Flammenteufel von Bernward Schneider

(c) Gmeiner Verlag
Berlin im Oktober 1933. Anwalt Eugen Goltz erhält einen Telefonanruf. Eilig sucht er seine Mandantin, die Tänzerin Alice Resow, in einem Hotel in der Lietzenburger Straße auf. Er findet sie tot vor. Im nächsten Moment stürmt die Gestapo in das Hotel, hat aber zu Goltz’ Überraschung nur Interesse daran, Alice’ Tod wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Eugen Goltz beschließt, die Hintergründe des mysteriösen Falls aufzuklären. Eine heiße Spur führt ihn zurück in die Nacht des Reichstagsbrands vom 27. Februar 1933.

Wäre nicht die Gestapo in das Hotelzimmer geplatzt und wäre Eugen Goltz nicht anschliessend vor eine Gruppe hochrangiger SS-Funktionäre zitiert worden, die ihm eindringlich klargemacht haben, der Tod der Tänzerin Resow war ein Selbstmord, dann hätte er vermutlich keinen Verdacht geschöpft. Dann wäre es eben ein weiterer unaufgeklärter Mord gewesen, denn die Todesumstände von Alice Resow waren zumindest… bizarr. So aber ist Eugen Goltz davon überzeugt, daß es Mord war und beginnt mit vorsichtigen Nachforschungen. Damit legt er sich in einer gefährlichen Zeit mit sehr gefährlichen Menschen an.

Dieser Krimi zieht den Leser in einen Bann, in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele, Mystizismus, Manipulation und Abhängigkeiten. Seine Spannung bezieht er nicht primär aus dem Kriminalfall sondern aus der Tatsache, daß der Protagonist als Regimegegner in einer lebensgefährlichen Zeit agiert und versucht, seiner toten Mandantin Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, dabei zu überleben und sich selbst treu zu bleiben. Ebenso besticht der Roman mit überraschenden Spannungsmomenten und Wendungen.
Als etwas langatmig empfand ich die Passage, die sich mit den Gutachten über den Reichstagsbrand befasst. Inhaltlich zwar sehr wichtig, aber für einen Laien leider unverständlich. Das tut dem Buch an sich aber gar keinen Abbruch, ich finde „Flammenteufel“ sehr empfehlenswert! 🙂 🙂 🙂

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Philosophenpunsch von Hermann Bauer

(c) Gmeiner Verlag
SCHöNE BESCHERUNG Weihnachtszeit in Wien. Im Café Heller finden zeitgleich die Weihnachtsfeier der Bekleidungsfirma Frick und die Debatte eines Philosophenzirkels statt. Die ganze Aufmerksamkeit gilt der offenherzigen Veronika Plank, die mit mehreren Männern auf die eine oder andere Weise verbandelt zu sein scheint. Nach einigen Gläsern Punsch kommt es zum Streit und Veronika verlässt das Kaffeehaus. Kurz darauf wird ihre Leiche im frischen Schnee entdeckt, offenbar wurde sie mit einem Schal erwürgt. Ganz klar, dass dieser delikate Fall auch Chefober Leopold nicht kalt lässt …

Ein Ex-Mathelehrer, ein Muttersöhnchen, eine arrogante Esoterikerin, ein Deutschlehrer mit Hang zu jungen Damen, ein Ex-Häftling, eine halboffizielle Umweltaktivistin. Dieser illustre Kreis bildet den sog. Philosophenzirkel, der sich wöchentlich im Kaffeehaus Heller trifft um tiefschürfende Erkentnisse zu teilen. All das unter den Argusaugen von Ober Leopold, der aus mehreren Gründen schlechte Laune hat. Erstens fällt das Trinkgeld am Philosophentisch immer mager aus, zweitens ist in einigen Tagen Weihnachten. Und anstatt es sich mit seinem Freund, dem Deutschlehrer Thomas, gemütlich machen zu können, hat sich bei dem eine abgebrannte Ex-Schülerin eingenistet und bei Leopold selbst hat sich seine Tante quasi selbst eingeladen.
Als dann nach einem Streit die Umweltaktivistin Veronika ermordet aufgefunden wird, gibt es für Leopold kein halten mehr. Jeder ist verdächtig, jeder hatte irgendein Motiv. War es eine Tat aus Eifersucht, unerwiderter Liebe? Oder ging es um Rache oder Geld? Leopold stürzt sich in die Ermittlung, die ihm viel wichtiger erscheint, als das Weihnachtsfest mit seiner Tante…

Ein sehr netter Kriminalroman, spannend, mit Blick für Details, liebenswerten und auch tiefgründigen Charakteren. Die kleinen menschlichen Schwächen werden ebenso aufgezeigt wie die großen, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Als ausgewiesene Krimi-Vielleserin denke ich mir, der Autor könnte ein Fan von Martha Grimes sein 😉 Ein empfehlenswertes Buch!

Mit herzlichem Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar 🙂

Feierabend von Uta-Maria Heim (abgebrochen)

(c) Gmeiner Verlag
Zusammen mit ihrer Tochter Susanne lebt Helene in einer Kleinstadt am Rand des Schwarzwalds. Die Wochenenden verbringt sie mit Marius, der am anderen Ende wohnt. Alles scheint geregelt und eingespielt. Bis bei ihr eingebrochen wird. Der Dieb stiehlt nur ein Parfüm. Aber auch Jakob Silberzahn, der jüdische Psychoanalytiker, der deportiert wurde und als Geist im Arbeitszimmer haust, ist verschwunden. Dafür taucht wenig später eine dubiose Putzfrau auf, Marius entzieht sich und Susanne führt ein Doppelleben. Unaufhaltsam schlittert Helene in eine Lebenskrise. Sie beginnt sich mit der verdrängten Vergangenheit zu beschäftigen. Zu der auch Brunhilde gehört – die behinderte Zwillingsschwester ihrer Mutter, die vor 70 Jahren in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck umgekommen sein soll.

Zu diesem Buch habe ich leider von Anfang an keinen Zugang bekommen, was schade ist, denn das Thema klingt zumindest interessant. Schwierig, ja, aber interessant. Leider ist es geradezu uferlos langweilig und langatmig. Mehrere Personen erzählen aus der Ich-Perspektive, aber sie werden weder optisch noch stilistisch getrennt, so daß man erst nach einiger Zeit überhaupt merkt, daß jetzt jemand anderes erzählt. Unterbrochen wird das Ganze mit Rückblenden in die Zeit des 2. Weltkriegs, die mit dem, was die Ich-Erzähler von sich geben, nicht das geringste zu tun zu haben scheinen.

Bis zur Mitte des Buches passiert absolut gar nichts, ausser dieser endlos langatmigen Schwadronierei, bei der kaum ein Unterschied zu erkennen ist, ob die Mutter (Helene) oder die Tochter (Susanne) oder eine Obdachlose erzählt – und bis zum Schluß (ich habe zumindest noch quergeblättert) ändert sich das auch nicht. 😦 😦 😦
Warum dieses Buch als „Kriminalroman“ deklariert wird, ist mir ein absolutes Rätsel.

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar 🙂