Monatsrückblick August

Gelesen:

Das Wesen der Dinge und der Liebe

Gehört:

Einen interessanten Podcast über Japan. Was ich sonst noch hörte, waren geflüsterte Privatheiten…

Gesehen:

Pixels (HAHAHA, sehr genial!)

Gedacht:

Der Arsch hat mir tatsächlich das Portemonnaie geklaut!!! Und es ist niemand mehr da, der mir meinen Geburtstag vermiest….

Gesagt:

Danke, ihr seid echt die Besten!

Gefreut:

Über ausgesprochen netten Besuch, einen tollen 50. Geburtstag und wirklich tolle Freunde

Geärgert:

Ja verdammt! In dem Portemonnaie war die Kohle für 2 Wochen Leben. Dankesehr nochmal, du Arsch!

Gelacht:

Ja, sehr viel

Geweint:

Nein, keinen einzigen Tag

Getrunken:

Selfmade Eistee^^

Gegessen:

Matcha-Käsekuchen, Mohrenkopftorte, Sushi! (Nicht gleichzeitig, grinz)

Gekauft:

Bahntickets nach Köln

Gefunden:

Den Punkt, an dem meine Wirbelsäule laut (SEHR laut!) kracht und man sich dann wieder bewegen kann

Gemacht:

Göttingens Cafés erkundet, gute Gespräche gehabt, zu viel geschlafen, mich auf meine Lesung in Köln vorbereitet, superschön Geburtstag gefeiert!

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Seit heute ein halbes Jahrhundert

Bei manchen fängt die Krise ja schon mit 30 an und sie zählen die nächsten zehn Jahre einfach nicht weiter, bei anderen erst mit 40. Das war mir bisher immer fremd, sind doch nur Zahlen. Meine Zahl lautet ab heute: fünfzig (50!). Ein halbes Jahrhundert. Das…. nochmal: JAHRHUNDERT geteilt durch zwei! Ich. Bin. Fünfzig. Hab ich jetzt ne Krise? Nein, kann ich nicht behaupten, ich fühle mich nicht wesentlich anders als gestern, als noch eine Vier vor der Gesamtzahl stand.

Trotzdem ist so ein halbes Jahrhundert schon eine Hausnummer. Als ich 37 wurde, sagte ein lieber Freund zu mir, jetzt müsste ich aber langsam mal anfangen mit „seriös werden“. Mit einem Augenzwinkern, denn mir war schon klar, „seriös“ werde ich in meinem Leben wohl niemals mehr werden. Und es stimmt, auch mit fünfzig bin ich das nicht. In fünfzig Jahren passiert eine ganze Menge Leben. Da ist man erstmal damit beschäftigt, groß zu werden. Nicht „erwachsen“, das dauert länger, manche schaffen das auch nie. Zum Glück, möchte man beinahe sagen.

Ich habe geliebt und ich wurde geliebt. Ich habe gehasst und wurde gehasst. Ich wurde auf Rosen gebettet und hatte Rosenkriege. All die großen und kleinen Dramen und davon reichlich. Spuren in meinem Gesicht? Einige wenige, könnte schlimmer sein. Unsichtbare Spuren in der Seele? Viele und sie dürften gerne weniger schlimm sein. Aber all das macht mich aus. All das bin ich, wie ich heute bin, mit meinem halben Jahrhundert – und ich bin noch da!

Wie fantastisch ist das doch, heutzutage fünfzig zu sein! Zu Zeiten meiner Oma war man als Frau doch so gut wie lebendig begraben: die blau- oder violett getönte Einheitsdauerwelle und die Einheitsuniform in grau, dunkelblau und beige, einfach gru-se-lig! So Ende der Siebziger gab es in unserer Siedlung zwei Frauen, die sich diesem Diktat widersetzten. Fragt lieber nicht, wie über die hergezogen wurde! Heutzutage ist das völlig normal, Frauen mit Fünfzig tragen Jeans, nerdige T-Shirts, bunte Klamotten, bunte Haare, laufen ohne Unterrock rum (Skandal!), reden über Sex und HABEN ganz einfach welchen!

Es gibt den schönen Spruch auf Erden: Du musst bedeutend ruhiger werden! Muss ich das? Nein! Vielleicht sollte man diese Ruhe aber nur differenzieren: Es hat schon seine Vorteile, sich über bestimmte Dinge nicht mehr so aufzuregen, weil man wegen seines inzwischen „weisen“ Alters einfach weiß, es lohnt nicht. Über andere Dinge sollte man sich indes IMMER aufregen, ruhiger werden heisst nicht, apathisch zu sein. Ich glaube, das verwechseln sehr viele Menschen (vor allem in Pflegeheimen!). Ob man abstumpft oder nicht, liegt in erster Linie an einem selbst, denke ich. Bis jetzt hat mich „das Leben“ nicht klein gekriegt, die Schmetterlinge im Bauch flattern noch genau so wie sie es in meinem fünfzehnjährigen Bauch taten. Ich liebe laute Musik, ich liebe SiFi-Filme, Sherlock und Dr Who, ich mag das klassische und das schrille Japan, ich mag stille Nachmittage, an denen ich schreiben kann. Ich lerne eine mir völlig unbekannte Sprache, ich singe, ich liebe und werde geliebt.

Ich bin fünfzig!alt2

Einige Gedanken über Deutschland, hier und heute

Wenn man meine Facebook-Chronik so durchguckt, könnte man denken, ich wäre ein oberflächlicher Mensch. Da gibt es viele Bilder, die sich ums Essen drehen oder um Japan. Wunderhübsche Landschaften oder niedliche Maikos. Witzige, manchmal auch böse Cartoons und Katzenvideos. Ab und zu auch mal ein Post gegen Rechts dazwischen.

Das bedeutet allerdings nicht, daß ich mit Scheuklappen durch die Welt des Internets laufe und nur die hübschen Dinge sehe. Es bedeutet vielmehr, daß es mich sprachlos macht, was hier derzeit in Deutschland so abgeht. Sprachlos und auch in gewisser Weise hilflos und wütend.

Ich wurde zu einer Zeit geboren, als das sog. „Wirtschaftswunder“ gerade so in den letzten Zügen lag. Also, es gab einen gewissen Wohlstand, es gab Arbeit, Essen, Bildung, und es gab keinen Krieg. Ich habe nie einen erlebt und ich lege jetzt, wo es langsam Richtung „Alter“ geht, auch keinen Wert darauf! Allerdings sieht es nicht so aus, als würde sich diese Hoffnung erfüllen, im Gegenteil, wenn das so weitergeht, werde ich wohl noch in den Genuß kommen, stockschwingend am Rollator stehend, irgendwelchen braunen Pöbel aus meinem Garten zu jagen. Was ich damit sagen will: Ich habe das Dritte Reich nicht erlebt, ich wurde gut 25 Jahre nach dessen Ende geboren. Das heisst, ich kenne es nur aus dem Geschichtsunterricht und das hat völlig ausgereicht, mir, meiner Generation, diesen Horror vor Augen zu führen und uns klar zu machen, sowas darf es nie wieder geben! Und jetzt rennen ganze Horden durch die Städte und brüllen so einen Mist wie „Deutschland den Deutschen“?! Vor allem, die sind in MEINEM Alter oder jünger. Haben die alle einen Opa oder Uropa, der ihnen als Gute-Nacht-Geschichte erzählt hat, wie toll es war, in Stalingrad zerfetzt zu werden oder in Berlin in Stücke gebombt?! Alles für Führer und Vaterland – der sich im übrigen ja die Birne weggeballert hat. Also, der Herr Führer. Aus welchen Löchern kommen die gekrochen und wer erzieht solche Menschen? Die Frage muß schon erlaubt sein, solches Gedankengut fällt ja nicht einfach so vom Himmel.

Liegt es daran, daß unsere Regierung seit Jahrzehnten auf dem rechten Auge völlig blind ist und die alle schön gewähren lässt? Mit welcher Begründung denn? Man hört ja immer wieder, man könne die NPD (und Konsorten) nunmal nicht verbieten wegen der Freiheitsrechte und dem Recht auf freie Meinungsäußerung und so weiter. Spätestens seit der Landesverrats-Affäre um Netzpolitik.org ist ja letzteres eher zur Farce degradiert worden. Zum Glück war da die „Netzgemeinde“ auf Zack und hat schlimmeres verhindert, aber vielleicht wacht die Politik langsam mal auf, ja?!

Die „besorgten Bürger“ (was für eine abwiegelnde Bezeichnung für diese…. ich würde jetzt sehr unhöflich werden!), das sind WIR, liebe Bundesregierung! Ja, ich zum Beispiel. Ich bin besorgt darüber, daß unser Land widerstandslos von dieser braunen Horde überrannt wird, daß wir in Zustände von vor 1935 getrieben werden, daß Menschen auf unseren Strassen angegriffen, verprügelt und womöglich umgebracht werden, daß Häuser brennen, die eine Zuflucht sein sollen. DARÜBER bin ich besorgt und zwar sehr! Es wird ganz dringend Zeit, daß die Bundesregierung und unsere Kanzlerin mal das rechte Auge öffnen und klare Stellung beziehen. Es reicht einfach! Ich will nicht in einem Land leben, in dem das Wort Demokratie nur ein Aushängeschild ist, damit möglichst viele Firmen sich hier ansiedeln und Geld in ein Land schaufeln, das langsam in braunem Schlamm erstickt!

Vor ca. zwei Wochen schrieb ich hier meine „Nachtgedanken“. Dort beschrieb ich einen Moment tiefsten, inneren Friedens mit mir und meinem Umfeld. So wie es jetzt aussieht, müsste ich mich dafür beinahe schämen, für meine Naivität. Allerdings tue ich das nicht. Ich werde ihn als Kostbarkeit hüten. Wer weiß, wie viele solcher Augenblicke es in Zukunft noch geben wird!

Nachtgedanken

Den ganzen Tag über war es brütend heiß. Ich bin immer wieder eingeschlafen, für Stunden. Die Hitze macht mich fertig, ich liege völlig komatös wie ein Tier da, das den Tag verschläft, kaum fähig, die Augen zu öffnen.
Jetzt ist es tiefste Nacht. Ich habe jedes Fenster in der Wohnung geöffnet und atme, spüre, die Kühle auf der Haut. Ich bin hellwach. Auch einige andere sind wach, ich kann sie fühlen, da draussen. Es bewegt sich nichts, kein Vogel schlägt, kein Blatt raschelt, eine Welt wie aus Glas. Ich stelle mich ans Fenster und sehe hinaus wie in eine Schneekugel ohne Schnee. Das ganze Dorf duftet nach Stall und schlafenden Tieren und ich bin wach und allein. Nicht einsam, nur allein und verträumt, Eins mit mir und der Welt der stillen Nacht da draussen.
Das erste Mal seit Wochen wird mir richtig bewußt, ich bin allein hier. Das Radio spielt leise was jazziges, sowas cooles mit Klarinette. Ich liege quer auf dem Bett und lasse das alles wirken. In mir breitet sich ein großes Wohlbehagen aus, ich nehme meinen Raum ein, ungestört und ungehemmt durch jegliche Fremdkörper. Nichts ist hier, was mich stresst, ich erlebe den Luxus, vollkommen in Frieden mit mir zu sein. Im Nebenzimmer rascheln meine Tiere munter im Heu, die werden jetzt auch langsam wach. Vertraute Geräusche, vertraute Gegenstände, ganz einfach Ich. Meine Gedanken gehen auf Wanderschaft, schweifen hin und her. Das letzte Jahr ist weg, einfach aus mir herausgelaufen. Die Trauer ist weg und die Wut auch. Und ich war sehr wütend. Vielleicht klopft sie nochmal an, sie war schon sehr groß. Aber jetzt gerade ist sie weg und das ist angenehm. Ich fühle mich friedlich und geborgen in meinem kleinen Nest aus Kissen, Briefen, Büchern und leiser Musik, das Weltgeschehen bleibt momentan auch draussen, das steht ja morgen wieder in diesem Internet… Meine Welt ist heute Nacht entspannt, friedlich und ich bin glücklich. Alles ist gut, so, wie es ist. Und jetzt stehe ich auf und mach Yoga. Um 5 Uhr früh. Weil ich es kann!

ryu

Liebe Machen

So lange träumte ich nur
von deinen zartkräftigen
Händen,
von deinen Armen,
die mich halten, fest,
und mich an dich ziehen
so nah,
daß wir beide nur einen
Raum einnehmen.

Und nun bist du da
und ziehst mich
an dich
als ginge ich
durch dich
hindurch!
Du lässt dich nicht küssen,
du küsst, als wäre es
ein Spiel,
lockst mich und fängst mich,
reizt mich und lockst mich wieder
zu dir.

Durch eine Endlosigkeit
an Kälte und Eis
berührt mich deine Hand
und setzt mich
in Brand,
augenblicklich!
Als wäre die Zeit
ebenso erfroren
und nicht vergangen.
Ich bin wieder Dein,
hinreissend gefangen.

So liegen wir nun
Haut auf Haut,
das Tier mit den zwei Rücken,
ich seh dich dabei an,
dein Profil,
zart und fragil unter meinen Fingern,
dein Ausdruck:
gänzlich im entrückten
Sein.

Und mit jedem Stoß
jagst du mir
das Leben ein.