(c) Gmeiner Verlag

Der Geiger Max Auerbach hat nach dem Scheitern seiner Ehe eine Anstellung beim Lübecker Stadtorchester unter Leitung des jungen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefunden. Als der glühende Verehrer Mahlers im Mai 1911 vom Tod des Wiener Meisters erfährt, verliert er jeden Halt: Auerbach entwickelt eine gefährliche Persönlichkeitsstörung. Er nimmt einen Doppelgänger wahr, der ihm aufträgt, in München die Orchesterpartitur von Mahlers „Lied von der Erde“ zu stehlen und den Dirigenten der Uraufführung, Bruno Walter, zu töten …

Dieser Roman verbindet Realität und Fiktion auf großartige Weise. Reale Persönlichkeiten wie W. Furtwängler, Gustav und Alma Mahler, Bruno Walter und andere mehr werden in eine fiktionale Geschichte verwoben, die sehr interessant erzählt und (im Anhang der Fußnoten) ausführlich erklärt wird. Obwohl mir viele der genannten Namen geläufig sind, habe ich doch viel Neues erfahren.

Das Max Auerbach psychische Probleme hat, weiß man sofort (es steht ja schon im Klappentext), leider ist er aber so unsympathisch, daß wenig Mitleid aufkommen mag. Allerdings spielt er in diesem Roman nicht „die erste Geige“, obwohl er der Protagonist der Geschichte ist. Die erste Geige spielt eindeutig die Musik. Als Leser hatte ich oft das Gefühl, einen Episodenroman zu lesen. Die einzelnen Sequenzen wirken manchmal regelrecht „abgeschnitten“ und unvollendet, trotzdem erzählen sie im Gesamten doch eine Geschichte. Ein gewisses Musikverständnis sollte der Leser ebenfalls mitbringen. Es trägt zwar nicht zwingend zum Verständnis der Geschichte bei, aber da die Musik eine so wichtige Rolle in diesem Roman spielt, ist es hilfreich, wenn man versteht, wovon der Autor da spricht. Auf keinen Fall kann man den Roman als „leichte Unterhaltung“ betrachten. Er ist anspruchsvoll und wirklich interessant.

Ich danke dem Gmeiner-Verlag für dieses Rezensionsexemplar 🙂

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