Ich beziehe mich hier auf einen Beitrag des „Spiegel Online Schulspiegel“ von heute und es wäre hilfreich, diesen vorher zu lesen: http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,678468,00.html#ref=top
 In diesem Artikel wird ernsthaft diskutiert, Kindern und Jugendlichen Pornofilme im Unterricht zu präsentieren um sich dann anschliessend darüber zu unterhalten. Wir erinnern uns bitte an unsere eigene, völlig unzureichende Sexualerziehung, das Rumgestottere der Lehrkräfte und unser albernes Gekichere bei der obligarorischen Kondomvorführung. Okay, wir haben fachlich zumindest gelernt, wenn der Mann seinen Penis in die Vagina der Frau steckt, kommt nach neun Monaten ein Baby raus, und wir haben, zumindest theoretisch, ebenfalls gelernt, daß das bitte nicht passieren sollte, bevor wir nicht wenigstens zwanzig Jahre alt sind. Aber das war es dann auch schon! Über Sex haben wir nichts gelernt, gar nichts. Wie wäre es denn sonst möglich, daß heute immer noch 13-jährige Eltern werden, trotz Aufklärung, trotz Pille und trotz Kondomen? Da passt doch was nicht zusammen! Und was bitte ist das?
Aufhänger der Diskussion sind die Handypornos, die auf den Schulhöfen kursieren und Kinder mit Inhalten konfrontieren, die sie nicht verstehen. Also wäre Erklärungsbedarf angezeigt. Schön, und wie soll das bitte vor sich gehen, wo fängt das an und wo hört es denn auf? Das genau ist doch der Punkt, der sich bis heute nicht geändert hat und auch niemals ändern wird: die Theorie, in dem Fall das Bild oder Filmchen auf dem Handy, der reine Akt, den man technisch erklären kann. Und dann die Praxis, die vollkommen unerklärbar bleibt, weil man die Intention, die Emotion, nicht erklären KANN, es sei denn, man hat sie selbst erlebt. Selbstverständlich haben manche Kids mit vierzehn heutzutge Sex, aber ich behaupte einfach mal, ihnen fehlt die emotionale Reife, zu verstehen, was sie da tun, zu wissen, was sie überhaupt WOLLEN. Alle machen es, keiner kapierts, aber alle machen mit.
Wie soll das in der Praxis denn bitte aussehen? Sado-Maso, BDSM, Gruppensex und was es da alles gibt? „Frau Meier, warum lässt der Mann da sich mit einer Peitsche verhauen? Findet der das schön?“ Ja, Frau Meier, dann erklären Sie mal. Ich könnte es nicht erklären, weil ich es nicht verstehe! Und ich bin eine gestandene Frau mit Erfahrung, aber da verliessen sie mich dann doch…
Eros und Thanatos, Sex und Tod, sind die beiden einzigen Dinge im Leben, die man niemandem erklären kann, da heißt es, learning by doing, und zwar jeder für sich allein. Beides sind absolut individuelle Prozesse, über die man zwar reden kann – aber niemals erklären. Wir alle kennen (und HASSEN) diesen Satz: „Das verstehst du nicht, dafür bist du noch zu klein/jung!“ Wir fanden ihn blöd und geglaubt haben wir ihn sowieso nicht, aber er ist schlicht wahr. Ich finde, unsere Jugend ist schön verstört genug und ich weiß nicht, ob man sie mit Dingen, die nicht sonderlich gut bis überhaupt nicht erklärbar sind, noch mehr verstören sollte.

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