Bei manchen fängt die Krise ja schon mit 30 an und sie zählen die nächsten zehn Jahre einfach nicht weiter, bei anderen erst mit 40. Das war mir bisher immer fremd, sind doch nur Zahlen. Meine Zahl lautet ab heute: fünfzig (50!). Ein halbes Jahrhundert. Das…. nochmal: JAHRHUNDERT geteilt durch zwei! Ich. Bin. Fünfzig. Hab ich jetzt ne Krise? Nein, kann ich nicht behaupten, ich fühle mich nicht wesentlich anders als gestern, als noch eine Vier vor der Gesamtzahl stand.

Trotzdem ist so ein halbes Jahrhundert schon eine Hausnummer. Als ich 37 wurde, sagte ein lieber Freund zu mir, jetzt müsste ich aber langsam mal anfangen mit „seriös werden“. Mit einem Augenzwinkern, denn mir war schon klar, „seriös“ werde ich in meinem Leben wohl niemals mehr werden. Und es stimmt, auch mit fünfzig bin ich das nicht. In fünfzig Jahren passiert eine ganze Menge Leben. Da ist man erstmal damit beschäftigt, groß zu werden. Nicht „erwachsen“, das dauert länger, manche schaffen das auch nie. Zum Glück, möchte man beinahe sagen.

Ich habe geliebt und ich wurde geliebt. Ich habe gehasst und wurde gehasst. Ich wurde auf Rosen gebettet und hatte Rosenkriege. All die großen und kleinen Dramen und davon reichlich. Spuren in meinem Gesicht? Einige wenige, könnte schlimmer sein. Unsichtbare Spuren in der Seele? Viele und sie dürften gerne weniger schlimm sein. Aber all das macht mich aus. All das bin ich, wie ich heute bin, mit meinem halben Jahrhundert – und ich bin noch da!

Wie fantastisch ist das doch, heutzutage fünfzig zu sein! Zu Zeiten meiner Oma war man als Frau doch so gut wie lebendig begraben: die blau- oder violett getönte Einheitsdauerwelle und die Einheitsuniform in grau, dunkelblau und beige, einfach gru-se-lig! So Ende der Siebziger gab es in unserer Siedlung zwei Frauen, die sich diesem Diktat widersetzten. Fragt lieber nicht, wie über die hergezogen wurde! Heutzutage ist das völlig normal, Frauen mit Fünfzig tragen Jeans, nerdige T-Shirts, bunte Klamotten, bunte Haare, laufen ohne Unterrock rum (Skandal!), reden über Sex und HABEN ganz einfach welchen!

Es gibt den schönen Spruch auf Erden: Du musst bedeutend ruhiger werden! Muss ich das? Nein! Vielleicht sollte man diese Ruhe aber nur differenzieren: Es hat schon seine Vorteile, sich über bestimmte Dinge nicht mehr so aufzuregen, weil man wegen seines inzwischen „weisen“ Alters einfach weiß, es lohnt nicht. Über andere Dinge sollte man sich indes IMMER aufregen, ruhiger werden heisst nicht, apathisch zu sein. Ich glaube, das verwechseln sehr viele Menschen (vor allem in Pflegeheimen!). Ob man abstumpft oder nicht, liegt in erster Linie an einem selbst, denke ich. Bis jetzt hat mich „das Leben“ nicht klein gekriegt, die Schmetterlinge im Bauch flattern noch genau so wie sie es in meinem fünfzehnjährigen Bauch taten. Ich liebe laute Musik, ich liebe SiFi-Filme, Sherlock und Dr Who, ich mag das klassische und das schrille Japan, ich mag stille Nachmittage, an denen ich schreiben kann. Ich lerne eine mir völlig unbekannte Sprache, ich singe, ich liebe und werde geliebt.

Ich bin fünfzig!alt2

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