Das Leben,es hinterließ Spuren auf Dir wie auf jedem von uns. Nur härtere, gemeinere, als es gemeinhin üblich ist. Ich sehe sie mir an, noch nicht so genau, eher etwas scheu. Feine, weiße Linien kreuz und quer auf Dir, Kartografie ohne Sinn. Manchmal berühre ich sie und spüre – nichts.
Als wären sie aufgemalt, abwaschbar, nicht echt. Erschreckt mich das? Ein wenig, manchmal. Und Dein Gesicht? Trägt Spuren. Vom Leben. Vom Schmerz. Und wieder vom Leben. Nur Deine Augen nicht. Aquamarine, strahlend und klar, besonders, wenn sie lachen, blitzend, wenn sie mich ansehen. Sie sind von all dem Leben, all dem Schmerz, unberührt geblieben.

Die Wandlung vollzieht sich langsam in Dir. Die Spuren verschwinden, lösen sich auf und unter ihnen erscheint eine Schönheit, die mir den Atem verschlägt. Wie ein Tuch, welches der Wind von Deinem Gesicht fortweht, weht meine Hand die Spuren der Härte von Dir, die Dich traf und beinahe umwarf. Ich wünschte, ich könnte es malen, könnte diese Verwandlung festhalten, könnte diesen Vorgang auf ewig konservieren. Ich sehe die Linie Deines Mundes, der leicht harte Zug löst sich auf, wird weich und Du öffnest die Lippen, ganz wenig nur, völlig entspannt. Ich sehe durch die Oberfläche hindurch, den Schwung Deiner Wange auf dem Kissen neben mir, spüre Deinen Atem, gleichmässig und ruhig, fahre die Konturen Deines Gesichtes mit dem Finger nach und es wird noch schöner. Du bist völlig in Dir selbst, selbstvergessen, und nichts kann Dich jetzt noch stören, solange ich diese Schönheit in meiner Hand halte.

Es ist eine sehr alte Wahrheit: Alles wird schön, was man mit Liebe betrachtet. So auch Du.

egal

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