Schlagwörter

Jedes Jahr wird das „Unwort des Jahres“ gekürt und ich hätte da für 2010 schon einen Vorschlag: REALITÄTSDEPRESSION!

Die Medien übertreiben ja mal gerne, denken wir nur an das Thema „Schweinegrippe“ oder den Dauerbrenner „Schneechaos“. Dieses Chaos nannte man früher einfach Winter, eine Jahreszeit, die jedes Jahr pünktlich aufs Neue alle Autofahrer „völlig überraschend“ trifft. Das schöne Wort Realitätsdepression fiel in Zusammenhang mit James Camerons Film „Avatar“, und zwar würden die Kinobesucher von eben dieser angefallen, nachdem sie dieses 3-D-Meisterwerk gesehen hatten. Vermutlich, weil die reale Welt, in der wir leben, nicht so unglaublich dreidimensional ist, die realen Farben nicht so bunt und das wirkliche Leben für die meisten von uns eher wenig temporeich ist. Zugegeben, der derzeitige Farbenreichtum beschränkt sich auf sämtliche Schattierungen von Grau bis Weiß, was bei einigen Menschen auf Dauer ganz reale Depressionen auslösen kann. Deutschland ist kein Wintermärchen mehr, es ist trist und kalt, erbarmungslos und teuer. Fragen wir doch mal einen Obdachlosen nach seiner Definition von „Realitätsdepression“. Oder eine Familie mit HARTZ-IV-Einkommen, die in einer kalten Wohnung sitzt, weil sie es sich nicht leisten können, die Heizung anzustellen. Am Wochenende erzählte mein Nachbar, jemand hätte im Dorf ein Meerschweinchen ausgesetzt, bei nächtlichen Temperaturen von -15°C. Ganz ehrlich, Leute: haben wir nicht eine ganze Menge andere Gründe für Realitätsdepressionen, als einen Kinofilm?

Advertisements