In meinem heutigen Beitrag beziehe ich mich auf eine Meldung der „dpa“ (Deutsche Presseagentur). Da heisst es: „2015 soll „Mein Kampf“ mit wissenschaftlichen Kommentaren erscheinen“.
Zuerst denkt man ungläubig, es handelt sich um einen schlechten Scherz, das kann ja wohl nicht wahr sein! Nein, es ist kein Scherz. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte denkt ernsthaft darüber nach, sich wissenschaftlich mit der Hetzschrift des „Führers“ auseinander zu setzen. Das könnten sie ja auch tun, wenn ihr Interesse in diese Richtung geht, im stillen Kämmerlein. Aber öffentlich?!
Der Freistaat Bayern ist der Erbe Adolf Hitlers, daher konnte die bayerische Regierung bisher auch jeglichen Nachdruck des Buches verhindern. Im Jahr 2015 läuft das Urheberrecht dafür aus, somit hat der Freistaat nicht mehr die Hand darauf, was die Historiker freut. Die sagen nämlich, der Text ist ohnehin in Umlauf, auszugsweise via Internet und natürlich auch antiquarisch. Das ist richtig, ich selbst habe vor Jahren ein solch antiquarisches Exemplar in Händen gehabt. Die Eltern einer Bekannten bekamen es, wie damals üblich, vom Standesbeamten überreicht. Ich habe auch begonnen, es zu lesen, kam aber nicht viel weiter als bis zu Seite 120 oder so. Es war einfach unerträglich!

Der Besitz und der Erwerb des Buches sind nicht strafbar, wohl aber ist es die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts und Volksverhetzung. Was anderes aber bezweckt man damit, ein Buch zu veröffentlichen und es in die Läden zu stellen? Man will es verkaufen – und somit verbreiten!
Die Wissenschaftler fordern nun eine kommentierte Ausgabe, um sich kritisch mit dem Buch auseinandersetzen zu können. Wozu um Himmels Willen? Wie naiv kann man sein? Kommt denen nicht in den Sinn, daß ihre „wissenschaftlich kommentierte“ Ausgabe auch Menschen zugänglich wird, denen die Kommentare herzlich egal sind? Die nur das lesen werden, was sie lesen wollen? Nein, so denken die Historiker nicht:
„Die Bedenken, eine solche Ausgabe könnte als Propaganda missbraucht werden, entkräftete IfZ-Direktor Professor Horst Möller schon im Juli 2007 gegenüber der Online-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Es wird mühsam sein, eine solche Edition als Leser zu benutzen. Das ist nichts für Neonazis, deren Lesekapazitäten wohl ohnehin nicht überwältigend sein dürften.“

Natürlich, der „gemeine“ Neonazi, die „Glatze“, der parolenschreiende Mitläufer ist vermutlich wirklich überfordert. Aber die Wehrsportgruppen-Leiter, die Köpfe der NPD-Spitze usw., die sind es nicht! Man könnte diesen Leuten doch keinen größeren Gefallen tun, als ihnen die ultimative Waffe für eine noch tiefergehende Gehirnwäsche in die Hand zu geben!
Historiker leben vermutlich wirklich in einem Elfenbeinturm, weit ab von der Realität. Wie sonst kann es sein, daß ein solches Projekt überhaupt in Angriff genommen wird, wo sich überall im Land der Widerstand gegen Rechts-Aufmärsche formiert, wo immer sie stattfinden sollen? 
Geschichte ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, aber sie sollte doch dazu benutzt werden, eine Wiederholung unaussprechlicher Unmenschlichkeit zu verhindern, nicht, sie zu begünstigen. Jede noch so kleine neo-nazistische Gruppe wird es feiern, wenn ihre „Bibel“ wieder in den Buchhandlungen steht, noch dazu in Deutschland! Egal, ob die Historiker das so gewollt haben oder nicht. Und, ich kann es nicht milder umschreiben, sie schlagen jedem einzelnen Opfer des Nationalsozialismus damit ins Gesicht.

(Quellen: dpa, faz online)

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