Das war eindeutig „Bahnwärter Thiel“ von Gerhard Hauptmann. Tragisch, traurig und ungeheuer einprägsam.
Inhaltsangabe:

Bahnwärter Thiel, ein pflichtbewusster Arbeiter, wohnt in einem kleinen Dorf und heiratet eines Tages zur Überraschung der anderen Dorfbewohner eine kleine zierlich Frau namens Minna. Diese stirbt allerdings schon nach zwei Jahren bei der Geburt ihres Sohnes Tobias. Viel mehr aus Sorge um seinen Sohn Tobias, als aus Liebe heiratet er ein zweites Mal, diesmal die herrschsüchtige und stämmige Bauernmagd Lene. Sie setzt Thiel unter Druck und hat das Sagen in der Familie. Aus Angst vor dem Konflikt ordnet er sich immer mehr unter und wagt nicht zu widersprechen. In Gedanken ist er immer bei seiner verstorbenen Frau Minna und lebte in einer selbstgestalteten Phantasiewelt.

Obwohl Thiel seinen Sohn über alles liebt – weil er das Einzige ist, was ihm von seiner ersten Frau geblieben ist – unternimmt er nichts als seine Frau Lene den Kleinen immer mehr vernachlässigt und sich nur mehr ihrem eigene Kind zuwendet. Selbst als er beobachtet, wie Lene seinen Sohn schwer misshandelt, schreitet er nicht ein.

Er versucht die Wirklichkeit zu verdrängen und zieht sich immer mehr in Wärterhäuschen zurück. Nur dort kann er findet Ruhe, um an seine verstorbene Frau zu denken und dem zermürbenden Eheleben zu entfliehen. Diese Ruhe droht von Lene zerstört zu werden, da sie vorhat, einen an das Bahnwärterhäuschen angrenzenden Acker zu bestellen.

Eines Nachts erscheint ihm in seinem Traum Minna, die sich in Lumpen gekleidet mit einem Kind im Arm auf Bahngleisen dahinschleppt. Sie scheint vor etwas zu fliehen. Dieser Traum ist für Thiel eine Andeutung auf ein kommendes Unheil. Nach diesem Traum hat er immer öfter Visionen und wirre Träume, die ihn langsam in den Wahnsinn treiben.

Eines Tages möchte Lene den Acker bearbeiten und nimmt Tobias und ihr eigenes Kind mit. Thiel bittet Lene besorgt, darauf zu achten, dass Tobias den Gleisen nicht zu nahe kommt. Sie reagiert mit Gleichgültigkeit. Daraufhin zieht sich Thiel in sein Wärterhäuschen zurück und wendet sich seiner Arbeit zu. Plötzlich hört er quietschende Bremsen eines Zuges und gleichzeitig Notpfiffe. Thiel ahnt Schreckliches und eilt zu dem Zug. Tobias ist unter die Räder des Zuges gekommen.

Lene beteuert ihre Unschuld, doch Thiel schenkt ihr keinerlei Beachtung. Anfangs möchte er glauben, dass alles nur ein böser Traum war. Kurz darauf fällt er ihn Ohnmacht. Er glaubt seiner Frau Minna zu begegnen und verspricht ihr Lene umzubringen. Am nächsten Tag machen die Nachbarn eine schreckliche Entdeckung im Haus des Bahnwärters. Lene liegt mit gespaltenem Schädel in einer Blutlache auf dem Bett und daneben ihr Kind mit durchschnittener Kehle. Die Suche nach Thiel bleibt erfolglos. Tags darauf wird er an der Stelle, wo Tobias überfahren wurde, gefunden, in der Hand die Pudelmütze seines Sohnes haltend und unansprechbar. Zuerst wird er in ein Gefängnis, danach in eine Irrenanstalt gebracht, immer noch die Mütze seines Sohnes in der Hand.
(Quelle:http://members.fortunecity.com/help4you/bahnwaerter_thiel.htm)

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