vorbeifährt und genau da habe ich mal als Gast in einer der Villen gewohnt. Bei einer sehr resoluten Kapitänswitwe. Das ist gut 30 Jahre her und ich wollte sehen, ob ich das Haus wiederfinden würde. Ich hab es tatsächlich gesehen, es hat nämlich einen wunderbaren Erker und in diesem Erkerfenster habe ich damals gesessen und stundenlang die Schiffe auf der Elbe beobachtet. Nicht ahnend, daß ich heute selbst mal auf einem dieser Schiffe an der Villa vorbeifahren würde.
Gerade als ich an den Landungsbrücken wieder ausgestiegen bin, hörte ich ziemlich lautes quietschen und johlen vom Wasser her. Ich drehte mich um und sah eine andere Fähre, auf Deck eine Schulklasse. Der Kapitän wurde nicht etwa langsamer sondern gab richtig Gas und legte eine scharfe Drehung hin! Ich grinste, wie alle Leute, die es mitbekamen. Wäre das ein Auto gewesen, hätten die Reifen gequietscht, garantiert!

Museumsschiff – Ich mag diese alten Segelschiffe!


Langsam machte sich Hunger breit und das hieß: Fischbrötchen! Klar, was sonst? Ich blieb noch an den Landungsbrücken, Schiffe gucken und – Möwen zählen! Ein Exemplar war ja besonders anhänglich und überhaupt nicht scheu, ich hätte nie gedacht, daß ich so nah an sie rankäme. Und nein, das lag nicht am Fischbrötchen, das war längst weg ^^ .

Über all dem thront ja nun die Elbphilharmonie, Elphi, und ich überlegte kurz, ob ich da noch hin sollte, denn angucken würde ich sie mir ja schon gerne. Aber dann dachte ich, ich brauche ja einen Grund, um wieder zu kommen. Obwohl, brauche ich einen Grund? Eigentlich nicht. Trotzdem werde ich Elphi das nächste Mal besuchen.

Ich fuhr zurück zum Bahnhof und kaufte mir eine Tüte Franzbrötchen. Das muß so, die bei uns sind einfach nicht gut, sorry Göttingen. Draussen stieß ich dann auf den Hamburger Gabenzaun für Obdachlose. Eine geniale Idee, einen Sperrzaun, der Menschen am sitzen hindern soll, einfach mal zu einem Gegenstand der Menschlichkeit zu machen! Zu meiner Verwunderung stand ein „Gabenwächter“ daneben, der aufpasste, daß wirklich nur Obdachlose die Tüten abpflücken. Ich unterhielt mich einen Moment mit ihm, weil mir das nicht so recht in den Kopf wollte, daß Leute, die es nicht nötig haben, da was wegnehmen. Wenn ich das nächste Mal komme, bringe ich auch was mit für den Zaun, das ist versprochen!

Umbau zur Humanität – der Hamburger Gabenzaun

Auf der Heimfahrt wurde ich mit einem geradezu fantastischen Sonnenuntergang über Hamburg belohnt. Dunkelrot stand sie über der Elbe, Elphi blitzte immer wieder kurz zwischen Bäumen und Häusern durch und ich juckelte gemütlich wieder nach Hause. Schön war´s.

Wenn du nicht weißt, was es wird, nenne es Essay. Oder einfach Fingerübung.

Freundschaft muß man sich verdienen. So heißt es zumindest. Oder Freundschaft muß wachsen, über Jahre. Das mag stimmen, oft ist das sicherlich auch so. Aber manchmal wird sie einem auch einfach zuteil, wie ein unerwartetes Geschenk, wie etwas, womit man nicht rechnet. Ein Mensch, der dir im entscheidenden Augenblick die Hand reicht und den du danach niemals mehr wiedersiehst, dessen Namen du vielleicht nicht einmal kennst und nie erfahren hast, kann dir mehr zu einem Freund werden als jemand, den du dein ganzes Leben lang gekannt hast.

Wenn Zeit bei der Entwicklung einer Freundschaft eine Rolle spielt, kann ich nur sagen, Zeit hat ja nicht nur eine meßbare Länge, also Sekunden, Minuten, Tage, sie hat auch eine, nicht meßbare, Tiefe. Manchmal genügt ein einziger Augenblick, um einen wahren Freund zu erkennen. Dieser Augenblick war dann nachhaltiger und tiefer als es zehn Jahre sein können. Und unvergesslicher.

„Freundschaft bedeutete, sich geehrt zu fühlen, dass man einen anderen in seiner größten Verzweiflung auffangen dürfte…“ ( Hanya Yanagihara, Ein wenig Leben) Wie lange dauert es, in seine tiefste Verzeiflung zu stürzen? Und wie lange, die Hand auszustrecken um den anderen festzuhalten? In diesem Moment sind sich zwei Menschen sehr nah, in einer Sekunde noch Fremde, in der nächsten durch tiefe Sympathie verbunden, der eine stark, der andere schwach. Es gibt keine stärkere Bindung, als sich im Augenblick der Schwäche an einen anderen zu halten, der Wärme und Kraft, Verständnis und Empathie ausstrahlt. Ebenso wenig wie umgekehrt. Es macht einen starken Menschen nur noch stärker, wenn er einen schwächeren auffängt und stützt. Ist das schon Freundschaft? Oder der Beginn einer solchen?

Wann auch immer sie beginnen, sicher ist, es gibt Freundschaften, die, obwohl während eines Wimpernschlages entstanden, unverbrüchlich sind. Sie sind unser wertvollster Besitz.

Foto: Pinterest
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