Gedanken aus der Quarantäne

Bisher habe ich mich ja ausgeschwiegen zum Thema Corona. Aus einer Menge Gründe. Ich wollte erstmal abwarten und gucken, was passiert. Womit ich ÜBERHAUPT nicht gerechnet habe, sind Hamsterkäufe jeglicher Art. Einfach weil wir immer noch in einem der reichsten Länder der Welt leben, in dem es alles gibt und wir eben NICHT alle sterben werden, wenn es den bevorzugten Joghurt mal einen Tag lang nicht gibt. Die Tünche „Zivilisation“ ist recht dünn, wenn Menschen anfangen, sich wegen Klopapier zu prügeln, oder? Ich habe keinerlei Verständnis für Leute, die mit 80 Kilo Mehl und drölfzig Packungen Hefe einen Laden verlassen. Denen wünsche ich einen fetten Befall mit Lebensmittelmotten – dann haben sie in ihrer Hamsterburg wenigstens Verwendung für die 150 Liter Desinfektionsmittel, die sie schlimmstenfalls einer Praxis oder Klinik geklaut haben! Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, ja, ich finde solches Verhalten asozial.

Ich lebe jetzt seit zehn Tagen in kompletter Selbstisolation. Als chronisch Kranke gehöre ich mehrfach in Risikogruppen. Und ich habe nicht EINE Flasche Handdesinfektion mehr erwischt (nur am Rande). Klar könnte ich raus für einen einsamen Gang durch den Park, aber ich mache selbst das nicht. Wenn ich nämlich falle, was leicht passieren kann, ist das nicht so einfach „aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“, es endet fast immer im Krankenhaus. Und das möchte ich gerade jetzt nicht, die sind da überlastet genug, da muß ich nicht auch noch andackeln, weil ich mit dem Hintern nicht zu Hause bleiben konnte. Klar, ich falle auch zu Hause, aber wesentlich seltener – und hier habe ich tatsächlich mehr Möglichkeiten, alleine wieder hoch zu kommen und die Verletzungsgefahr ist nicht so hoch. Also wäre das schon mal geklärt.

Tatsächlich bin ich wohl, trotz Temperament und durchaus kommunikationsfähig, eher introvertiert. Mir fehlt nämlich gar nichts. Über Twitter (ja, meinetwegen auch Facebook) sehe ich euch alle. Ich sehe, daß ihr noch da seid, ich erfahre, was ihr macht – und ihr seht, was ich mache. Wir können jederzeit miteinander reden, quer über die ganze Welt von Lummerland bis Japan, von Neuseeland bis nach Alaska. Wir komischen Leute da in diesem Internet haben jetzt im wahrsten Sinn des Wortes Heimvorteil. Natürlich denke ich auch darüber nach, wie es weitergeht, in einigen Wochen oder gar Monaten. Wird sich unsere Gesellschaft jetzt verändern und wie? Ich glaube, das liegt zum großen Teil an uns. Und nennt mich ruhig eine naive Optimistin, wenn ich sehe, was viele einzelne an Hilfsmaßnahmen oder auch nur an täglichen kleinen Lichtmomenten in die Welt stellen, ist noch nicht alles verloren und vielleicht begreift auch noch der Letzte, daß 400 Rollen Klopapier nichts sind gegen ein positives Miteinander. So, ich habe fertig. Bleibt gesund!

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