Über die FAZ und nicht zuletzt Twitter hat ja vermutlich jeder Mensch am Wochenende vom sog. „Bundestrojaner“ gehört. Dieses fiese Spionageprogramm, welches der ChaosComputerClub (CCC) geknackt hat.

Ich bin nun wirklich kein Nerd oder Geek oder wie sonst diese ganzen PC-Cracks alle heißen und habe nicht wirklich Ahnung davon, ob so ein Programm das wirklich alles so kann, wie beschrieben, aber wenn nur die Hälfte davon stimmt und möglich ist, ist das ein echt dicker Hund! Und ich denke, der CCC würde sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, wenn deren Erkenntnisse nicht hieb- und stichfest beweis- und recherchierbar wären. Andernfalls käme das ja einem Selbstmord gleich.

Was bedeutet das denn aber nun genau? Zuallererst mal ist es verfassungswidrig. Punkt. Jetzt kommt natürlich so ein Lieblingsargument daher: „Wenn Du nichts zu verbergen hast…“
Habe ich was zu verbergen? Jein.
Ich habe keine Bombenbauanleitungen auf dem Rechner und auch keinen Al-Qaida-Schriftverkehr. Aber ich habe, wie jeder Mensch auf dieser Welt, Dateien auf dem Rechner, deren Inhalt Dritte ganz einfach nichts angeht!
Die Vorstellung, irgend so ein LKA-Heini sitzt an seinem Schreibtisch und lacht sich über mein privates Liebesgeschwurbel mit „Hasi-Pupsi“ schief – NEIN, NEIN, NEIN!
Oder lästert über die Speckröllchen meiner Bikini-Fotos vom letzten Urlaub: „Booah, guck Dir die fette Kuh an!“ EY, hallo, das sind MEINE Speckrollen, ja?!
Ganz davon abgesehen, daß die Typen dafür bezahlt werden, sich auf MEINE Kosten zu amüsieren! Okay, das war jetzt ja noch überspitzt lustig. Weniger komisch wird es, wenn man darüber nachdenkt, daß Otto-Normalbürger für den Staat ganz leicht erpressbar wird.

Herr X, der irgendeinen für den Staat interessanten Job hat (Politik, Pharmaindustrie, sowas in der Art), hat ein Techtelmechtel mit Fräulein Y – und Frau X hat keine Ahnung. Durch die Skype-Überwachung weiß Staat nun davon und klopft bei Herrn X an: Wir wollen, daß Du dieses und jenes für uns machst, sonst….“
Anderes Beispiel? Bittesehr:
Der kath. Religionslehrer Z ist homosexuell, was natürlich niemand weiß und wissen darf. Er ist bei seinen Schülern beliebt, macht einen guten Job, alles prima. Aber er surft auf einschlägigen Gay-Sites, was wir ihm ja gerne gönnen. Schliesslich hat er in seiner Position mit dieser „Ausrichtung“ genug Probleme… Und dann? Dann sitzt da einer, der spioniert und sich denkt: „Ach guck mal da, die Schwuchtel mach ich fertig!“ (Ja nun, auch vor dem Spitzelrechner sitzt NUR ein Mensch, oder?)

Diese Beispielliste ließ sich noch lange fortführen und ich muß sagen, das erschreckt mich ganz gewaltig. So schön diese Computerwelt ist und wie viele tolle Sachen man auch damit machen kann, vielleicht sollte man für gewisse Dinge doch wieder auf ein gutes, altes Tagebuch zurückgreifen. So aus Papier, mit einem schönen Einband – und mit Tinte darin schreiben.

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