Warum es so verdammt schwer ist, sich selbst zu vermarkten

Da hat man ein Buch geschrieben und hält es, wenn man Glück hat, gedruckt in der Hand. Ist heute nicht mehr ganz so unmöglich durch die vergleichsweise „einfache“ Online-Produktion.
Natürlich möchte man jetzt am liebsten mit einem Megaphon bewaffnet auf die Strasse rennen und es der Welt mitteilen: „Seht her, ich habe ein tolles Buch geschrieben, reisst es mir aus der Hand, stürmt Amazon und plündert die Bestände!“ Sich also, quasi wie Tom Hanks in „Cast away“, auf die nackte Brust trommeln und rufen: „Ich habe Feuer gemacht!“ Der Stolz ist ungefähr gleich groß 🙂
Selbstverständlich macht das niemand, es wäre ja auch ein wenig plump. Der potenzielle Kunde möchte zwar gerne informiert aber nicht belästigt werden. Und das passiert recht schnell! Ein Beispiel: Ich habe natürlich recherchiert und fand folgenden Tipp: man suche sich ein zum Thema passendes Forum, melde sich da an und poste seinen Link. Super, klingt ja totaaaal easy, dachte ich, suchte mir drei, vier entsprechende Foren, meldete mich da an (immer mit demselben User-Namen und Passwort) und legte los! Leider übersah ich dabei, daß drei der vier Foren zusammengehörten, es war eigentlich nur eins. Das habe ich aber nicht gemerkt, weil ich mich eben dreimal angemeldet hatte, und postete überall fröhlich meine Links, immer mit einem netten Spruch dabei, was aber gar nichts nutzte. Die Leute da fühlten sich gespammt und warfen mich raus, AUA! Natürlich wollte ich sie nicht überfluten, habe es aus Unwissenheit aber getan und Lehrgeld bezahlt.

Tja, und nun, wie weiter? Man kann in mühsamer Kleinarbeit Flyer herstellen und sie selbst verteilen sowie gutmütige Freunde und Verwandte bitten, selbiges zu tun. Bringt nicht wirklich was, denn, seien wir ehrlich, was machen WIR denn mit Flyern, die uns jemand in den Briefkasten wirft oder in die Hand drückt? Na eben…
Man muß davon überzeugt sein, etwas wirklich Gutes geschrieben zu haben und selbstverständlich ist man das, schliesslich ist man die Autorin höchstselbst. Wer sonst sollte von diesem Buch überzeugt sein?! Selbst wenn es andere sind, selbst wenn man eine Quote bekommt, heisst das noch gar nichts. Zur Erklärung: „Quote“ nennt man diesen Satz, der auf manchen Büchern hinten auf dem Cover steht und der im besten Fall von einem berühmten Kollegen stammt. Wenn also Wolfgang G. über den neuesten sozialkritischen Roman von Friedrich S. sagt, daß er ihn wirklich toll findet!
Ich habe so eine „Quote“, bzw. mein Pseudonym, was umso toller ist, als mein Pseudonym VÖLLIG unbekannt ist und mein (inwzischen vorletztes) Buch bei BoD erschien, und der besagte „Quotegeber“ ein wirklich Großer ist. Trotzdem habe ich im letzten Jahr gerade mal 20 Bücher verkauft, die an Freunde und Verwandte NICHT mitgerechnet. Ich habe keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist, ich denke, es ist ganz gut, wenn man den schlechten Ruf bedenkt, den „selbst“ verlegte Bücher immer noch geniessen dürfen. Es hat gut 1 Jahr gedauert, bis ich eine wirklich gute Rezension bekam, obwohl auch alle anderen Leserstimmen durchweg positiv waren. Was ich daraus gelernt habe ist, Geduld zu haben 🙂

Für mich ist TWITTER eine der besten Möglichkeiten, Werbung zu machen und der Welt mitzuteilen: „Hallo, ich bin da! Ich habe was gemacht, was ihr euch ja mal ansehen könnt..“ Auch hier gilt aber, Weniger ist Mehr und auch, die (N)Ettikette zu wahren. Ich habe erstmal lange beobachtet, wie sich andere verhalten, was „geht“ und was nicht. Zum Beispiel ist es absolut kein guter Stil, andere per Direktmssage um Rezensionen anzubetteln oder, wenn man denn welche bekommt, dann darüber zu meckern, wenn einem der Inhalt nicht passt. Oder einfach nur kommentarlos alle 3 Minuten einen Link ins „Irgendwo“ zu posten. Das liest niemand und man fliegt schnell aus der Timeline der Menschen, die man ja eigentlich erreichen möchte. Twitter ist ein sogenanntes „Social-Media-Portal“ und „sozial“ bedingt Interaktion und echtes Interesse an den Menschen. Das kostet viel Zeit, manchmal auch Nerven – aber ich finde, es lohnt sich auch! Nirgendwo sonst kann man so unkompliziert ein weitreichendes Netz interessanter Menschen aufbauen. Wenn darunter dann potenzielle Leser sind, um so besser! 🙂

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3 Antworten auf “Warum es so verdammt schwer ist, sich selbst zu vermarkten”

  1. Sehr geehrte Frau R.,
    ich warte ja nach wie vor sehnsüchtig darauf Ihre Werbung auf Facebook zu sehen!^^
    Ansonsten stimme ich Ihnen ausdrücklich in allen Punkten zu!
    Fühlen Sie sich schwer umärmelt!!

    A.S.

  2. Hallo Regina,

    ich fand -und finde- es sehr angenehm, dass du im Gegensatz zu vielen anderen Autoren eben nicht penetrant wirbst, nicht andauernd einen Link zum Buch oder einen Kaufaufruf startest. Neben der Thematik deines Buches war genau das ein Punkt, der mich wirklich neugierig gemacht hat und wie man an meiner Rezension wohl merkt, habe ich es keinesfalls bereut, das Buch gelesen zu haben :-).

    Ich kann dir gar nicht sagen, wie enorm abschreckend ich es finde, von Werbe-DMS bei Twitter, von Werbenachrichten auf Facebook oder Fake-Bücherfragen bei Lovelybooks genervt zu werden, die allesamt nur der (sehr unglücklich angelegten) Werbung dienen. Da baut sich bei mir ganz schnell Widerwille auf. Das Buch des Autoren, der zum 10. Mal bei LB auf die Bücherfrage mit „Trifft nicht ganz das Thema, aber vielleicht interessiert dich ja auch mein Buch…“, werde ich ganz sicher NIE lesen.
    Wer penetrant wirbt, erreicht genau das Gegenteil von dem, was er erreichen möchte. Ein Autor, der ständig sein Buch bewirbt, fliegt bei mir schneller aus der Twitter-Timeline, als er gucken kann.

    Du hingegen hast das ganz richtig angestellt und wenn nicht mehr Bücher verkauft werden, dann liegt das auf keinen Fall an der Qualität deines Textes, sondern vielleicht eher an dem unbequemen Thema, vor dem die meisten Menschen doch lieber die Augen verschließen.

    Interessant wäre -neben den Social Media Plattformen- vielleicht noch eine Homepage zu deinem Buch, die via SEO-Maßnahmen, also Suchmaschinenoptimierung, die vielen Menschen zu dir und zu deinem Buch führt, die über Google nach Informationen zum Thema suchen.
    Das ist ein Punkt, den viele Autoren komplett vernachlässigen – für mich völlig unbegreiflich.

    Viele Autoren legen sich selbst die größten Steine in den Weg (so jüngst z.B. einige BoD-Autoren bei der Wahl zu den Superblogs – mit ihrer Aktion haben sie bewirkt, dass viele Literaturblogger einen weiten Bogen um ihre Werke machen werden) und merken es vor lauter Enthusiasmus und Betriebsblindheit leider gar nicht mehr.

  3. Hi Regina,
    schöner Artikel.
    Ich gebe Dir Recht, es ist schwer sich zu vermarkten ohne andere zu „belästigen“.
    Irgendwie muss man da ein gesundes Mittelmaß finden. Ich denke Twitter und auch Facebook sind dafür sehr geeignet. Auch fällt mir in letzter Zeit, öfter mal Werbung von Autoren in diversen Büchergruppen bei wer kennt wen auf.
    Durch Wer kennt wen, habe ich selbst, viele unbekannte aber durchaus fähige Autoren kennengelernt.
    LG Ela

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