Second Life hat mich noch nie interessiert. Bis letzte Woche wußte ich nicht mal, daß es noch existiert, ich dachte, es wäre längst im virtuellen Nirwana verschwunden. Und wieso fange ich jetzt mit etwas an, was mich bisher nicht mal peripher tangiert hat? Okay, alles auf Anfang!

Als Autorin freue ich mich natürlich, wenn ich meine Geschichten einer Öffentlichkeit vortragen darf. Das habe ich in der Vergangenheit auch schon getan, in Bibliotheken, Kulturzentren usw., eben da, wo man Lesungen erwartet. In der letzten Zeit erweist sich dieses Ansinnen aber zunehmend als unmöglich. Ich höre nichts anderes als: „Nein danke, keine Kapazitäten, kein Budget, keine Zeit, kein Interesse…etc. usw.“ Wobei ich von Beginn an klar gemacht habe, ich will kein Geld dafür! Also ich stell mich nicht hin und verlange 200 € pro Stunde. Es gibt so viele soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, bei denen ich mir denke, die Bewohner würden sich über sowas freuen, gerade zur Weihnachtszeit. Natürlich ist es für die Mitarbeiter mit einem geringen Aufwand verbunden, aber z. B. in einem Altenwohnheim ist doch schon alles da: Ein Speisesaal, Tische, Stühle und vermutlich auch eine Weihnachtsdeko.

So habe ich mich entschlossen, einfach ein Lesungsvideo zu machen und online zu stellen. Und es dauerte keine 24 Stunden, bis die erste Lesungsanfrage kam, von einer Mit-Autorin von den „Leseblüten Weihnachtszauber“. Und wo soll das stattfinden? In Second Life! Ähem, WO??? Okay, es wurde ein Avatar für mich gebastelt und los geht´s:

sieht mir sogar ähnlich 🙂


Zuerst mal muß man echt laufen lernen, diesen Avatar zu bewegen, ist gar nicht so einfach, aber wenn man es raushat, macht es spass. Die Lesung soll im „Kafe Krümelkram“ stattfinden und da ist es wirklich unglaublich schön! Am liebsten würde ich da einziehen, ehrlich 🙂 Gleich am Abend fand eine Lesung statt, die ich mir anguckte und das war ein Erlebnis! Lauter lustige Gestalten lagen, saßen, lümmelten auf Sofas, Sitzkissen und Teppichen herum und hörten zu. Ein Alien schwebte dekorativ mitten im Raum (ich glaube, das war der Autor 😉 ) eine schwarze Katze blätterte interessiert in einem Buch, einfach klasse!

NATÜRLICH war ich dann neugierig, was es da alles gibt, was man machen kann. Irgendwie ist dieses Second Life eine riesige Zauberkiste, es gibt wirklich wundervolle Orte, ich komm kaum hinterher mit staunen und gucken. Ich dokterte natürlich auch an meinem Aussehen rum, denn überwiegend laufen da nur junge, hippe, sehr schöne Menschen rum. Ich landete dann an so einer Art balinesischem Strand und es dauerte keine 10 Minuten, bis mich so ein sehr schicker Eingeborenenhäuptling zum tanzen aufforderte. Oookaaay…..

haaaach......


Die beiden sahen wirklich großartig zusammen aus, ganz ohne Zweifel. Aber auf einmal deprimierte mich das ganz gewaltig. Ich bin keine zierliche Märchenelfe und der Häuptling hat vermutlich Bauch und Glatze, was ja grundsätzlich egal ist. Aber ich dachte, da sitzen überall auf der Welt einsame Leute an Computern und tanzen miteinander ohne sich zu berühren. Und Tanz ist die vollendetste Form der Berührung, selbst wenn man ein Solo tanzt berührt man andere damit – die Zuschauer.

Ich glaube, ich habe die beiden gegensätzlichen Empfindungen für Second Life gleich am ersten Abend kennengelernt: die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten etwas aktiv zu gestalten, künstlerisch aktiv zu sein (Lesung, Konzert, Events) und einen Austausch darüber stattfinden zu lassen zwischen Menschen, die in der Realität Schwierigkeiten haben, sich dreimal in der Woche zu treffen, einfach aufgrund der Entfernungen. Second Life überbrückt diese ohne Probleme.
Die Kehrseite ist diese bunte Traumwelt. Wunderbar anzuschauen aber trügerisch. Muß sich ein Mensch, der gerade mit einem hinreissenden Partner getanzt hat, nicht noch einsamer fühlen, wenn er den Computer ausschaltet? Ich persönlich tanze eindeutig lieber real, denn…. was nützt die Liebe in Gedanken? 🙂

Wenn jetzt jemand mal vorbeikommen möchte, der sieht bitte HIER!

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