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Die Gutenberg-Bibel als Instrument des Bösen. Stephan Naumanns fesselnde Geschichte steckt voll überschäumender Fantasie, origineller Charaktere und unzähliger Verweise auf eine Epoche, die von Gewalt und Wandel gleichermaßen geprägt ist.Mitte des 15. Jahrhunderts. Der menschenverachtende Richter Tanner ist bis ins hohe Alter kinderlos geblieben. Sein Unmut darüber treibt ihn zu einem schicksalhaften Pakt mit dem Teufel. Der Bastard Nathan, den er mit einer Dirne zeugt, wird jedoch nicht nur ihm sehr schnell unheimlich. Während eines Feuers, das ihm durch seine Verbindung mit der Hölle nichts anhaben kann, erhält der hinterhältige Junge seine wahre Bestimmung: Er soll die bedeutendste Erfindung seiner Epoche, Gutenbergs Buchdruck, zu Gunsten des Teufels missbrauchen. Nathan macht sich auf den Weg nach Mainz …

Richter Tanner, vom englischen Volk nur der „Tannerlump“ genannt, ist wahrlich kein Menschenfreund und nutzt sein Amt gnadenlos aus, die Menschen, die ihm in die Finger geraten, zu foltern, zu drangsalieren und zu töten. Deswegen versteht auch niemand seinen Kinderwunsch. Dieser entspringt aber nicht dem Wunsch nach einer Familie sondern eher dem, seine Bosheit weiterleben zu lassen. Durch einen Pakt mit dem Teufel wird ihm sein Wunsch gewährt, aber auch er muß teuer dafür bezahlen. Das Kind Nathan entwickelt sich geradezu prächtig, es ist äußerlich entzückend anzusehen, kann bereits im Alter von nur einem Jahr sprechen und lesen, dank höllischer Intervention, ist aber äußerst bosartig und gefährlich. Das bekommt nicht nur sein irdischer „Vater“ zu spüren…

Das Buch nimmt einen schnell mit ins tiefste Mittelalter, eine Zeit der Bigotterie, der Inquisition und des Aberglaubens. Atmosphärisch dicht und mit großem geschichtlichen Wissen wird die Geschichte um Nathans finsteren Plan spannend erzählt. Allerdings ließ sich der Autor ein wenig zu deutlich von den Klassikern „Der Exorzist“ und „Das Omen“ beeinflussen. Es war ein „Pater Merrin“, der die afrikanische Dämonenstatue in „Der Exorzist“ ausgrub – und es ist ein „Pater Merrin“, der versucht, Nathan die Stirn zu bieten. Jedenfalls einer davon. Und Nathan ließ mich mehr als einmal an den „Damien“ der Omen-Trilogie denken. Das stört aber die Geschichte nicht, schlieslich IST Nathan der Sohn des Teufels. Was mich aber ganz massiv gestört hat, im Lesefluß wie auch im geschichtlichen Kontext, die gesamte wörtliche Rede ist in Reimform geschrieben. Der Autor legt großen Wert auf geschichtliche Hintergründe, die nach meinem Ermessen sehr gut recherchiert sind. Daher passt die Reimform leider gar nicht, denn niemand sprach im Mittelalter so. Schon gar nicht das einfache Volk, arme Leute und Räuberbanden, selbst Gutenberg, der als sehr gebildet angesehen werden kann, sprach sicherlich nicht so.
Trotzdem ist das Buch unterhaltsam und spannend, es wird jedem Mittelalter-Fan gefallen. 🙂

Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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