Was gestern in der Redaktion des französischen Satiremagazins geschehen ist, schwappte durch Petra van Cronenburg in meine Facebook-Chronik. Glücklicher Weise, möchte ich sagen, denn so bekam ich erstmal nüchterne Fakten und keine künstlich empörte Hysterie. Unverständnis, Entsetzen, Sprachlosigkeit, all das stellte sich bei mir ein und ich habe gestern bewußt nichts weiter dazu kommentiert. Wenn ich die heutigen Kommentare auf Facebook dazu durchlese, war das eine gute Entscheidung, genau so, wie meine Gedanken darüber in meinem Blog zu formulieren und eben nicht auf Facebook. Dort wird in schönster Allgemeinplatz-Manier vieles durcheinander geworfen, was gar nichts mit dem Thema zu tun hat. Unter vielen sehr guten Posts entspinnt sich in den Kommentaren dann eine Diskussion, die oft ins Absurde abrutscht.

Was genau ist Satire? Satire ist die verschärfte Form der Ironie und wurde schon im Mittelalter dazu benutzt, die Herrschenden, die Kirche und die Politik anzugreifen und lächerlich zu machen. Ein sehr bekannter Satiriker war Till Eulenspiegel.
Satire kann einem gefallen oder eben nicht. Aber sie ist schon immer ein wichtiges Stilmittel gewesen, Dinge aufzuzeigen, die in einem Land, auf der Welt, nicht richtig laufen. Und natürlich passt das dem Einen oder Anderen nicht. Aber NIEMAND hat das Recht, einen Menschen für seine Meinungen und Ansichten zu töten! Für das Recht auf die Freiheit der Rede (auch in schriftlicher Form) haben in früheren Generationen Menschen gekämpft und mit ihrer Freiheit, Gesundheit und auch dem Leben dafür bezahlt. Ich habe das Recht, hier hin zu schreiben, daß ich Frau Merkel doof finde – und niemand kommt, und verhaftet mich dafür. Für dieses Recht habe nicht ich gekämpft sondern andere Menschen vor mir, ich bin nur die Nutznießerin davon. Aber ich werde mir dieses Recht auch nicht mehr wegnehmen lassen!

Der erklärte neue Feind der Welt ist nun wohl der Islam. Aber stimmt das so? Nein. Das ist Blödsinn, weil irgendwie sämtliche Begriffe durcheinander geschmissen werden. Islam ist ein Oberbegriff genau wie Christentum. Menschen dieses Glaubens sind Moslems – und nicht jeder Moslem ist ein ISLAMIST! Das ist was völlig anderes. So wie es im Christentum russisch-orthodoxe, römisch-katholische, evangelische, freie Christen gibt. Und in jeder Religion noch zig andere Gruppierungen und Grüppchen, die unter ihrem jeweiligen Oberbegriff laufen. Und absolut jede dieser Gruppen, egal aus welcher Ecke sie kommt, die Fanatismus und Extreme verbreiten, ist gefährlich. Das hat man gestern erst wieder vorgeführt bekommen. Diese Menschen sind für eine Ideologie gestorben, die nicht die ihre war – und das ist grauenvoll. Was für eine Welt wird das, wenn niemand sich mehr trauen darf, seine Meinung frei zu äußern?

Oh ja, werden jetzt einige sagen, und was ist dann mit PEGIDA? Die äußern ja auch nur ihre Meinung. Sicher tun die das und auf Grund der Meinungsfreiheit DÜRFEN sie es! Das genau ist Demokratie und Meinungsfreiheit nämlich: sie DÜRFEN es und werden dafür nicht erschossen. Wenn 200 PEGIDAs in Köln 20.000 Gegendemonstranten gegenüberstehen, die klarmachen, wir wollen euch hier nicht, ist das freie Meinungsäußerung.

Die Politik versagt m. E. gerade Weltweit auf ganzer Linie. Es wird eine Angst vor „Überfremdung“ geschürt, die ich in meinem Umfeld (und das ist recht groß) überhaupt nicht sehe. Da wird so großkotzig davon gesprochen, „die Sorgen der Bürger“ ernst zu nehmen, allerdings bewußt in eine falsche Richtung gelenkt. Ich mache mir sehr viel eher Sorgen darüber, daß wir wieder ins Mittelalter katapultiert werden. Ohne Redefreiheit, ohne Satire, umgeben von Denunzianten und Killern, die mich mundtot machen, wenn ihnen was nicht passt.

Advertisements