Der Sascha Lobo schrieb hier etwas zur „Buchsituation“ und ganz, ganz unten steht da sowas wie „Denn bereit UND fit für die Transformation ist meiner Einschätzung nach ungefähr keiner, und zwar – man mag es glauben oder nicht – aus weitgehend romantischen Gründen.“ Also es geht da, natürlich, ums Marketing, Buch vs. E-Book, Aufbruch zu neuen Ufern, den der Buchhandel aus eben den romantischen Gründen verschnarcht.

Sind Buchhändler, Verleger, Autoren, Vertreter, Buchmenschen so überhaupt, Romantiker?
Irgendwo schon. So ein ganz kleines bisschen jedenfalls. Ich habe in einer ganz kleinen (nicht mehr existenten!) Berliner Buchhandlung gelernt, an einer schmiedeeisernen Registrierkasse mit Kurbel, Kassenbuch-Aufstellung jeden Abend per Hand und Taschenrechner! Meine Chefin war eine alte Dame von 70 Jahren, die durchaus etwas preussisches an sich hatte, wenn sie zur Mittagszeit das Haupt zum Dank über den Linseneintopf senkte. Die Buchhandlung hatte uralte Holzmöbel, war leicht angestaubt, unglaublich vollgestopft, roch so wahnsinnig gut nach „Buch“ – und kämpfte täglich und schlußendlich vergebens ums Überleben. Alle anderen Buchhandlungen begannen langsam, auf Computer umzustellen, es gab schon sowas wie BTX (Bildschirmtext), wir kommunizierten per Telefon und POSTKARTE! Und ich glaube, meine Chefin würde das heute immer noch so machen. Völlig unzeitgemäßer persönlicher Kundenkontakt. Wenn ich ihr vorgeschlagen hätte, wir bräuchten eine Homepage und könnten Kundenschriftverkehr jeglicher Art effizienter per Email erledigen, das hätte sie kaum verstanden. Aber die Buchhandlung war wunderbar, so wie die von Hugh Grant in „Notting Hill“ oder (jajaja, Klischee, ich weiß!) die vom Meg Ryan in „Email für Dich“.

Am deutlichsten wurde die Diskrepanz Kaufmann – Buchhändler für mich in der Berufsschule. Natürlich ist ein Buch zuerst mal eine „Ware“, die verkauft werden muß und soll. Und für die die gleichen Gesetze des Marktes gelten, wie meinetwegen für Wollstrümpfe und Hackfleisch. Aber Bücher sind eben „Ware mit Seele“ – und das macht es so kompliziert. Einer meiner Berufsschullehrer stöhnte: „Meine Güte, ihr Buchhändler seid immer so… ELITÄR!“ Tja, vermutlich liegt das an der „Ware Buch“, daran, daß Menschen, die mit Büchern zu tun haben, diese lieben, weil zu Büchern eben emotionle Beziehungen entstehen (können). So wie ein Zoohändler kein Tierhasser sein sollte und ein Weinhändler seine Weine liebt. Und das TUN sie! Habt ihr schon mal einen Weinhändler schwärmen hören?

Leider hörte meine Buchhandlung noch während meiner Ausbildung mit dem Existieren auf und ich sattelte auf Industriekauffrau um. Gänzlich andere Baustelle, da verkauft man alles vom Bleistift bis zum Stahlträger. Und genau da liegt auch der größte Unterschied zum Buchmarkt: da ist es mir nämlich vollkommen egal, was ich verkaufe. Ich entwickle keinerlei Emotionen zu Stahlträgern. Ist so! Keiner wird ein so wunderbares Buch wie „Die unendliche Geschichte“ von M. Ende auf den Tresen knallen wie ein Pfund Mett und fragen: „Dürfen´s noch ein paar Seiten mehr sein?“
Bücher sind ein emotional belastetes Gut und darum kann man damit einfach nicht umgehen wie mit profanen Wassergläsern im 6er-Pack. (Schul- und Sachbücher mal aussen vor gelassen, andere Liga.) Ein belletristischer Autor, der nicht viel Herzblut in sein Buch schreibt, könnte es lassen. Ein belletristischer Verleger ohne Liebe zu seinen Büchern… schwer vorstellbar. Und der Balanceakt zwischen knallharter Marktwirtschaft und Liebe zum Buch ist einer, für den mir auch keine Lösung einfällt. Wollte ich auch gar nicht, ich wollte nur mal so schwadronieren, warum es der Buchhandel nicht leicht hat. Denn, man muß ja nicht verrückt sein, aber…. 🙂

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