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Lange habe ich überlegt, ob ich nun, nach zig Artikeln, Interviews, Fernsehauftritten und so weiter, tatsächlich AUCH noch meinen Senf zu dem Thema Literaturwurst dazu geben soll.
Und ja, ich mach das! Und warum? Weil ich als Autorin erstens auch nicht möchte, daß meine Inhalte einfach geklaut werden, schliesslich habe ich mir meinen Kopf darüber zerbrochen, zweitens, weil ich den Zitaten meiner Kollegen mit Respekt begegne.

Theodor Fontane sah das ja eher locker:“Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.“
Dem stimme ich nicht zu. Ein Plagiat ist schlicht und einfach Diebstahl. Genau so, wie die CD, die ich an der Kasse vorbeigeschleust habe, geklaut ist. Da könnte ich dann auch schwerlich behaupten, die Musik darauf ist von mir.
Inzwischen sind regelrechte „Listen“ von Ullstein veröffentlicht worden, mit den Textstellen, bei denen Frau Hegemann sich bedient hat. Damit ist klar, nicht mal 20 % des Buches Axolotl Roadkill sind von ihr. Für mich wäre die einzige Konsequenz, dieses Buch sehr still und leise für immer vom Markt zu nehmen.
Stattdessen flammen unsägliche Diskussionen auf, wo fängt Plagiat überhaupt an, ist es nicht sowieso üblich, überall zu klauen… die ausländische Presse lacht sich indes über den deutschen Literaturbetrieb tot (Das war ein Zitat von Kai Meyer via TWITTER!). Hat er auch verdient, ausgelacht zu werden. Kam denn wirklich niemand auf die Idee, daß das, was Frau Hegemann da (ab-)geschrieben hat, von IHR nicht stimmig sein kann? Vermutlich wollte das keiner sehen. Vermutlich wollte irgendjemand die Lorbeeren für eine „Jahrhundertentdeckung“ einheimsen.

„Eine Idee GUT zu klauen, ist eine Kunst für sich.“ (Jules Feiffer, Cartoonist)
Im Fall Hegemann ist das gründlich schiefgegangen. Daher wohl auch die Tendenz, aus ihr die „arme Helene“ zu machen. Sicherlich ist sie auch ein Opfer, ein Opfer völlig überzogener Eitelkeiten und Erwartungen (von wem auch immer!), niemand hat ihr einen Gefallen mit dieser Aktion getan, denn wann immer in den nächsten Jahren ihr Name fallen wird, höchstens so: „Ach, das war doch die mit dem Plagiat, die nichts eigenes hinbekommen hat!“
Tut sie mir deswegen leid? Nein. Denn auch mit siebzehn Jahren hat man ein Unrechtsbewußtsein und weiß, was richtig und falsch ist. Das mit dem Respekt vor dem Eigentum anderer, das üben wir dann eben nochmal.

Ich finde es durchaus legitim, sich von Sätzen in der vorhandenen Literatur inspirieren zu lassen. Auch ich habe das in meinem neuen Buch (http://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=329859 , ein wenig Eigenwerbung sei mir hier gestattet!) getan, ich habe mich von den wunderbaren Sätzen Martin Walsers tragen lassen – aber ES STEHT AUCH DA! Es sind seine Sätze, nicht meine, und es werden immer seine Worte bleiben. Ich hoffe, er erkennt es als Kompliment an, daß ich sie mir von ihm geliehen habe.

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