Dieser Titel ist nicht ganz eindeutig, denn die meisten Menschen dieser Welt arbeiten natürlich nicht zu Hause sondern woanders. Das habe ich früher auch getan und mir gedacht, zu Hause arbeiten zu dürfen, ist Luxus. In gewisser Weise stimmt das auch: ich kann anfangen, wann ich will, Pause machen, so oft und so lange ich will, die Musikanlage so laut aufdrehen wie ich will, am Schreibtisch essen usw. Alles Dinge, die an einem „aushäusigen“ Arbeitsplatz nicht gerne gesehen sind.
Andererseits gehört zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden aber genau deswegen auch eine strenge Disziplin. Aus einer „Pause, so lange ich will“ kann nämlich ganz schnell ein vertrödelter Vormittag werden. Die Ablenkungen sind vielfältig und vor allen Dingen hartnäckig. In einem Büro interessieren mich schmutzige Fenster nur bedingt. Es sind nämlich nicht meine und ich bin auch nicht dafür zuständig, sie zu putzen. Zu Hause ist das was ganz anderes und da können mich solche Details ungeheuer stören. Da hilft dann nur eins: auswandern.

Ich bin mir sicher, ein großer Anteil an der literarischen Kaffeehauskultur liegt in der Flucht vor Haushaltsangelegenheiten. Nicht jeder hat schliesslich eine Katja (Mann) zu Hause, die ihren literarisch schwer arbeitenden Gatten vor all diesen permanenten Unwichtigkeiten abgeschirmt hat. Und es ist doch wirklich klasse: Ich sitze in einer angenehmen Umgebung, vollkommen ungestört, bekomme meinen Tee oder Milchkaffee gebracht, bin trotzdem nicht alleine, kann mir die Leute um mich herum betrachten ohne mich involviert zu fühlen. An manchen Tagen kann ich so einfach effektiver arbeiten, als zu Hause, wo der Abwasch hinter der Tür lauert und die Fenster mir im Chor mitteilen: „Putz uns endlich!“


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