Am Freitag kamen sie also, die Belegexemplare der Zeitschrift „Feigenblatt“ mit meinem Artikel darin. Titelbild wieder sehr schön (s.o.), Inhalt auch. Meine Tochter war zum Essen da als es klingelte. Der Postbote, der Umschlag passt nicht in den Kasten. Fand ich ja sehr nett, es passiert oft genug, daß Umschläge einfach trotzdem irgendwie reingestopft werden, egal, wie der Inhalt dann aussieht. Wie viele Bewerbungsmappen meiner Tochter waren auf diese Weise nicht mehr zu gebrauchen?

Natürlich waren wir beide neugierig, schnappten uns jede ein Heft und blätterten es durch. Zur Information, meine Tochter ist 21, also, sie darf das! Als sie dann aber meinte, „okay Mama, ich nehm dann mal eins mit!“ zuckte ich doch heftig zusammen und sagte nein! „Du, tut mir leid, aber ich brauch die!“
„Alle drei?!“ Skeptischer Blick ihrerseits.
Irgendwie fand ich es auf einmal sehr schwierig, offen mit dem Thema umzugehen. Natürlich stehe ich dazu, sonst hätte ich ein Pseudonym benutzt. Es ist mir auch egal, ob mein Nachbar, mein Vermieter oder mein Zahnarzt das lesen, aber mein KIND??? Ich bin immer ziemlich offen mit ihr umgegangen beim Thema Sexualität, sie konnte mich immer alles fragen und das war auch gut so. Wir haben eine gute Beziehung, nicht so, wie ich mit meiner Mutter. Da wurde nicht geredet, da fiel höchstens der Satz: „Pass bloß auf, daß du nicht schwanger wirst!“

Aber das hier ist doch was anderes, irgendwie. Das Thema Selbstliebe ist doch sehr persönlich und auch, wenn es „nur“ ein Artikel ist, fliesst natürlich persönliches mit ein, das bleibt gar nicht aus. Es ist schon ein Unterschied, ob ich meinem Kind einen Vortrag darüber halte, daß das ganz normal ist, nichts Schlimmes und das sie sich bloß nichts anderes einreden lassen soll, oder ob ich ihm einen Blick in meinen Kopf gewähre.
Doppelmoral? Vielleicht. Ich weiß nicht. Ein Dilemma ist es allemal.

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