Schlagwörter

Berlin ist eine wirklich riesige Stadt mit einhunderttausend verschiedenen Häusern, mindestens! Natürlich gibt es darunter potthässliche Betonklopper und wunderschöne Jugendstilvillen, klassizistische Fassaden, 60er-Jahre-Bausünden, alles da. Und genau das macht Berlin aus, Häuser-Multikulti, Abwechslung fürs Auge. Mit Grausen denke ich da an Raphael Horzons Idee, sämtliche Berliner Fassaden einheitlich zu verschalen, was für eine bekloppte Idee! (Und vermutlich ohnehin nur eine weitere Methode, die Leute zu verschaukeln…)
Gerade in Neukölln, Wedding, Charlottenburg und Wilmersdorf gibt es wunderbare Fassaden, wenn man sich die Mühe macht, einmal hinzusehen. Wobei in Charlottenburg und Wilmersdorf eher das Bürgertum residierte und in Wedding und Neukölln die Arbeiter. In den ersten beiden Bezirken findet man wahrlich riesige Altbauwohnungen, heute meist umgebaut in Kanzleien, Praxen oder Agenturen, mit breiten Aufgängen und abenteuerlich ruckelnden, käfigartigen Aufzügen, Dienstbotenzimmern sowie einem großen und einem kleinen Salon.

Jugendstilfassade in der Sonnenallee

Hier in der Sonnenallee gibt es keine zwei Salons, hier gibt es zwei große Zimmer mit knarrendem Dielenboden, viergeteilte alte Doppelfenster, die meine Oma besonders gern putzte, weil es bedeutet, pro Fenster 16 x putzen, achtmal innen, achtmal aussen. Hier gibt es Häuser mit großen Innenhöfen, manchmal zwei oder sogar drei, vier. Und viele Menschen haben sich das orientalische Prinzip zu eigen gemacht: Egal, wie grau und unansehnlich die Seite zur Strasse aussehen mag, viele Höfe sind kleine Oasen. Sie sind bepflanzt, oft stehen vorm Sperrmüll gerettete Stühle und Bänke in Sitzgruppen zusammen. Man trifft sich da, quatscht, tratscht, man kennt sich. Aber etwas gibt es in diesen Altbauwohnungen, das ich seit meiner Kindheit liebe, und zwar ist das der Einbauschrank unter dem Küchenfenster! Mit diesem wunderbar breiten Fenterbrett, auf dem man sitzen kann wie auf einer Bank. Schwindelfrei sollte man ab der dritten Etage aber sein 🙂

Lieblingsplatz seit Kndertagen


Engelkonsole in Neuköllner Hausflur

Advertisements