„Der fünfjährige Max ist ein wahrer Satansbraten, destruktiv und böse. Als Max plötzlich spurlos verschwindet, gerät die spießige Kleinstadt in Aufruhr, weil dies der zweite Fall in kurzer Zeit ist. Allerdings trauert niemand um ihn, nicht einmal seine Mustermutter Doris. Die sucht sich das Prachtkind Simon als Ersatz. Und ihre Freundin Paula, Redakteurin nd beruflich ständig im Stress, bemerkt viel zu spät das teuflische Intrigenspiel um sich und ihren Sohn Simon.“

Doris und Paula sind zwei sehr unterschiedliche Freundinnen. Die eine lebt ein Leben wie aus einer Seite des IKEA-Katalogs, immer dezent, immer adrett, ein Vorzeigehäuschen, Vorzeigegarten, anerkannte Kinderbuchautorin.
Die andere passt weder zu Doris noch ins südbaierische, katholische Kleinstadt-Spießertum. Paula bringt ihren Sohn in Lederkluft auf einer Kawasaki in den Kindergarten, lebt auf einem „Anwesen“ (Villa trifft es nicht mehr ganz), das ihrer reichen Tante, der Schauspielerin Lilli, gehört. Der Garten ist verwildert und der Gehsteig nicht gefegt.
So unterschiedlich die Mütter sind, so sind es auch ihre Kinder. Die Bezeichnung „Satansbraten“ trifft es nicht. Ein Satansbraten ist für mich ein zwar freches Kind, aber eines, das man dennoch liebenswert findet. Michel aus Lönneberga zum Beispiel. Max ist für mich ein widerliches Drecksgör, bereits seine erste Tat im Buch brachte mich dazu, ihn wirklich zu hassen.
Simon hingegen ist ein Sonnenschein. Klug, aufgeweckt, liebenswert, dabei hat er durchaus seinen eigenen Kopf und streitet mit seiner Mutter Paula herum, wie alle Kinder das tun.
Nachdem Max verschwunden ist, dem keiner eine Träne nachweint, ist Doris der Ansicht, Simon, das Sonnenscheinkind, passe sowieso viel besser zu ihr als zu seiner unangepassten Mutter. Also beginnt sie ein perfides Intrigenspiel gegen Paula, die ihr unbeabsichtigt in die Hände spielt, als sie den russischen Eigenbrötler Kolja als Gärtner einstellt. Den halten die bigotten, fremdenfeindlichen Mitbürger nämlich für das „Monster“, das ihre Kinder entführt. Nur der Kommissar Jäckle und Paulas kluge Tante Lilli haben ganz andere Verdächtige…

Ein wirklich spannender Kriminalroman, der kein heißes Eisen auslässt: schwierige Kindheiten, Fremdenhaß, Wahnsinn, alles da! Und so aufregend geschrieben, daß man unbedingt weiterlesen muß, bis man ENDLICH weiß, wer was getan hat – und warum. Empfehlenswert! Von dieser Autorin werde ich mehr lesen 🙂

Advertisements