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Frühjahr 1948, kurz vor der Währungsreform. In Regensburg werden drei Männer auf brutale Art und Weise ermordet. Schnell ist klar, dass es sich bei den Opfern um ehemalige SS-Mitglieder handelt. Im Zuge der Ermittlungen taucht überdies ein bekannter Name auf: Oskar Schindler, wohnhaft in Regensburg.
Mehr als 50 Jahre später wird ein Zeuge der damaligen Taten, Paul Gemsa, ein schlesischer Heimatvertriebener und mittlerweile hochrangiger Bürger der Stadt, selbst ermordet. Kommissar Adolf Bichlmaier ist sich sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen geben muss …

Im Normalfall inhaliere ich Krimis, ich war immer schon eine Schnell-Leserin. Aber bei manchen Büchern geht das nicht, die muß man mit Bedacht lesen und mit Verstand. „Schindlerjüdin“ ist so ein Buch, eines, das „nachwirkt“.
Bichlmaier ist ein mir durchaus sympathischer Typ. Überschattet von einem persönlichen Problem war er einige Monate „arbeitsabstinent“ und muß sich nun gleich mit einem Fall herumschlagen, der bis in die höchsten Kreise der Stadt hineinreicht. Und sehr weit in die Vergangenheit. Als Leser wissen wir mehr als der Kommissar, denn wir sind im ersten Teil Zeuge des Verbrechens, welches das zweite Verbrechen in der Gegenwart nach sich zieht. Es dauert eine Weile, bis Bichlmaier die Zusammenhänge erkennt, denn dies ist kein rasanter, reißerischer Kriminalroman sondern eher einer, der nachdenklichen, leisen Sorte, zudem sehr gut recherchiert. Man kann sich sofort in das Regensburg des Jahres 1948 hineinfinden, in die Probleme und die Denkungsweise der damaligen Zeit.
Gut gelungen finde ich auch die Personenwechsel innerhalb einer Phrase, vor allem, wenn es sich um den oder die Unbekannte/n handelt. Das gibt dem ganzen einen sehr geheimnisvollen, manchmal auch unheimlichen Touch.
Sehr froh bin ich in diesem Fall auch über das Nachwort des Autors! Wer dazu neigt, Nachworte zu ignorieren, in diesem Fall ist es unbedingt empfehlenswert, es zu lesen. (Und zwar wirklich erst am Schluß, lieber Leser! Sonst verderbt ihr Euch ein wenig die Spannung!) Was die moralische Frage angeht, die sich der Autor zum Ende hin stellt, hier ist meine Antwort: Ja, das darf man. Es ist menschlich.

Ein wunderbares Buch, welches ich bestimmt noch einmal lesen werde, auch wenn ich jetzt weiß, wer der Täter ist. Es lässt nicht so schnell los und die leisen Zwischentöne lohnen eine zweite Betrachtung.

Ich danke dem Gmeiner Verlag herzlich für dieses Rezensionsexemplar 🙂

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