Samstag Abend ging bei uns im gesamten Ort das Licht aus – Pling!- und es blieb für 2,5 Stunden dunkel und wurde recht kalt, denn die Heizungen meinten, eine Tiefenentladung wäre nun angebracht. Meine Gedanken kreisten so um die Themen Steinzeit, Abhängigkeiten und Hunger. Gut, Kerzen an und mit dem Tablet auf´s Sofa, lesen. War auch recht bequem weil das Ding ja ne eigene Lichtquelle hat. Passiert war folgendes: irgendwo gab es einen Kurzschluß in einem Trafohäusschen, viel Rauch und dann keinen Strom mehr. Wurde behoben, das Licht ging wieder an, alles schick. Aber…. ja natürlich gibt es ein Aber!

Sonntag Mittag wollte ich einen Brief schreiben, der brannte mir unter den Fingern, und was macht meine Tastatur? Nur Blödsinn! Schreibt kreuz und quer, was ich nicht tippe, führt Befehle aus, die ich nicht gebe und macht mich wahnsinnig! Zum Glück fand ich diese Bildschirmtastatur, die funktionierte, aber unglaublich umständlich ist. Via Social Media rief ich um Hilfe, die ich auch bekam. Letztendlich hatte der Stromausfall wohl meinen Treiber zerschossen, also eine sehr einfache Reparatur, wenn man weiß, wo man suchen muß. Nochmal ein Danke an alle, die ihre Sonntagszeit dafür opferten, eine hysterische Autorin wieder auf Kurs zu bringen 🙂 Das war ich nämlich wirklich: leicht hysterisch. Ich saß da und fühlte mich meines Ausdrucksmittels beraubt, als hätte mir jemand ein Klavier auf die Finger fallen lassen und mir all diese gebrochen. Oder mich vor die Tastatur gesetzt mit auf den Rücken gefesselten Händen.

ICH KANN NICHT MEHR SCHREIBEN!!!

So muß sich ein Sänger fühlen, der morgens ohne Stimme aufwacht, ein Schauspieler, der am Premierentag seinen kompletten Text vergessen hat: total panisch!
Ja natürlich kann ich auch per Hand auf Papier schreiben, selbstverständlich. Aber alles das muß dann trotzdem irgendwann übertragen werden und es nutzt leider gar nichts, wenn dann da steht:
Paru5l? Wr js3tx is3tgs3tntljch Paru5l? So sah das nämlich aus…
Es geht also nicht nur darum, sich die Worte zu überlegen, die geschrieben werden sollen sondern auch um den Vorgang des Schreibens an sich. Gedanken die sich bilden, in die Finger fliessen und dann via Tastatur auf dem Monitor erscheinen. Wenn dann da nur Kauderwelsch zu sehen ist, ist das so ähnlich wie ein technischer Schlaganfall!
Nachdem der Fehler behoben war und ich wieder richtig schreiben konnte, beruhigte ich mich augenblicklich. Gedanken – Hand – Augen – Koordination im grünen Bereich, alles gut. Schreiben war schon immer DAS Medium für mich. Wenn ich etwas gut erklären will, schreibe ich es. Wenn ich etwas erzählen will, schreibe ich es. Wenn ich etwas verarbeiten will, schreibe ich es. Wenn ich etwas lernen will, schreibe ich es, dann allerdings per Hand. Das ist mir besonders beim lernen der japanischen Schrift aufgefallen. Die Hiragana, die ich per Hand gelernt habe, kann ich besser lesen als die, die ich über eine Lern-App gelernt habe.

Ich glaube, selbst wenn man mir Computer, Papier und alle Stifte wegnähme – ich schriebe mit meinem Blut auf dem Boden weiter…

arbeit

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