In dubio contra reo

Habt ihr eigentlich auch manchmal das Gefühl, als Kunde weniger König als vielmehr Krimineller zu sein? Also, mich beschleicht dieses Gefühl des öfteren in letzter Zeit. Sei es im Supermarkt oder bei Computern.

Beispiel Eins:

Ich war im Baumarkt, weil ich so dieses und jenes brauchte. Da ich kein Auto habe, kann ich diese Sachen nicht darin lassen und da der Supermarkt gleich nebendran ist, nahm ich den Baumarktkram mit rein. An der Kasse passierte dann folgendes: die Kassiererin beugte sich über die Kasse, wühlte in meiner Tasche, holte den Baumarktkram raus und zog ihn über den Scanner! Der fiepte natürlich hysterisch, weil er den Code nicht lesen konnte und ich war so sprachlos, daß ich erst nach dem dritten Gegenstand anfing, zu meckern. Ich meine, daß die fragen, ob man seine Tasche mal anheben kann, falls was drunter liegt, ist in Ordnung und auch, einen genauen Blick zu riskieren (die Tasche stand deswegen schon gut sichtbar offen im Einkaufswagen und das Eigenlabel des Baumarktes war deutlich zu sehen), aber in meinen Sachen rumwühlen und sie rausnehmen?! Wohl kaum, schon gar nicht, ohne mich zu fragen!

Beispiel Zwei:

Mein CD-Player spinnt rum, er nimmt die Scheiben nur noch nach endlos gutem Zureden an, wenn überhaupt. Na fein, so alt ist das Ding noch nicht und „überstrapaziert“ wurde er auch nicht. Manchmal denke ich, die Dinger SOLLEN nach 2,5 Jahren kaputtgehen. Dasselbe gilt für Laufwerke in Computern. Da ich aber so ca. 450 CD´s besitze und meine Lieblingsmusik gerne hören möchte, habe ich mir einen MP3-Converter geladen, damit ich die Musik auf meine Festplatte speichern kann. Nach ungefähr dreieinhalb Scheiben kommt die Meldung „Das Programm funktioniert nicht mehr“. Ähm, wieso jetzt? Ich suche und finde einen Link, der mich auf die AGB-Seite von Windows befördert. Da steht dann was von „Rechte Dritter“ usw. BLABLABLA… Aha, Urheberrechte. Na und? Das ist MEIN Computer, MEINE Festplatte und MEINE CD´s, die ich sämtlichst mal gekauft habe.

Gut, Windows kann nicht wissen, daß ich kein böser Raubkopierer bin, der halb (oder ganz!) Niedersachsen mit einer Billigversion von Mozarts „Requiem“ überflutet und sie können auch nicht wissen, ob diese CD´s wirklich alle mir gehören, schon klar. Das ist aber gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, daß automatisch und völlig selbstverständlich davon ausgegangen wird, daß ich, König Kunde, was kriminelles mache. Wenn das so weitergeht mit dem Verfall der Unschuldsvermutung, werden wir vielleicht bald ein Führungszeugnis brauchen, wenn wir ein Küchenmesser kaufen wollen….

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Der verborgene Garten von Kate Morton

(c) Amazon Als die junge Australierin Cassandra von ihrer Großmutter ein kleines Cottage an der Küste Cornwalls erbt, ahnt sie nichts von dem unheilvollen Versprechen, das zwei Freundinnen ein Jahrhundert zuvor an jenem Ort einlösten. Auf den Spuren der Vergangenheit entdeckt Cassandra ein Geheimnis, das seinen Anfang in den Gärten von Blackhurst Manor nahm und seit Generationen das Schicksal ihrer Familie bestimmt.

Cassandras Großmutter Nell kam als Vierjährige mutterseelenallein auf einem Schiff in Australien an, nur mit einem Köfferchen, in dem sich neben einigen anderen Dingen ein Märchenbuch befand. Und ohne Erinnerung daran, wer sie ist. Es ist das Jahr 1913. Als niemand auftaucht, um das Kind abzuholen, nimmt der Hafenmeister es mit nach Hause und erzieht es wie sein eigenes Kind. Erst an ihrem 21. Geburtstag erfährt Nell, daß sie nicht die leibliche Tochter der Menschen ist, die sie so liebevoll aufgezogen haben. Für Nell bricht eine Welt zusammen und es beginnt eine Odyssee nach ihrer Identität. Eine Odyssee, die sie zu ihren Lebzeiten nicht beenden kann, da sich ihre Lebensumstände noch einmal dramatisch ändern. So ist es an Cassandra, das Geheimnis um die wahre Identität ihrer Großmutter zu lüften.

Das Buch ist wirklich wunderbar geschrieben, manchmal geradezu „märchenhaft“, dazu ist die Geschichte äußerst spannend, man muß UNBEDINGT wissen, wie es endet! Ausgesprochen gut gefallen hat mir ebenfalls der Bezug sowie die Verknüpfung mit Frances Hodgson Burnetts „Der geheime Garten“, ein Buch, welches ich ebenfalls sehr mag. Die Geschichte ist in verschiedene Zeitebenen aufgeteilt und wird aus der Sicht mehrerer Personen erzählt. Man muß sich durchaus konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren, dies macht das Lesen etwas anspruchsvoller und hebt sich wohltuend von seichter Unterhaltungsliteratur ab. 🙂 🙂 🙂