Inselbeichte von Reinhard Pelte

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Ein Krimi über die abgründige Natur des Menschen – gepaart mit der atmosphärischen Schilderung nordfriesischer Eigentümlichkeiten.Kriminalrat Tomas Jung, Leiter und einziger Mitarbeiter des Dezernats für unaufgeklärte Kapitalverbrechen bei der Polizeiinspektion Nord in Flensburg, hat es mit einem zehn Jahre zurückliegenden Fall zu tun: Damals verschwand ein junges Mädchen auf dem Weg vom elterlichen Hof nach Husum spurlos. Ihre Familie ist nach dem tragischen Ereignis auseinandergebrochen. Die Mutter bereits verstorben, Vater und Bruder ausgewandert.
Mit Akribie und dem ihm eigenen Instinkt macht sich Jung an die Ermittlungen. Während eine Schneekatastrophe über Schleswig-Holstein hereinbricht, stößt er endlich auf die ersehnte heiße Spur …

Alte Kriminalfälle sind schwierig. SEHR alte Fälle noch schwieriger, denn alle Spuren sind längst kalt und die damals betroffenen Personen nicht mehr auffindbar oder sogar inzwischen verstorben. So sieht es für Kriminalrat Jung aus, als er die zehn Jahre alte Akte eines verschwundenen Mädchens auf den Tisch bekommt. Sein Chef kann ihn nicht ausstehen so wie Jung umgekehrt seinen Chef nicht leiden kann, und beim Lesen drängte sich mir immer mehr der Verdacht auf, dieser Kriminalrat Jung befindet sich in einer unkündbaren Position und bekommt seine Arbeit nur, damit er irgendwie beschäftigt ist und seinem Chef aus dem Weg. Denn der Fall enthält keinerlei Brisanz mehr. Die Familie des Mädchens ist auseinandergebrochen, die Presse hat ihn längst vergessen. Was sich wie eine Beschäftigungstherapie anhört, ist Tomas Jung aber nur recht, er macht auf mich nicht gerade einen ehrgeizigen Eindruck. So fängt er an, im Trüben zu fischen und das recht erfolglos. Bis er zu Sylvester zu einem Klassentreffen eingeladen und dort mit seinen alten Schulkameraden eingeschneit wird. Ausgerechnet dort findet er eine interessante Spur, die allerdings dermassen aufgesetzt wirkt, daß man sie nur für eine Finte des Autors halten kann. Jung geht dieser Spur natürlich nach…

Dieses Buch ließ mich sehr unbefriedigt zurück. So wie der gesamte Fall eigentlich keiner mehr ist, ist leider auch die Lösung mehr als unbefriedigend. Jung löst zwar das Rätsel, aber man fragt sich als Leser dauernd:: Und wozu das Ganze?
Trotzdem ist das Buch gut geschrieben und gibt einen netten Eindruck in die nordfriesische Seele.

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar 🙂

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Janssenhaus von Sigrid Hunold-Reime

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Emma von Odenwald, 31-jährige Köchin aus Hannover und immer noch Single, fühlt sich gegenüber ihren erfolgreichen, glücklich verheirateten Eltern als Versagerin. Auch äußerlich hat sie mit ihnen keinerlei ähnlichkeit. „Manchmal denke ich, dass ich ihnen ins Nest gelegt worden bin!“
Wie Recht Emma mit ihrer Vermutung hat, bringt kurze Zeit später ein Gentest zu Tage. Als sie ihre Eltern damit konfrontiert, nennen diese ihr widerstrebend eine Adresse in Ostfriesland und gestehen, dass es keine legale Adoption war. Emma macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunft und stößt dabei auf ein Meer aus Lügen und Verstrickungen …
Dieses Buch ist weniger ein Krimi als eher eine Gesellschaftsstudie. Emma ist das Kind priviligierter Eltern, fühlt sich da aber irgendwie „unpassend“. Aus einer Laune heraus macht sie einen Gentest und erfährt, ihr Gefühl hat sie nicht getrogen, sie „passt“ tatsächlich nicht. Natürlich fühlt sie sich von ihren „Eltern“ verraten, die ihr 31 Jahre lang ihre, nicht legale, Adoption verschwiegen haben und macht sich auf die Suche nach ihrer richtigen Mutter. Sie landet in Ostfriesland, im sogenannten Janssenhaus und tritt damit eine Lawine von ungeahnten Ausmassen los. Als Leser erfahren wir mehr als Emma. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen der Sicht der Personen, die damals in die Angelegenheit involviert waren. Fast ist man froh darüber, daß Emma diese Details erspart bleiben, denn das Psychogramm, das da gezeichnet wird, ist düster und deprimierend. Emma hat nur den Namen Greta, die früher Putzfrau bei ihren Eltern war, und nun beim Vogel-Janssen in dessen Haus lebt. Einen Tag nach der ersten, vorsichtigen Kontaktaufnahme, sind die beiden alten Leute tot und Emma glaubt, ihre eben erst gefundene Mutter schon wieder verloren zu haben, ohne ihr gesagt zu haben, wer sie ist. Immerhin erfährt sie, daß Greta noch eine Tochter hatte und sie, Emma, damit wohl eine Schwester. Aber wo ist die und warum taucht sie nicht auf, jetzt, wo ihre Mutter tot ist? Und wer will, daß Emma aus Ostfriesland verschwindet? Obwohl es kein Kriminalroman im klassischen Sinn ist, ist das Buch äußerst spannend. Die Verstrickungen der einzelnen Personen, die Psychogramme und die sehr überraschende Auflösung lassen den Leser aber auch mit existenziellen Fragen zurück, die eigentlich nur jeder für sich selbst beantworten kann.

Herzlichen Dank an den Gmeiner-Verlag für dieses Rezensionsexemplar

Eidernebel von Wimmer Wilkenloh

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In der Kirche des kleinen Dorfes Witzwort bei Husum liegt eine grausam zugerichtete weibliche Leiche. Kommissar Jan Swensen gerät schon bald unter Druck: Im Laufe der Ermittlungen werden in verschiedenen Kirchen der Region weitere ermordete Frauen aufgefunden – mehrere von ihnen waren Mitarbeiterinnen eines großen Lebensmittel-Discounters.
Das Werk eines Serienmörders? Und welche Verbindung gibt es zu der Frau, die seit einer Herztransplantation von seltsamen Träumen geplagt wird?

Wieder einmal beginne ich eine Reihe mit dem vierten Fall (das wird langsam eine Gewohnheit 😉 ), aber auch dieses Mal ist das kein Problem, da es sich um einen abgeschlossenen Fall handelt, in den man sich sehr gut einlesen kann.
Kommissar Swensen ist gerade zu seiner Lebensgefährtin, der Psychotherapeutin Anna, gezogen und die überredet ihn, mit zum „Biikebrennen“ zu kommen, eine Art nordisches Volksfest mit anschliessendem Grünkohlessen. Der Spass währt aber nicht lange, denn der örtliche Pastor erhält einen Anruf, daß in seiner Kirche eine grausig zugerichtete Frauenleiche liegt. Und dabei bleibt es natürlich nicht, es gibt mehr Frauenleichen, die immer brutaler hingemetzelt werden und absolut keine Spuren. Die einzige Verbindung besteht in einer Supermarktkette, in der einige der Frauen gearbeitet haben und den Chefs dort ein Dorn im Auge waren. Swensens Chef gerät ebenfalls immer mehr unter Druck, die Staatsanwaltschaft will Ergebisse sehen, zumal es noch einen mehrere Jahre zurückliegenden Frauenmord gibt, der nie aufgeklärt werden konnte und niemand eine noch schlechtere Statistik gebrauchen kann.

Dieser Krimi hat mir ausnehmend gut gefallen, er ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Das gesamte Drumherum, die nordfriesische Geschichte z. B. ist gut recherchiert, die Nebenhandlungen ebenso. Leider kann ich hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich sonst zuviel von der Handlung verriete, aber auch der medizinische Teil ist interessant und sehr spannend!
Besonders gut gefallen hat mir die Hauptfigur Jan Swensen. Ein nordfriesischer Buddhist, der in Gedanken immer Ratschläge seines Meisters aus seinem buddhistischen Kloster orakelt bekommt. Erinnert ein wenig an „Qwai Chang Caine“, man erwartet immer so einen Satz wie :“Du musst noch viel lernen, Grashüpfer!“ Aber es passt zu ihm, zu seiner Figur, es wirkt niemals künstlich. Beste Krimiunterhaltung mit einem Hauch Thrill, von dem ich garantiert mehr lesen werde!

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar 🙂

Masserberg von Else Buschheuer

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„Eine Mischung aus ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ und ‚Love Story‘.“ STERN Mel ist eine unbotmäßige 17-jährige: halb Punk, halb Verführerin. Dass sie sehr krank ist und vielleicht blind wird, macht sie nur noch trotziger, noch hungriger aufs Leben. In einer Augenheilstätte im thüringischen Masserberg, wo sie zahllosen Torturen ausgesetzt ist, begegnet sie einem kubanischen Arzt und verliebt sich in ihn. Sie sind ein ungleiches Paar: Lolita und IM Skalpell. Und sie sind in Gefahr. „Zum Heulen schön, zum Lachen traurig.“ Matthias Altenburg „Ein ernsthaftes, zärtliches Buch in kaltschnäuziger Verpackung.“
Mel ist eine Rebellin. Sie ist komplett unangepasst, sowohl äusserlich als auch politisch. Sie ist rotzig, frech, kaltschnäuzig und egoistisch. Freunde sind für sie Menschen, die ihren Interessen dienlich sind, als da wären: Waschlappen, Westzigarretten und coole Klamotten. Denkt man. Aber so ist es nicht wirklich. Warum sonst sollten ihre Freunde sie sonst so abgöttisch lieben? Und das tun sie. Unter der rotzfrechen Schale steckt eine sensible, künstlerisch begabte Person, die wortwörtlich eine Todesangst hat und ganz einfach nur Leben will. Und zum Leben gehört die Liebe. Ausgerechnet „der Neue“, ein Kubaner, der nach dem Studium in der DDR hängengeblieben ist, hat es ihr angetan, obwohl sie ihn zurst mal nicht ausstehen kann. Und er hat ein dunkles Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt und das ihn in die Fänge der Stasi getrieben hat. Er weiß genau, diese Liebe zu seiner auffälligen, minderjährigen Patientin ist brandgefährlich. Und trotzdem kann er sich Mels Zauber nicht entziehen…
Dieses Buch ist wirklich schön. Es ist tragisch und lustig, die Sprache ist direkt und trotzdem poetisch. Ich denke, jeder, der in (oder auch nur mit) der DDR aufgewachsen ist, kann sich gut da hineinversetzen. Für die, die nach 1989 geboren wurden, gibt es einen guten Einblick, wie es damals war.

Eat Pray Love von Elizabeth Gilbert

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Essen. Beten. Lieben. Das ist es, was glücklich macht. Aber die einfachen Dinge sind die schwersten. Das weiß auch Elizabeth. Mit Anfang dreißig beschließt sie, nochmal ganz von vorne anzufangen. Sie lässt ihre Ehe, ihre Affäre, ihren Job in New York hinter sich und packt die Koffer für eine Reise, die die Reise ihres Lebens wird: Vier Monate Dolce Vita in Italien, vier Monate Meditation und Yoga in Indien – und vier Monate Bali, das eine berauschende Begegnung für sie bereithält …

Ich habe zuerst den Film gesehen, bevor ich das Buch las. Ich mag Julia Roberts, der Film hat wundervolle Bilder, tolle Musik und er ist ganz einfach entspanntes Kino. Das Buch ist anders und es polarisiert offenbar sehr stark. Viele, denen ich sagte, daß ich es lesen will, sagten mir, sie fanden es furchtbar, oberflächlich, belehrend, nervig, einfach blöde. Ich nicht. Ich glaube, dies wird ein Buch werden, das mich über viele Jahre begleiten wird und als geliebtes, zerfleddertes Taschenbuch enden.
Vielleicht fange ich damit an, was es NICHT ist: Es ist kein Lebensberatungsbuch, kein „Ratgeber“ Elizabeth Gilbert sagt zu keiner Zeit:“Wenn du unglücklich bist, geh nach Italien, in einen Ashram oder nach Bali, dann wirst du geheilt sein!“ Dies war lediglich IHR persönlicher Weg, aus einer Depression herauszukommen.
Auch ist das Buch NICHT religiös, selbst wenn der Glaube eine sehr große Rolle spielt und auch die Suche nach Gott. Die Autorin erklärt gleich zu Beginn ihren Gottesbegriff und ich bin sehr froh darüber, denn damit konnte ich mich absolut identifizieren. Hätte sie sich auf den christlichen Gott reduziert, hätte ich das Buch mit Sicherheit nicht weitergelesen. Man könnte es bezeichnen als die Suche nach innerem Frieden, Aussöhnung mit sich selbst und natürlich ist das ein „religiöses“ Thema.
Der Stil ist leicht, amüsant, amerikanisch, manchmal sehr witzig. Alle Figuren sind lebendig und liebenswert geschildert (am besten gefiel mir „Richrd aus Texas“ 🙂 ) und mir gefällt die Offenheit, mit der über alles geschrieben wird: Gefühle, Rückschläge, Sex, Ängste. Der Mittelteil, der vom Leben im indischen Ashram berichtet, ist zwar stellenweise sehr theoretisch, kommt mir aber dennoch sehr wichtig vor, weil er das Verständnis vertieft – und mir persönlich zu der Erkenntnis verhalf, mich nie in einen solchen zu begeben. Denn morgens um 4h aufzustehen um zu meditieren und täglich 5 Stunden Böden zu schrubben, sind definitiv nichts für mich!
Am meisten beeindruckt hat mich Gilberts Auseinandersetzung mit Antidepressiva. Es ist keine große Passage, aber sie schrieb fast wörtlich das Gleiche wie ich darüber…
Mein Fazit: Wenn man nicht versucht, dieses Buch als der „Weisheit letzter Schluß“ zu betrachten, nicht sagt, mein Gott, es gibt ja wohl schlimmere Probleme auf der Welt, wenn man sich darauf einlassen kann und es einfach als einen Reisebericht ins Innere liest, dann ist es wunderbar! 🙂 🙂 🙂 🙂

Schweigt still die Nacht von Brenna Yovanoff

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Mackie Doyle lebt in Gentry, einer Kleinstadt in der amerikanischen Provinz. Doch die Welt, aus der er stammt, birgt Tunnel bis tief unter die Erde und bodenlose schwarze Tümpel, sie beherbergt wandelnde Tote und eine Herrscherin, so grausam wie die Nacht. Vor vielen Jahren wurde Mackie ausgetauscht – anstelle eines menschlichen Babys in dessen Wiege zurückgelassen. Er würde alles dafür tun, ein normales Leben zu führen, unbemerkt von neugierigen Augen, doch die andere Seite der Nacht ruft ihn: Als wieder ein Kind verschwindet, die Schwester seiner großen Liebe Tate, weiß Mackie, dass er sich den dunklen Kreaturen tief unter der Stadt stellen und endlich seinen Platz finden muss – in unserer Welt oder ihrer.

Die Inhaltsangabe klang sehr vielversprechend und vom Cover war ich sehr begeistert. Es erinnert sehr an „Rosemarys Baby“ von Ira Levin.
Die Geschichte greift den alten Mythos des Wechselbalgs auf. Mackie Doyle lebt in der Stadt Gentry, in der in regelmässigen Abständen Kinder verschwinden. Alle wissen darüber Bescheid aber niemand spricht darüber. Auch Mackie will sich eigentlich raushalten, er hat seine eigenen Probleme, bis die kleine Schwester des Mädchens verschwindet, an dem er ziemlich interessiert ist.
An sich ist alles da für eine tolle, spannende Geschichte: Eine Stadt mit einem dunklen Geheimnis, eine schwierige Aufgabe, die der Held lösen muß, um das Mädchen zu kriegen, Freundschaft, erste Liebe.
Leider hat die Autorin es nicht verstanden, ihre Ideen spannend umzusetzen. Ich habe mehr als einmal darüber nachgedacht, das Buch vorzeitig abzubrechen, es versickert leider in endloser Langeweile. Nicht mal am Ende gibt es einen erlösenden „Showdown“, obwohl alle Möglichkeiten dafür da gewesen wären.
Konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen und den einen Stern, den ich leider nur vergeben kann, bekommt das Cover. 😦