Ein neues Haus zu Weihnachten

Weihnachten ist für mich traditionell der Startschuß für die „Einigel- und Kuschelsaison“. Wenn ich mich auch nicht zu den Super-Hausfrauen zähle(n will), zum Jahresende ist die Bude aufgeräumt und blitzt, weil ich dann einfach die Füße hochlegen will und weder staubsaugen noch Wäsche waschen. Weihnachtslieder rauf und runter, Punsch, gutes Essen, Zeit zum Lesen. Ich erinnere mich, einmal beschwerte sich Oma furchtbar: „Kind, du hast gar kein Weihnachtslied gespielt!“ Ähm… jein. Ich spielte keine deutschen Weihnachtslieder, diese düsterschweren, besinnlichkeitsgeschwängerten Lieder wie „Stille Nacht“ und die entsprungene Ros` machen mich depressiv. Jedenfalls auf Dauer. Ich steh einfach auf amerikanisch verkitschte oder britische Weihnachten ¯\_(ツ)_/¯. Oder wenn schon deutsch, dann bitte das Weihnachtsoratorium von Bach, Hallelujaaaa^^ Aber das hört man ja nicht so nebenbei.
Die letzten beiden Weihnachten waren schwierig für mich. Der Tod meines Partners hinterließ einen Bombenkrater in mir. Im ersten Jahr „flüchtete“ ich zum Besten Freund von Allen, weil ich dort auch verheult rumsitzen darf und nicht auf Knopfdruck besinnlich sein muß und niemand „Kommst du jetzt mal? Wir wollen singen!“ aus dem Wohnzimmer ruft. Im letzten Jahr habe ich mich mit so viel Arbeit zugeschüttet (ihr erinnert euch sicher an die Theaterpremiere im Dezember), hatte an zwei Tagen Besuch und Berge von Abwasch, daß ich zum Jahresende nur noch schlafen wollte. Dieses Jahr wollte ich mal wieder Zeit für mich alleine, auch Erinnerungen zulassen, die mir sonst viel zu weh taten. Da das Tochterkind samt Freund auch einiges um die Ohren hatten, waren die auch froh, mal einen Tag für sich zu haben. Heiligabend gibt es traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat, Bescherung, wir trinken Tee und quatschen. Dieses Jahr kamen beide mit dem Auto und ich sah schon vom Küchenfenster, daß sie etwas riesiges und leidlich schweres da rauswuchteten. Was ist das, ein Schrank??? Ein Bücherregal? Ein – MEERSCHWEINGEHEGE!!! Ich meine, die Flauschbälle bekommen immer was zu Weihnachten, ein neues Häuschen oder besondere Leckerlies, aber…!
Das Gehege was sie hatten, ist schon fast 10 Jahre alt und sehr schwierig zu putzen. Jedenfalls für mich. Außerdem war die Plastikwanne gerissen, weil sich da mal jemand aufgestützt hatte und der Riß halt immer größer wurde. Alles halt nicht mehr so schön. Und jetzt? Seht selbst. Ich hab wirklich geheult von Freude, ich hatte überhaupt keine Ahnung! Und jetzt weiß ich auch, warum das Tochterkind an ihrem freien Tag nie Zeit für den Weihnachtsmarkt hatte 😉

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Ca. 2,5 qm insgesamt für zwei Schweinchen
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Die beiden Schnuffis sind ins Glas graviert, damit kann ich den Eingang vergrößern oder kleiner machen

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Watson spielt Brückentroll. Die Heubrücke von (c) Resch ist wirklich schön!
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Alles wird genau angeguckt 🙂
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Oh, Essen!!!

Genau, Essen! Ein wichtiges Thema an Weihnachten! Und danach mit dem Buch vom Besten Freund von Allen auf´s Sofa kuscheln.

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Wonach der November riecht

Bei der Frage, wie oder wonach etwas riecht, kann die Antwort ja, wie bei den meisten Dingen, in zwei Richtungen gehen. Beim Thema riechen in Duft und Gestank.

Ich erinnere mich gut, daß der November meiner Kindheit extrem nach Abgasen stank. Der November war nicht nur grau von Nebel und Regen sondern auch von Smog. Es stank nach Dieselmotoren und wir husteten. Es war das Berlin der 70er und da gab es noch keine Feinstaubfilter.

Heute riecht mein November nach den letzten Laubfeuern, nach feuchten Blättern auf dem Bügersteig und nach Regen, manchmal auch nach nassem Pferd. Es riecht nach Kerzen und nach den ersten Plätzchen…. Nein, danach duftet es!

Der November riecht nach Sehnsucht, wenn ich an meinem Küchenfenster stehe und durch die Winterbäume die Autos auf der Straße nach Norden sehe, der Straße, auf der Du kämst, wenn Du noch könntest. Und schnell wende ich den Blick vom Fenster nach Norden, den Hauch des Sehnsuchtduftes in der Nase.

Der November riecht nach Weihnachtsmärkten, Bratäpfeln und Zimtmandeln, nach Bratwürstchen und nach Schnee. Und es mischt sich ein Gestank darunter. Ein anderer als in meiner Kindheit, es ist der Geruch nach Mißtrauen, Neid und Angst. Und dieser Geruch macht mich wütend. Es macht mich wütend, daß ich mich durch Absperrungen auf den Weihnachtsmarkt schlängeln muß, an schwerbewaffneten Polizisten vorbei, deren Maschinengewehre nach Waffenöl stinken. Es macht mich wütend, wenn ich Leute reden höre, daß das alles „wegen dieser Flüchtlinge“ nötig wäre und früher war das… Ich möchte denen ins Gesicht schreien, daß das eben nicht an den Flüchtlingen liegt sondern an einer giftigen, überängstlichen Minderheit, die es geschafft hat, einen ganzen Staatsapparat mit ihrer Hysterie anzustecken. Diese waffenstarrende Präsenz macht nicht, daß ich mich „sicherer“ fühle sondern nur sehr, sehr unwohl. Und vielleicht suche ich mir nur noch die winzigkleinen Märkte mit den handgestrickten Strümpfen und den selbstgekochten Marmeladen, die versteckt in den Kirchhöfen der Dörfer liegen und wo es nicht so durchdringend nach Angst mieft…

Der November duftet nach Kakao mit Baileys und nach den ersten Spekulatius, nach Acrylfarben und Pattex, nach Weihnachtstee und Orangen. Und dieses Jahr duftet er auch nach dem frisch bedruckten Papier vom Bärlender und das ist ganz wunderbar!  Das glättet die Wogen dann wieder.