(c) Amazon

Emma von Odenwald, 31-jährige Köchin aus Hannover und immer noch Single, fühlt sich gegenüber ihren erfolgreichen, glücklich verheirateten Eltern als Versagerin. Auch äußerlich hat sie mit ihnen keinerlei ähnlichkeit. „Manchmal denke ich, dass ich ihnen ins Nest gelegt worden bin!“
Wie Recht Emma mit ihrer Vermutung hat, bringt kurze Zeit später ein Gentest zu Tage. Als sie ihre Eltern damit konfrontiert, nennen diese ihr widerstrebend eine Adresse in Ostfriesland und gestehen, dass es keine legale Adoption war. Emma macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunft und stößt dabei auf ein Meer aus Lügen und Verstrickungen …
Dieses Buch ist weniger ein Krimi als eher eine Gesellschaftsstudie. Emma ist das Kind priviligierter Eltern, fühlt sich da aber irgendwie „unpassend“. Aus einer Laune heraus macht sie einen Gentest und erfährt, ihr Gefühl hat sie nicht getrogen, sie „passt“ tatsächlich nicht. Natürlich fühlt sie sich von ihren „Eltern“ verraten, die ihr 31 Jahre lang ihre, nicht legale, Adoption verschwiegen haben und macht sich auf die Suche nach ihrer richtigen Mutter. Sie landet in Ostfriesland, im sogenannten Janssenhaus und tritt damit eine Lawine von ungeahnten Ausmassen los. Als Leser erfahren wir mehr als Emma. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen der Sicht der Personen, die damals in die Angelegenheit involviert waren. Fast ist man froh darüber, daß Emma diese Details erspart bleiben, denn das Psychogramm, das da gezeichnet wird, ist düster und deprimierend. Emma hat nur den Namen Greta, die früher Putzfrau bei ihren Eltern war, und nun beim Vogel-Janssen in dessen Haus lebt. Einen Tag nach der ersten, vorsichtigen Kontaktaufnahme, sind die beiden alten Leute tot und Emma glaubt, ihre eben erst gefundene Mutter schon wieder verloren zu haben, ohne ihr gesagt zu haben, wer sie ist. Immerhin erfährt sie, daß Greta noch eine Tochter hatte und sie, Emma, damit wohl eine Schwester. Aber wo ist die und warum taucht sie nicht auf, jetzt, wo ihre Mutter tot ist? Und wer will, daß Emma aus Ostfriesland verschwindet? Obwohl es kein Kriminalroman im klassischen Sinn ist, ist das Buch äußerst spannend. Die Verstrickungen der einzelnen Personen, die Psychogramme und die sehr überraschende Auflösung lassen den Leser aber auch mit existenziellen Fragen zurück, die eigentlich nur jeder für sich selbst beantworten kann.

Herzlichen Dank an den Gmeiner-Verlag für dieses Rezensionsexemplar

Advertisements