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Gutmensch ist eine meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Einzelpersonen oder Personengruppen („Gutmenschentum“), denen ein übertrieben moralisierendes oder naives Verhalten unterstellt wird. In der politischen Rhetorik wird Gutmensch als Kampfbegriff verwendet. Der Neologismus leitet sich von „guter Mensch“ ab – und wendet die positive Bedeutung ins Gegenteil, sagt
Wikipedia.

So, aha. Das mußte ich mir bei der leidigen Sarrazin-Diskussion auch anhören, daß ich so eine wäre. Zum Glück wird der Begriff als politischer Kampfbegriff definiert und trifft mich darum wenig. Niemand kann mir übertriebene Moral oder Naivität vorwerfen, das ist dann doch wohl eher das Ressort von Frau Eva Herman.
Aber was bitte ist so schlimm daran, ein guter Mensch zu sein, daß man diese Bedeutung ins Gegenteil umdrehen muß?
Ich grüße unseren Döner-Mann freundlich. Der ist nett und ich MAG Döner! Als die Fußball-WM war, hatte er das Radio in seinem Imbisswagen voll aufgedreht und die REWE-Verkäufer vom Getränkemarkt standen alle bei ihm rum und jubelten für Deutschland. Er auch!
Ich begehe übelsten Verrat, weil ich mein Obst- und Gemüse beim Muslimen kaufe. Kann ich was dafür, daß deren Ware eindeutig besser aussieht und schmeckt als die in unserem Supermarkt? Beisipiel: ein angewelktes Stäußchen Petersilie kostet im Super 0,60 Euro. Dafür bekomme ich beim Araber einen Riesenbusch knackfrische Petersilie. Ausserdem packt der mir oft noch ein bisschen angedätschtes Zeug ein „für Deine Tiere“.(Klar, das ist eindeutig ein hinterhältiger Versuch, mich zu islamisieren!) Im Supermarkt hab ich EINMAL danach gefragt, ob ich die angewelkten Salatblätter aus der Kiste haben könnte, ich wurde dermassen angezickt, danke, muß ich nicht haben!
Diese Beispiele bringe ich hier nur an, weil Thilo ja offenbar an „Moslempanik“ leidet und er ja sagte, die können nichts anderes als Gemüse und Döner verkaufen. Na und? Die Chinesen haben alle Restaurants und Wäschereien. Genau so ein blödes Vorurteil.

Und, mal ehrlich, wenn man die Kommentare in manchen Foren liest, frage ich mich, wo diese sog. „Gutmenschen“ alle sein sollen. Und es ist völlig egal, welches Forum das ist!
Beispiel eins: Natascha Kampusch hat ein Buch veröffentlicht.
Kommentare: „Ist das Geld etwa schon alle?“ „Mann, wer will von der denn noch was hören?“ „Die soll lieber nen anständigen Beruf lernen!“
Ja Leute, geht´s noch?!
Beispiel zwei: Eine Fluglinie hat eine Rollstuhlfahrerin wieder aus dem Flugzeug geladen, weil sie ohne Begleitperson fliegen wollte, was auf dem Hinflug kein Problem war.
Kommentare: „Die soll froh sein, daß sie sie überhaupt mitgenommen haben!“ „Da hat die bestimmt getrickst beim Hinflug.“ Usw…
Ähm… hallo?!
Beispiel drei: Ein Filmforum. Dort kann man Filme online ansehen und bewerten, also Inhalt und Qualität.
Kommentare: Dort wird sich hemmungslos gegenseitig beschimpft auf einem Niveau, daß einem Hören und Sehen vergeht! Jeder, der ein paar Rechtschreibfehler einbaut, ist automatisch ein asozialer, ausländischer Hartz IV-Empfänger und schlimmeres.
Also, wo sind die alle, die Massen von Gutmenschen, bzw. die „guten Menschen“?! Manchmal denke ich, die angebliche Anonymität des Netzes (die nicht existiert!) wird nur dafür genutzt, andere Menschen fertig zu machen, weil man sich das im Real-Life weder traut noch erlauben kann. Ich halte mich dann doch eher an das Sprichwort, wenn ich nichts Nettes zu sagen habe, sag ich eben gar nichts – und bleibe ein einigermassen „guter Mensch“.

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