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Ich habe immer von mir behauptet, unpolitisch zu sein. Zwar gehe ich brav wählen, aber in den letzten Jahren wirklich deutlich frustriert mit dem Gefühl, sowieso nichts bewirken zu können. Der einzige Grund für mich ist, zu verhindern, daß irgendeine dieser Naziparteien irgendwo irgendetwas zu sagen haben könnte, um Himmels Willen. Wenn ich nichts weiter mit meinem Kreuzchen bewirke, als das zu verhindern, ist das heutzutage schon viel!
Und genau aus diesem Grund habe ich auch gegen die Entsendung von Xavier Naidoo zum ESC protestiert. Das war eine politische Entscheidung, eindeutig. Der ESC als solcher ist mir herzlich egal und ob Xavier Naidoo singen kann oder nicht, ist Geschmackssache. Ich persönlich kann seinen Stil, seine Texte und seine Bigotterie darin nicht ausstehen, aber wenn das der einzige Grund wäre, hätte ich ihn problemlos auf dem ESC für Deutschland trällern lassen, bitteschön.
Das aber wird den Kritikern jetzt vorgeworfen. Atze Schröder schrieb gestern auf Facebook, daß es schade wäre, Deutschlands besten Sänger nun nicht antreten zu lassen, weil der Mob gewonnen hätte, und hat damit natürlich eine Verbalschlacht eröffnet.
Korrigiert mich, wenn ich mich irre, aber war es nicht früher so, daß jedes Bundesland erstmal einen Kandidaten gestellt hat und dann in einem Vorentscheidungswettbewerb entschieden wurde, wer letztendlich da hinfährt, zum ESC? Habe ich diese Vorgehensweise dieses Jahr irgendwie verschlafen oder war es tatsächlich so, daß der NDR einfach mal so gesagt hat: „Ach, wir lassen diese überflüssige Vorentscheidung mal weg und bestimmen einfach, daß der Naidoo das schon für uns schaukelt.“

Fakt ist, das Volk hat entschieden: Wir wollen den da nicht sehen. Und ja, das war eine politische Entscheidung, keine, die seine künstlerischen Qualitäten betraf. Fakt ist auch, Deutschland hat ein Naziproblem, welches immer weniger ignoriert werden kann. In den Sozialen Medien tobt seit Monaten eine Schlacht,nennen wir sie mal profan „Besorgtbürger gegen Gutmensch“, also rechtslastige Hetze gegen alle Menschen, die sich das nicht gefallen lassen wollen. Das Ausland beobachtet Deutschland exakt in diesem Augenblick sehr genau, in welche Richtung es hier geht und ob man irgendwann mal „eingreifen“ muß, wenn wir das nicht selbst geregelt bekommen. Selbst die ARD, von der ich wirklich kein Fan bin, ließ Stimmen hören, die Xavier Naidoo als „katastrophale Fehlentscheidung“ bezeichneten. Aus all diesen Gründen kann man einen Sänger mit „rechtslastigen, homophoben Tendenzen“ (ja, die HAT er, und wenn es noch so runtergespielt wird!) nicht bei einem internationalen Wettbewerb für Deutschland antreten lassen, Punkt. Wer das nicht sieht, hat einfach den Knall nicht gehört.

In allen Städten Deutschlands stehen immer wieder Tausende Menschen gegen diese intoleranten und gefährlichen braunen Unbelehrbaren auf der Strasse, in Köln, in Dresden, in Berlin und München. Wenn Atze Schröder die Menschen, die gegen Xavier Naidoo beim ESC sind, als „Mob“ bezeichnet, bezeichnet er auch jeden, der für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit auf der Strasse steht, als Mob. Darüber sollte er vielleicht mal nachdenken.

Ich persönlich freue mich jedenfalls sehr, daß unsere Stimmen tatsächlich mal zur Kenntnis genommen wurden. Na bitte, es geht doch!

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