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Gerade habe ich erfahren, Götz George ist gestorben. Er war ein wirklich großer Schauspieler, es gibt viele, sehr viele Beispiele dafür. Natürlich denkt jetzt jeder an „Schimanski“, da gab es aber noch mehr. Allerdings hat auch meine sehr persönliche Erinnerung mit „Schimanski“ zu tun.

Es waren die Achtziger. Schimanski war Kult, absolut jede(r) hat ihn in der Rolle angehimmelt. Die Kerle, weil sie so unglaublich cool sein wollten und es nie schafften, die Mädels, weil… hach, was für ein Kerl! Es kam eine LP heraus, die „Schimanski-Tatort-Hits“, die ich unbedingt haben musste. Als ich sie hatte und sie in Endlosschleife mit meiner damals besten Freundin hörte, fabulierten wir so rum, wie man an ein Autogramm von Götz George herankommen könnte. Damals gab es ja noch die „BRAVO“ mit Starschnitten und Autogrammadressen (von denen selten bis nie was zurückkam). Ich wollte aber keine vorgedruckte Autogrammkarte, ich wollte ein echtes Autogramm. Und ich wettete mit meiner Freundin um eine Flasche Sekt und 20 Mark, daß ich es bekommen würde! Ich hatte einen Plan und sie hielt mich für verrückt, völlig durchgeknallt.

Damals arbeitete ich in einer Behörde, die an wirklich jede Adresse herankam. Georges Adresse war geheim, aus der Presse wusste ich, daß er es hasste, wenn kreischende Fangirlies vor seiner Tür kampierten, verständlicher Weise. Das hatte ich ja nicht vor. Ich zog seine Privatadresse vom Computer und steckte sie ein. Ja, ich beging eine Straftat, ja, ich hätte meine Ausbildung verlieren können, ja, ich wäre in der Datenschutz-Hölle gelandet – wenn ich mit Sechzehn an sowas gedacht hätte. Habe ich nicht, keine Sekunde. Ich setzte mich hin und schrieb einen Brief an Götz George. Entschuldigte mich dafür, seine Privatadresse zu benutzen, die ich nie, niemals jemandem verraten würde (was ich niemals getan habe, egal, was mir geboten wurde!), aber das es um eine Wette ging und ich ihn darum bitte, auf meiner LP-Hülle zu unterschreiben. Grenzenlos naiv! Wenn er gewollt hätte, hätte er mich voll ans Messer liefern können. Nun, er tat es nicht. Er schrieb mir einen kurzen, freundlichen Brief und schickte mir meine Plattenhülle zurück. Darauf stand: „Alles Gute für die Zukunft, Götz George.“

Ganz großes Kino, Schimanski! Mach es gut – und Danke.
schimmi

Weil man mich fragte: Dieses Bild zeigt nicht MEINE Hülle, leider. Meine kam bei einem Umzug „abhanden“. Die Widmung stand quer über dem Parka, mit schwarzem Edding geschrieben.

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