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Dieses Titelblatt unser „grössten deutschen Tageszeitung“ brüllte mich unlängst im Bus an. Naja, die brüllen ja immer, für mich ist die „Bild“ ja nichts weiter, als überteuertes Klopapier, aber da ist mir dann doch die Kinnlade runtergefallen. In der Schule haben wir im Deutschunterricht „Zeitung lesen“ gelernt, was seriöse Berichterstattung ist und was nicht. Fazit: Je größer die Schlagzeilen, desto weniger Text darunter = keine gute Zeitung. Gut, niemand wird auf die Idee kommen, die BILD als seriös zu bezeichnen, was ich aber bisher nicht wußte war, daß sie einen heftigen Rechtsdrall bekommen zu haben scheint.

Ausgerechnet die BILD spielt sich hier auf als „Volkes Stimme“, die Zeitung, die als einzige die Bilder der Toten der Loveparade auf dem Titel hatte?! Im „Fall Sarrazin“ gießt sie ganz bewußt Öl ins Feuer eines intellektuellen Brandstifters mit Parolengebrüll, welches von seinen „Lesern“ schön nachgebrüllt wird. Ohne Inhalt und mit Desinformation. Was stand da vor drei Tagen? „BUNDESBANK FEUERT SARRAZIN!!!“ Tja, falsch. Sie möchten es vielleicht gerne, haben das Procedere auch in die Wege geleitet, aber feuern kann ihn nur einer: unser Bundespräsi, nicht die Bank. (Steht dann ja auch ganz klein auf Seite 2 oder so…)
Über die „heilige Meinungsfreiheit“ wird ja heiß diskutiert. Gibt es da Grenzen? In gewisser Weise gibt es die sehr wohl. Ich darf hier meine Meinung über ein Medium verbreiten. Ich darf aber nicht hinschreiben, der Redakteur XY ist ein hirnloser Bastard. Wenn ich das tue, muß ich auch mit Konsequenzen rechnen und darf dann nicht heulen. Es gibt immer noch einen „Pressekodex“, den ich hier mal zitieren möchte:

Ziffer 1 – Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige
Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die
Glaubwürdigkeit der Medien.
Ziffer 2 – Sorgfalt
Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung
bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen
gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu
wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder
entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind
als solche erkennbar zu machen.
Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.
Ziffer 3 – Richtigstellung
Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die
sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat,
unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.
Ziffer 4 – Grenzen der Recherche
Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und
Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.
Ziffer 5 – Berufsgeheimnis
Die Presse wahrt das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch
und gibt Informanten ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht preis.
Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.
Ziffer 6 – Trennung von Tätigkeiten
Journalisten und Verleger üben keine Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in
Frage stellen könnten.
Ziffer 7 – Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle
Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch
persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst
werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare
Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei
Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar
sein.
Ziffer 8 – Persönlichkeitsrechte
Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das
private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert
werden. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Persönlichkeitsrechte
Unbeteiligter verletzt werden. Die Presse achtet das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung und gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.
Ziffer 9 – Schutz der Ehre
Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild
Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.
Ziffer 10 – Religion, Weltanschauung, Sitte
Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu
schmähen.

Ziffer 11 – Sensationsberichterstattung, Jugendschutz
Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt,
Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz.
Ziffer 12 – Diskriminierungen
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu
einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.

Ziffer 13 – Unschuldsvermutung
Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche
Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung gilt
auch für die Presse.
Ziffer 14 – Medizin-Berichterstattung
Bei Berichten über medizinische Themen ist eine unangemessen sensationelle Darstellung
zu vermeiden, die unbegründete Befürchtungen oder Hoffnungen beim Leser erwecken
könnte. Forschungsergebnisse, die sich in einem frühen Stadium befinden, sollten nicht als
abgeschlossen oder nahezu abgeschlossen dargestellt werden.
Ziffer 15 – Vergünstigungen
Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit
von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, ist mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und
der Aufgabe der Presse unvereinbar. Wer sich für die Verbreitung oder Unterdrückung von
Nachrichten bestechen lässt, handelt unehrenhaft und berufswidrig.
Ziffer 16 – Rügenabdruck
Es entspricht fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene
Rügen abzudrucken, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen.

Bevor er ganz vergessen wird!

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