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Ich habe ja erstmal wieder überlegt, sag ich nun auch noch was oder nicht. Ist ja schon eine Menge gesagt worden und eigentlich ist alles klar. Aber wenn nicht noch mehr Menschen etwas dazu sagen, die vielzitierten Bürger nämlich, könnte es passieren, daß Schweigen als Zustimmung gedeutet wird. Und ich stimme eindeutig nicht zu!

Als ich nach Niedersachsen zog, war Christian Wulff da noch Ministerpräsident und ich wurde gefragt, was ich von dem „Smartie“ so halte. Naja, nett, denke ich. Ich hatte ganz einfach noch zu wenig von ihm mitbekommen, um wirklich eine Meinung zu ihm zu haben. Und von einem Bundespräsidenten bekommt Otto-Normalbürgerin ja eigentlich noch weniger mit, weil das „Amt des Bundespräsidenten“ ein überflüssiges ist. Meine bescheidene Meinung. Es dient allein repräsentativen Zwecken. Wenn wir uns allerdings diesen Luxus erlauben, einen Menschen dafür zu bezahlen, dieses Land zu repräsentieren, dann soll der das gefälligst auch ordentlich machen! Und genau das stelle ich nach dieser gestrigen Presseerklärung in Abrede, die war ein peinlicher Auftritt – in einer immer länger werdenden Reihe peinlicher Auftritte!

Christian Wulff hat „gemauschelt“ und wurde erwischt. Pech gehabt, ganz einfach, kommt in den besten Familien vor. Ich will jetzt um Gottes Willen keine Bresche für Karl Theodor schlagen, aber der hatte wenigstens den „Anstand“, von all seinen Ämtern zurückzutreten und die Biege zu machen! Wenn auch nicht ganz freiwillig und eher halbherzig, aber immerhin.
Was mir gestern während des Interviews ganz massiv auffiel: das Fehlen des Wörtchens „ich“. Herr Wulff befleißigte sich überwiegend des Wortes „man“, der wohl am meisten belachte Satz lautete: „Man wird lebensklüger.“ Ähm, wer denn bitte? Die konsequente Vermeidung des Wortes „ich“ lässt mich doch an der Aufrichtigkeit seiner Ausführungen gewaltig zweifeln! Das kommt doch so rüber, als hätte das mit ihm so gar nichts zu tun. Peinlich war auch der inhaltliche Schwenk auf seine Frau, was da im Internet über sie losgetreten wird jetzt. Es ist Herrn Wulff wohl entgangen, daß seine Frau in dem ganzen Interview nicht erwähnt und auch sein Einwurf diesbezüglich elegant übergangen wurde. Er allein hat versucht, sie in diese Diskussion hineinzuziehen, als schwaches Ablenkungsmanöver.
Und zum guten Schluß diese peinliche Jammerei, ein Bundespräsident hätte auch ein Recht auf Menschenrechte und er dürfe ja wohl noch Freunde haben, mimimi…! Klar darf er das. Und wenn die Frau Wulff meine Schulfreundin wäre und die beiden mich besuchten und auf meinem Gästesofa schlafen würden, wäre das auch völlig in Ordnung, weil es bei mir nicht mal den Verdacht einer gegenseitigen Vorteilsnahme gäbe. So einfach ist das. Und wenn unserem Herrn Bundespräsidenten der Unterschied nicht klar ist, daß er in dieser Position bestimmte Dinge eben nicht einfach so handhaben kann wie Lieschen Müller und Susi Schmitt, dann ist er erst recht am falschen Platz!

Diese gesamte gestrige Aktion war eine peinliche Farce. Ich weiß nicht, wo genau Herr Wulff die großartige Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger, der Parteifreunde usw. sieht, die er gestern verkaufen wollte, meine hat er jedenfalls nicht! Meine Empfehlung:

Herr Wulff, treten Sie zurück.

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